Condylomata acuminata A63.0

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

anogental warts; Feigwarzen; Feuchtwarzen; genitale Warzen; Kondylome spitze; Spitze Kondylome; Viruswarzen vom Schleimhauttyp; Warzen Feigwarzen; Warzen genitale

Definition

Zu den STD ( = sexuell transmitted diseases) gehörende, in den letzten Jahrzehnten deutlich zunehmende Infektionskrankheit durch humane Papillomaviren (HPV) mit Ausbildung anfänglich weniger, spitzer weicher Papeln mit Tendenz zur raschen Aussaat sowie zur Bildung von warzenartigen, großflächig knotigen oder beetartigen Wucherungen. 

Erreger

  • Viren der Papova-Gruppe (HPV, s.u. Papillomaviren, humane), meist HPV 6 und 11. Gleichzeitig können Co-Infektionen mit anderen unterschiedlichen HPV-Typen vorliegen, z.B. HPV 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59 und 66.
  • HPV 16, 18, 31, 45 wird ein hohes Karzinomrisiko (fast immer nachweisbar beim Zervixkarzinom), HPV 33, 35, 39 ein mittleres Risiko (Nachweis bei 1-5% invasiv wachsender Zervixkarzinome) sowie HPV 6 und 11 ein geringeres Risiko (nur seltener Nachweis bei invasiv wachsenden Zervixkarzinomen) beigemessen. HPV 16 wird zu nahezu 100% bei der bowenoiden Papulose gefunden. HPV 6 und 11 sind auch Erreger der Larynxpapillome.

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweit u. panethnisch sehr verbreitet (weltweit häufigste STD). Bei ca. 1% der sexuell aktiven Erwachsenen in Europa zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr nachgewiesen.

Ätiopathogenese

  • Übertragung von Mensch zu Mensch durch direkten Kontakt, v.a. beim Geschlechtsverkehr. Begünstigend wirken feuchtes Milieu, z.B. Fluor vaginalis, Urethritis, Intertrigo, Phimose, Ekzem, Analekzem, evtl. Ovulationshemmer, Immunschwäche.
  • Bei Kindern mit Condylomata im Genital- und Analbereich verlangt die Fürsorgepflicht möglichen Hinweisen auf Kindesmissbrauch nachzugehen. Wichtig ist eine psychosoziale Anamnese. Weiterhin gilt es eine möglichen Infektionsquelle zu eleminieren. Verhaltensstörungen der Kinder, Störungen der Elern-Kind-Beziehung sind ggf. zusammen mit einem Kinderpsychologen zu eruieren.

Manifestation

Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 20. und 24. Lebensjahr.

Lokalisation

Bei der Frau: Peri- und intraanal; große und kleine Labien, Introitus vaginae, in 20% der Fälle auch intravaginal, in 6% an der Cervix. Beim Mann: Sulcus coronarius, inneres Präputialblatt, Frenulum.

Klinisches Bild

  • Initial kleine, 0,2- 0,5 cm große, rötliche bis graugelbliche, weiche Knötchen, die selten einzeln, meist jedoch multipel, disseminiert auftreten, oder zu großflächigen, warzigen, zerklüfteten Plaques oder Knoten aggregierenen können. Bei Mazeration Übergang in schmierige, übel riechende, zerfallende Wucherungen.
  • Kondylome können auch jenseits des Schleimhautbereiches auftreten; sie erscheinen z.B. am Penisschaft, dann als weiche pigmentierte Papillome, die dann pigmentierten seborrhoischen Keratosen (untypische Lokalisation) ähneln.
  • Sonderformen: Condylomata gigantea, Condylomata plana.

Histologie

Scharf begrenzter, exophytischer Neubildung mit voluminöser Akanthose mit verbreiterten und verlängerten Reteleisten, geringer Hyperkeratose und fokaler Parakeratose. Im Gegensatz zu den vulgären Warzen fehlt eine Akzentuierung und Verbreiterung des Str. granulosum. Koilozyten sind diagnostisch wichtig, treten aber häufig so distinkt auf wie bei der Verruca vulgaris. Subepidermal meist schütteres Rundzellinfiltrat.

