Ciclosporin A

Zuletzt aktualisiert am: 18.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Ciclosporin; cyclosporine

Definition

Immunsuppressiv wirksames, hochlipophiles, membranpermeables, zyklisches Polypeptid ( Calcineurininhibitoren). Bindet im Zytoplasma an das Immunophilin Cyclophilin (CyP; für die intrazelluläre Metabolisierung von neu synthetisierten Proteinen zuständig).

Wirkungen

Die Bindung des CyA/CyP-Komplexes an die Ca/Calmodulin abhängige Phosphatase Calcineurin ist für die therapeutische Wirkung ursächlich.

Calcineurin ist für die Dephosphorylierung des nukleären Faktors aktivierter T-Zellen (NFAT) verantwortlich.

NFAT wird in den Zellkern transloziert u. induziert dort die Transkription zahlreicher Gene.

Die Phosphatase-Aktivität des Enzyms Calcineurins wird durch Bindung an den CyA/CyP Komplex gehemmt, somit die Translokation von NFAT. Die Folge: Inhibition der Transkription zahlreicher Zytokingene wie den von IL-1, IL-2, IL-4, IL-8 (s.u. Interleukine), TNF-alpha, INF-gamma.

Indikation

Medikament der 2. bis 3. Wahl bei Autoimmunerkrankungen sowie Erkrankungen, die mit einer gestörten Keratinisierung einhergehen, insbes. bei systemischem Lupus erythematodes, systemischer Sklerodermie, M. Behçet, Dermatomyositis, Sarkoidose, T-Zell-Lymphomen, Pemphigus vulgaris, bullösem Pemphigoid, Psoriasis vulgaris, atopischem Ekzem (schwerste Formen), Lichen planus mucosae (auch topische Anwendung möglich), rheumatoider Arthritis.

Eingeschränkte Indikation

Z.n. kutanen Präkanzerosen oder Karzinomen, Hyperlipidämie, Hyperurikämie, Schwangerschaft (intrauterine Wachstumsverzögerung).

Dosierung und Art der Anwendung

  • Systemisch: Initial 2,5-7,5 mg/kg KG/Tag p.o., nach einem Monat schrittweise Reduktion auf eine Erhaltungsdosis von 1-2,5 mg/kg KG/Tag. Durch Bestimmungen des Blutplasmaspiegels lässt sich ein optimaler Wirkspiegel von 100-200 ng/ml einstellen (Blutentnahme morgens, vor Einnahme des Präparates!).

Merke! Vor Durchführung der Therapie: BB und Überprüfung der Nierenfunktion!

Unerwünschte Wirkungen

Kutane UAWs: Hyperhidrose, allergische Reaktionen, Urtikaria, Pruritus, periorbitale Ödeme, benigne ( Talgdrüsenhyperplasien) und maligne Hauttumoren (v.a. in Kombination mit Phototherapie), Akne, Hirsutismus, Hypertrichose, Gingivahyperplasie.

Extrakutane UAWs: BB-Veränderungen, Hyperglykämie, Gynäkomastie, Amenorrhoe, Spermatogenesehemmung, Sinusitis, Magen-Darm-Störungen, Leberschaden, Hypertonie, Ödem, Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Parästhesien, Nierenschaden, Hörverlust, Sehstörungen, Myalgien, Arthralgien, Rhabdomyolyse.

Wechselwirkungen

Die Wechselwirkung von Ciclosporin mit CYP-Enzymen (CYP3A4) kann zu einer erhöhten oder verminderten Clerance von Arzneimitteln führen (s.a. Enzyminduktion). S. Tab.

Kontraindikation

Hypertonie, Kinder und Jugendliche < 18 Jahren (bei Indikation Psoriasis vulgaris), schwerer Leberschaden (bei Indikation Psoriasis vulgaris), Stillzeit, Überempfindlichkeit gegen den Wirk- bzw. Hilfsstoff Cremophor EL, Psoriasis pustulosa, psoriatische Erythrodermie.

Merke! Nach einer Ciclosporintherapie darf wegen eines erhöhten Risikos spinozellulärer Karzinome keine PUVA-Therapie mehr durchgeführt werden!

