Dermadrome jeweilige Hauterkrankung

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Hin- oder wegweisende Hauterkrankungen oder -symptome, die durch Erkrankungen und/oder Fehlfunktionen extrakutaner Organe oder Organsysteme entstehen oder wesentlich beeinflusst werden. Die Kenntnis dieser monitorischen Zeichen und deren Zusammenhänge ermöglicht eine gezielte und kostensparende Diagnostik sowie entsprechende zielgerichtete Therapien.

Vorkommen/Epidemiologie

Bei der Beurteilung der Haut muss bei jeder Erkrankung unwillkürlich die Frage nach "Dermadromen", also wichtigen Indikatoren für weitere Organerkrankungen gestellt werden. Denn diese Entscheidung beeinflusst das gesamte medizinische Denken und Handeln entscheidend.

Klinisches Bild

  • Hauterkrankungen entstehen im Wechselspiel zwischen der genetischen Veranlagung (z.B. Hellhäutigkeit und Karzinombildung), externen Einflüssen (z.B. Kontaktallergien; Pollenallergien, Umweltfaktoren sonstiger Art), Erkrankungen und Fehlfunktionen innerer Organe die das Integument sekundär beeinflussen.
  • Es ist aus differentialdiagnostischer Sicht von grundsätzlicher Bedeutung diese Mechanismen zu erkennen und richtig zu werten. Der im klinischen Alltagsgeschäft handelnde Arzt muss in der Lage sein, ad hoc eine Entscheidung über diese 3 unterschiedlichen Wertungslinien zu treffen und daraus seine notwendigen diagnostischen und therapeutischen Konsequenzen ziehen.
  • Folgende klinische Konstellationen sind möglich:
    • Komplikative Organerkrankungen
    • Komplikative Hauterkrankungen
      • Nicht-tumoröse Organerkrankung
      • Tumoröse Organerkrankung (Paraneoplasien)
    • Hautveränderungen bei Multiorganerkrankung
    • Mitbeteiligung der Haut bei Systemerkrankungen.
  • Komplikative Organerkrankungen: Komplikative Organerkrankungen die sich im Gefolge oder durch die Auswirkung einer (meist infektiösen) Hauterkrankung herausbilden sind von Fall zu Fall zu entscheiden. Diese Konstellation bedarf somit bei bestimmten Erkrankungen einer erhöhten klinischen Aufmerksamkeit. Als Beispiele derartiger komplikativer Begleiterkrankungen können z.B. die Multiorganbeteiligungen bei der Borreliose, die Glomerulonephritis bei Streptokokkeninfektionen der Haut, das Asthma bronchiale beim atopischen Ekzem, oder die Herpes-Enzephalitis bei Immuninkompetenten herangezogen werden.
  • Komplikative Hauterkrankungen: Komplikative Hauterkrankungen, die sich während einer bekannten Organerkrankung durch die Folgen der Organerkrankung an der Haut manifestieren. Hierzu gehören folgende Konstellationen:
    • Nicht-tumoröse Organerkrankung deren pathologische Stoffwechselprodukte indikatorische Phänomene hervorrufen: Beispiele: Ikterus bei Hepatitis; Gynäkomastie und Palmarerythem bei Leberzirrhose; Pruritus bei Niereninsuffizienz, Necrobiosis lipoidica bei Diabetes mellitus, warme feuchte Haut und diffuses Effluvium bei Hyperthyreose.
    • Tumoröse Organerkrankung, die durch metabolische Produkte oder immunologische Effekte indikatorische Phänomene an der Haut hervorrufen ( Paraneoplastisches Syndrom). Nicht als Paraneoplasie bezeichnet werden kutane Metastasen eines malignen viszeralen Tumors.
  • Hautveränderungen bei Multiorganerkrankungen:
    • Bei "Multiorganerkrankungen" wird die Haut häufig sekundär mit betroffen. Bei Herzinsuffizienz oder Hypertonie kann die Haut durch unterschiedliche Phänomene wie Hautblässe, zyanotische Hautrötung, Lymphödeme) betroffen sein.
  • Mitbeteiligung der Haut bei Systemerkrankungen: Relativ einfach ist die Lage wenn eine Systemerkrankung gleichermaßen Haut und innere Organe betrifft (z.B. lymphatische Systemerkrankung; systemische Granulomatosen wie Sarkoidose). Schwieriger ist die Konstellation einer Systemerkrankung die sich zunächst an der Haut zeigt, und erst später weitere Organe miterfasst (z.B. SLE, Dermatomyositis; Kälteurtikaria). Diese diagnostisch schwierige Konstellation ist auch bei einer Reihe von Genodermatosen gegeben, z.B. Neurofibromatose, dem M. Osler, beim Gardner-Syndrom u.a.).

Literatur
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  1. Altmeyer P (2007) Dermatologische Differenzialdiagnose. Springer Verlag, Heidelberg

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