Candidose chronische mukokutane (CMC) B37.2

Zuletzt aktualisiert am: 07.07.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

APECED-Syndrom; Candidiasis chronische mukokutane; Candidose chronische-mukokutane; Chronic mucocutaneous candidiasis; Chronic mucocutaneous candidiasis disease; Chronische mukokutane; chronische mukokutane Candidose; CMC; Dysplasie hereditäre mukoepitheliale; Hereditäre mukoepitheliale Dysplasie; Hereditary mucoepithelial dysplasia; Mukoepitheliales Dysplasie-Syndrom; Mukokutane Candidiasis; mukokutane Candidose

Erstbeschreiber

Thorpe und Handley, 1929

Definition

Bezeichnung für eine Gruppe seltener, chronischer, mukokutaner Candidosen (CMC) mit veränderter selektiver Immunantwort gegenüber Candida spp. Primäre Formen werden als autosomal-dominant oder autosomal rezessiv vererbliche Immundefizienz-Syndrome bereits in früher Kindheit klinisch auffällig. 

Die häufigeren sekundären Formen begleiten schwerwiegende Systemerkrankungen (HIV, maligene Geschwülste, immunsuppresive Dauertherapie), insbes. bei reduzierter zellvermittelter Immunabwehr. 

Einteilung

  • Chronische orale Candidose:
  • CMC mit endokrinologischen Störungen: Diese Kombination wird auch als "polyglanduläres Autoimmunsyndrom vom Typ I" bezeichnet):
    • Hypoparathyreodismus (ca. 60-80%)
    • Hypothyreose (ca. 3%)
    • Nebenniereninsuffizienz oder Nebennierenversagen (ca. 60-75%)
    • Chronische lymphozytäre Thyreoiditis
    • Ovarielle Insuffizienz (ca. 25%)
    •  Diabetes mellitus (ca. 12%)
    • Störungen der Wachstumshormonsynthese.
  • CMC mit ektodermalen Dysplasien: Kombinationen von CMC mit Fehlbildungen der Hautanhangsorgane werden als APECED - Akronym für "autoimmune polyendocrinopathy with candidiasis and ectodermal dystrophy" - bezeichnet.
    • Lokalisierte CMC mit Hyperkeratosis palmaris
    • Diffuse CMC familiärer Typ (u.a. Nachweis von heterozygoter "gain-of -function" Mutationen von STAT1; insgesamt sind etwa 30 unterschiedliche Mutationen beschrieben, die zu dem Phänotyp CMC führen)
    • CMC mit interstitieller Keratitis Typ Okamoto
    • CMC mit Trias aus Keratitis, Ichthyosis, Taubheit.
  • Weitere:
    • Diffuse CMC mit familiärer Sphärozytose
    • CMC mit Thymom

Ätiopathogenese

  • Ätiopathogenetisch liegen unterschiedliche Defekte zugrunde, deren molekulargenetisch Charakteristik teilweise bekannt ist. Die Vererbbarkeit unterschiedlich.

  • Das polyglanduläre Autoimmunsyndrom vom Typ I/APECED wird autosomal rezessiv vererbt. Hierbei liegt ein Defekt in dem sog. "AIRE" -Gen vor (AIRE als Akronym für - autoimmune regulator-).

  • Familien mit autosomal-dominanter Vererbung sind beschrieben bei denen ausschließlich Candidainfektionen vorliegen, jedoch  keine Hormonstörungen.

  • Weiterhin wurde ein Mutationen im  STAT1 Gen: STAT= Akronym für "Signal Transducer and Activator of Transcription" einem Transkriptionsfaktor, der durch IL-6 induziert werden kann) beschrieben.
  • Übrige Formen: Meist Folge einer Grunderkrankung.

Manifestation

Meist in der Kindheit, vereinzelt auch im Erwachsenenalter.

Lokalisation

Oral, oropharyngeal, vulvovaginal, perianal. Oft mit Nagelbeteiligung.