Rezeptur(en)

Ciclosporin A-Haftpaste 2,5%

Ciclosporin A-Lösung 1–2% (nach Altmeyer -  R047)

Präparate

Sandimmun, Sandimmun Optoral; Immunosporin

Hinweis(e)

  • Fazit für die Indikation Psoriasis: Ciclosporin ist ein effektives Antipsoriatikum (rasche Reduktion des PASI und des Hautbefundes sowie Steigerung der Lebensqualität des Patienten); Nebenwirkungen (Malignomrisisko, Nephrotoxizität, Hypertonie) sind durch einen Vorzug der Kurzzeittherapie gegenüber der Langzeittherapie zu minimieren.
  • Ciclosporin A (z.B. Immunosporin) ist zur systemischen Therapie des atopischen Ekzems zugelassen. Bzgl. der Effektivität von Ciclosporin zur systemischen Behandlung schwerster Formen des atopischen Ekzems wurden ermutigende Studien publiziert. 73 Probanden wurden mit Ciclosporin (2,5-5 mg/kg KG/Tag) im Durchschnitt über 1,13 Jahre behandelt. Innerhalb der ersten Therapiewochen zeigte sich eine rasche klinische Verbesserung, bei 77% war die Therapie erfolgreich. Als wesentliche unerwünschte Arzneimittelreaktionen wurden Kreatininanstieg und arterieller Hypertonus angegeben. Bei 8% der Probanden kam es zu einem Rebound-Phänomen (erneutes Auftreten von klinischen Symptomen, schwerwiegender als vor der Therapie) nach Beendigung der Behandlung.

Merke! Praktische Hinweise zur Reduzierung der potentiellen Nephrotoxizität: Ciclosporin Dosis auf max. 5 mg/kg KG/Tag begrenzen. Vor Therapiebeginn 2mal Kontrolle des Kreatinins. Verlaufskontrollen des Serumkreatinins in den ersten 3 Monaten alle 2 Wochen, danach monatlich. Regelmäßige Kontrolle des Blutdruckes. Die Therapiedauer sollte so kurz wie möglich gehalten werden.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bornhovd EC et al. (2000) Immunosuppressive macrolides and their use in dermatology. Hautarzt 51: 646-654
  2. Boschnakow A et al. (2003) Ciclosporin A-induced sebaceous gland hyperplasia. Br J Dermatol 149: 198-200
  3. Heydendael VM et al. (2003) Methotrexate versus cyclosporine in moderate-to-severe chronic plaque psoriasis. N Engl J Med 349: 658-665
  4. Hijnen DJ et al. (2007) Efficacy and safety of long-term treatment with cyclosporin A for atopic dermatitis. J Eur Acad Dermatol Venereol 21: 85-89
  5. Ho VC (2004) The use of ciclosporin in psoriasis: a clinical review Br J Dermatol 150 (Suppl. 67): 1-10
  6. Ortiz-Urda S et al. (2003) New immunosuppressive agents for treating psoriasis. Hautarzt 54: 230-236
  7. Sano S et al. (2003) Treatment of primary erythromelalgia with cyclosporine. N Engl J Med 349: 816-817
  8. Zouboulis C et al. (2003) Ciclosporin A - induced sebaceous glands hyperplasia. Br J Dermatol 149: 198-200

Tabellen

Wesentliche Wechselwirkungen von Ciclosporin A

Allopurinol

Allopurinol-Spiegel ↑

Azetazolamid

Nierenschaden, Ciclosporin-Toxizität ↑

Barbiturate

Ciclosporin-Spiegel ↓

Calciumantagonisten

Ciclosporin-Spiegel ↑, ggf. Ciclosporin-Dosierung reduzieren

Carbamazepin

Ciclosporin-Spiegel ↓

Colchicin

Myopathie-Risiko ↑, Nierenschaden, Rhabdomyolyse

Cumarine

Cumarin-Wirkung ↓, Thromboserisiko ↑

Diflunisal

wechselseitige Toxizität ↑, sorgfältige Überwachung der Nierenfunktion

Digoxin

Digoxin-Toxizität ↑

Diuretika, kaliumsparende

Hyperkaliämie, Kombination meiden

Furosemid

Hyperurikämie, Gichtanfall

Grapefruit-Saft

Ciclosporin-Spiegel bis um 1/3 ↑, Nierenschaden

HMG-CoA-Reduktase-Hemmer

Myopathie-Risiko ↑, Kombination meiden

Kaliumpräparate

Hyperkaliämie, Kombination meiden

Kontrazeptiva, hormonelle

Ciclosporin-Spiegel ↑, Leberschaden

Lebendvirusimpfstoffe

Impfstoffwirkung ↓, Kombination meiden

Metamizol

Ciclosporin-Spiegel ↓

Metoclopramid

Ciclosporin-Spiegel ↑, Leber- und Nierenschäden

NSAR

Nierenschaden, Nierenfunktion unter der Therapie überprüfen

Phenytoin

Ciclosporin-Spiegel ↓

Prednisolon

Prednisolon-Spiegel ↑

Thiazid-Diuretika

Nierenschaden, Gicht, Kombination meiden

Totimpfstoffe

Impfstoffwirkung ↓

Ursodesoxycholsäure

Ciclosporin-Spiegel ↑

 

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