Candidose der Mundschleimhaut B37.0

Zuletzt aktualisiert am: 15.12.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Chronic localized candidiasis; Mundsoor; Oral candidiasis; Orale Candidiasis; Orale Kandidose, Orale Candidose; Oropharyngeale Candidose; Stomatitis candidamycetica

Definition

Befall v.a. von Zunge, auch Wangenschleimhaut, weichem und hartem Gaumen mit einzeln stehenden oder auch konfluierenden weißen bis grauweißen, meist gut abstreifbaren Plaques, teilweise Zungenbrennen.

Einteilung

Nach Mayser (2018) lassen sich mehrere klinische Manifestationsformen unterscheiden:

  • Akute pseudomembranöse Candidose (Mundsoor)
  • Akute erythematöse Candidose
  • Akute atrophische Candidose (Gebissträger-Stomatitis)
  • Chronische hyperplastische Candidose (Candida-Leukoplakie)
  • Perlèche (Angulus infectiosus)

Vorkommen/Epidemiologie

Gehäuftes Auftreten v.a. bei Säuglingen, bei Patienten mit chronischem Asthma bronchiale, die mit inhalativen Glukokortikoiden dauerbehandelt werden, bei Immunsuppression, Diabetes mellitus oder bei alten Menschen mit schlecht sitzender und gepflegter Zahnprothese. Die orale Candidose stellt die häufigste opportunistische Erkrankung bei HIV-Infizierten dar. Prädisponierend sind auch erosive Erkrankungen der Mundschleimhaut wie Lichen planus erosivus, Pemphigus vulgaris u.a. 

Klinisches Bild

Akute pseudomembranöse Candidose (Mundsoor)

Die akute pseudomembranöse Kandidose, ist die klinische Erscheinungsform der oralen Kandidose, die i.A. als klassischer Mundsoor bezeichnet wird. Sie tritt v.a. bei Neugeborenen sowie bei Immundefizienz auf.

Hierbei finden sich auf flächigen Enanthemen, symptomarme, weißliche Auflagerungen, zunächst stippchenartig, später kleinflächig oder konfluierend großflächig. Die Beläge lassen sich mit einem Holzspatel leicht abstreifen. Nach Abstreifen der Beläge findet sich eine unterliegende, tiefrote leicht blutende Schleimhaut. Subjektiv werden Missempfindungen wie Geschmacksstörungen und/oder pelziges Gefühl geäußert. Diese Form der oralen Kandidose ist häufig mit einer Kandidose des Pharynx, des Ösophagus oder der Zunge vergesellschaftet.

Akute erythematöse Candidose

Klinisch findet sich eine geschwollene, glänzende, hochrote Mundschleimhaut mit verstrichenen Papillen. Betroffen ist meist die Zungenoberfläche. Die akute erythematöse Kandidose entwickelt sich meist aus der einer präexistenten akuten pseudomembranöse Kandidose. Sie tritt v.a. bei Immundefizienzien auf oder nach langdauernder Antibiotikatherapie.

Chronische atrophische Candidose

Meist tritt diese Form der oralen Candidose bei Prothesenträger (Gebissträger-Stomatitis) unter den Auflagenstellen der Gebissprothese auf. Die läsionale Schleimhaut ist hochrot, atrophisch glänzend. Entsprechend der Prothesenauflagestellen finden sich die Veränderungen am harten Gaumen sowie an der gingivalen Schleimhaut des Unter- und Oberkiefers. Das subjektive Empfinden ist nur unwesentlich gestört.

Candida Leukoplakie

Bis heute ist unklar ob diese klinische Symptomatik als Candida-Leukoplakie oder als hyperplastische Candidiasis zu bezeichnen ist. Ebenso unklar ist, ob die Candida-Infektion die Ursache der Leukoplakie ist oder ob es sich um eine Superinfektion einer präexistenten Schleimhautveränderung handelt.

Klinisch ist dieses Krankheitsbild durch eine (pflastersteinartige) Leukoplakie (im Gegensatz zu dem klassischen Mundsoor keine leicht abstreifbaren Auflagerungen) gekennzeichnet. Die leukoplakischen Veränderungen sind von einem Erythemsaum umgeben. Wichtig ist die Abgrenzung (oder der Ausschluss) einer prämalignen Leukoplakie.

Diagnose

Mykologische Kultur. Beachte: Stuhl auf Hefen untersuchen!

Therapie allgemein

Sorgfältige Mundhygiene, ggf. Behandlung einer Grunderkrankung. Ggf. Sanierung der Zähne bzw. der Prothese.

Externe Therapie

Nichtresorbierbare Antimykotika wie Amphotericin B oder Nystatin in flüssiger Form (z.B. Ampho-Moronal Suspension oder Lutschtabletten, Candio-Hermal Suspension, Nystatin Lederle Trp.) über mind. 10 Tage. Bewährt hat sich das Gurgeln mit einer 1:50 verdünnten Amphotericin B-Lösung 2mal/Tag.

Interne Therapie

Bei schwerem Befall oder Beteiligung der Speiseröhre (Soorösophagitis) systemische Therapie mit Fluconazol (z.B. Diflucan) 200 mg/Tag über 10-14 Tage. Resistenzen sind bekannt, nach Therapiekontrolle mit Rachenspülwasser ggf. Kombinationstherapie mit Amphotericin B oder liposomalem Amphotericin B (AmBisome) und Flucytosin (z.B. Ancotil). S.u. Candida-Sepsis.

Alternativ: Posaconazol Tag 1:1x200mg p.o.; anschließend für 13 Tage 100mg p.o.

Alternativ: In therapieresistenten Fällen Amphotericin B 0,3 mg/kg KG/Tag i.v. über 5-10 Tage.

Sekundärprophylaxe bei rezidivierendem Mundsoor (evtl. mit Soorösophagitis): Fluconazol 50 mg/Tag p.o. oder 3mal/Woche 100 mg/Tag p.o. Alternativ: Posaconazol: 3x200mg/Tag.   

Bei Immunsupprimierten: Fluconazol initial 200 mg p.o., dann 100 mg/Tag über 5-10 Tage. Bei Nichtansprechen Verdoppelung der Dosis.

Nachsorge

Regelmäßige klinische Kontrolle und Abstriche.

Literatur
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  1. Fukushima C et al. (2003) Oral candidiasis associated with inhaled corticosteroid use: comparison of flucasone and beclomathasone. Ann Allergy Asthma Immunol 90: 646-651
  2. Mayer P (2018) Mykosen. In: Braun-Falco`s Dermatologie, Venerologie Allergologie G. Plewig et al. (Hrsg) Springer Verlag S 280-281

Disclaimer

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