Klinisches Bild

  • Candidose der Mundschleimhaut, häufig mit Beteiligung von Larynx und Ösophagus, Perlèche, vulvovaginale Candidose und intertriginöse Candidose. Teilweise scharf abgegrenzte, hyperkeratotische oder granulomatöse Läsionen im Gesicht, hier besonders an den Lippen und den Augenlidern, aber auch favusartige Veränderungen im Bereich des Kapillitiums sowie an den Akren. Verdickte, dystrophische Nagelplatte, gerötetes, ödematös geschwollenes Nagelbett (Paronychia candidamycetica).
  • Persistierende, flach erhabene, rötliche Plaques mit vorwiegend periorifizieller Anordnung um Nase, Mund, Augen, Urethra, Vagina und Anus.
  • Häufig nicht vernarbende Alopecia universalis.
  • Vitiligo
  • Endokrinologische Störungen:
    • Schilddrüsenfunktionsstörungen (Autoimmunthyreopathie)
    • Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus) mit Kalziumdefizienzen.
    • Hypogonadismus
    • Unterfunktion der Nebennierenrinde (Morbus Addison) mit Müdigkeit, Appetitmangel, Übelkeit und Erbrechen u.a.
  • Oft erhöhte Anfälligkeit für bakterielle Infekte mit chronischer Rhinitis und rezidivierenden Pneumonien.
  • Bei gastrointestinaler Beteiligung: Diarrhoe, Melaena.
  • Bei urogenitaler Beteiligung: Enuresis und Hämaturie; bei Knaben oft Urethrastrikturen.
  • CMC mit interstitieller Keratitis Typ Okamoto: Um das 5. Lebensjahr bilaterale Keratokonjunktivitis, Vaskularisierung der Kornea mit Pannusbildung, in der Folge Hornhautvernarbung und Entwicklung von posterioren subkapsulären Katarakten; die meisten Patienten erblinden zwischen dem 7. und 9. Lebensjahr; im späteren Verlauf (2. bis 3. Lebensjahrzehnt) interstitielle Lungenfibrose, häufige Episoden eines spontanen Pneumothorax.
  • CMC mit M. Addison, Diabetes mellitus Typ I und Immunthyreopathie (Hashimoto Thyreoiditis) s.u. Polyendokrinologisches Syndrom, autoimmunologisches.

Labor

Je nach Grunderkrankung.

Histologie

Chronische Dermatitis und Mukositis. Störung der Keratinisierung. Elektronenmikroskopie: Verminderte Anzahl von Desmosomen und gap junctions“.

Diagnose

Klinik, Mykologie, Labor

Externe Therapie

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

Fast immer rezidivierender Verlauf.

Bemerkung: Die komplette Eradikation ist meist nicht zu erreichen. Somit wird eine langzeitige (u.U. auch lebenslange) antimykotische Behandlung notwendig sein.  

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Coleman R, Hay RJ (1997) Chronic mucocutaneous candidosis associated with hypothyroidism: a distinct syndrome? Br J Dermatol. 136: 24-29
  2. Kirkpatrick CH et al. (1989) Chronic mucocutaneous candidiasis. Eur. J. Clin Microbiol Infect Dis 8: 448-456
  3. Lingelbach A et al. (2003) Chronic mucocutaneous candidosis with severe esophageal stricture. Mycoses 46:S15-18
  4. Okamoto GA, Hall JG, Ochs H et al. (1977) New syndrome of chronic mucocutaneous candidiasis. Birth Def Orig Art Ser XIII(3B): 117-125
  5. Seebacher C et al. (2006) Candidose der Haut. J Dtsch Dermatol Ges 4: 591-596
  6. Urban MD, Schosser R, Spohn W et al. (1991) New clinical aspects of hereditary mucoepithelial dysplasia. Am J Med Genet 39: 338-341
  7. Witkop CJ Jr, White JG, King RA et al. (1979) Hereditary mucoepithelial dysplasia: a disease apparently of desmosome and gap junction formation. Am J Hum Genet 31: 414-427
  8. Yamazaki Y et al.(2014) Two novel gain-of-function mutations of STAT1 responsible for chronic mucocutaneous candidiasis disease:
    impaired production of IL-17A and IL-22, and the presence of anti-IL-17F autoantibody. J Immunol 193:4880-4887

  9. Zuccarello D et al. (2002) Familial chronic nail candidiasis with ICAM-1 deficiency: a new form of chronic mucocutaneous candidiasis. J Med Genet 39: 671-675

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