Differentialdiagnose

Analbereich:

 AIN, Analkarzinom: wichtige Differenzialdiagnose; schuppende, weißliche, erythematöse, ekzematöse, papillomatöse, papulöse, pigmentierte oder fissurierte Plaques beschrieben. Induration und Ulzeration können Hinweis auf Invasion sein.  Marisken: häufig; nicht reponierbare, solitäre oder multiple, indolente, sich beim Pressen nicht füllende, schlaffe Hautfalten. Condylomata lata: selten; nässende, breit aufsitzende Papeln und Plaques; übler Foetor, massenhaft Spirochäten im Dunkelfeld nachweisbar Chronisches Analekzem unterschiedlicher Ätiologie: wulstige Verdickung und Lichenifikation von Haut- und Halbschleimhaut mit  Erythem und Rhagaden sowie punktförmigen und flächigen Erosionen, strichförmigen Kratzspuren als Ausdruck des meist heftigen Juckreizes.

Penis und Glans penis:

Pseudokondylome = Hirsuties papillaris penis: Ausbildung reihenförmig angeordneter, reaktionsloser papillärer oder filiformer, weißlich-roter Knötchen am proximalen Rand der Glans vor dem Übergang in den Sulcus coronarius; nie Aggregation der Papeln.  PIN: - entspricht meist dem Befund der Erythroplasie - mit meist schmerzlosem, solitärem, sattrotem, scharf begrenztem, samtartig gekörntem, manchmal plattenartigem Herd; nie verrukös. Bowenoide Papeln: Meist multiple, 0,2-0,5 cm große, flache, rotbraune (an Lichen planus erinnernde) unregelmäßig begrenzte Papeln mit meist glatter oder samtartiger, gelegentlich aber auch verruköser, dann meist weißlich tingierter Oberfläche.

Penisschaft

Skabies granulomatosa: selten im Bereich der Glans penis anzutreffen, meist Penisschaft,  dort als solitäre oder gruppierte rote, juckende feste Papeln. Verruca seborrhoica: Meist scharf begrenzte, meist disseminierte, rundliche bis ovale, 0,5 - 1,0 cm große, weiche, erhabene, grau-braune oder auch schwarze, breit auf der Unterfläche aufsitzende Papeln oder Knoten mit zerklüfteter, warziger Oberfläche.

Therapie allgemein

Externe Therapie

Operative Therapie

Verlauf/Prognose

Praktisch nie Spontanheilung; bei langem Bestand maligne Entartung möglich.

Prophylaxe

In einer Multicenterstudie konnte durch eine quadrivalente HPV-Vakzine bei jungen Frauen im Alter von 16-23 Jahren ein deutlicher Rückgang HPV 6, 11, 16 und 18 induzierter Infektionen erzielt werden. Präkanzeröse Dysplasien bzw. genitale Warzen wurden nicht beobachtet. Die Zulassung in der EU für den Impfstoff  Gardasil wurde Ende 2006 gegeben. Derzeit übernehmen in Deutschland einige Gesetzliche Krankenkassen die Kosten für die Behandlung junger Frauen im Alter von 9-15 Jahren als freiwillige Zusatzleistung.

Gegenwärtig wird die HPV-Impfung für (rezidivierende) Kondylome beim Mann nicht empfohlen. Der Impfstoff ist jedoch für Männer bis zum Alter von 26 Jahren zugelassen, demnach einsetzbar. Die Kostenfrage ist mi den Krankenkassen vorher zu klären.   

Naturheilkunde

Begleitende immunstimulierende Therapie mit Ecchinacea-, Uncaria tomentosa, Papaya-Produkten (z.B. das Carotinoid Lycopen) wird als hilfreich angesehen.

Nachsorge

Regelmäßige u.U. langjährige Nachkontrollen wegen der bekannten hohen Rezidivgefahr (die Patienten sind auf die hohe Rezidivquote hinzuweisen!).

Hinweis(e)

HP-Viren sind zu über 95% an der Pathogenese des Zervixkarzinoms beteiligt.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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  11. Weyandt GW (2011) Neue Therapieansätze zur Sanierung anogenitaler HPV-Infektionen. Hautarzt 62: 28-33

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