Bruzellosen A23.9

Zuletzt aktualisiert am: 23.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Brucellosen; Bruce-Septikämie; Febris mediterranea; Maltafieber; Mittelmeerfieber

Erstbeschreiber

Marston, 1861; Bruce, 1887

Definition

Durch Infektion mit Bruzellen (v.a. Brucella (B.) melitensis, B. abortus, B. suis, B. ovis) hervorgerufene meldepflichtige Anthropozoonosen. Nach dem Stadium der Bakteriämie mit undulierendem Fieber Ausbildung einer granulomatösen Entzündung v.a. in Lymphknoten, Milz und Leber sowie einer Arthritis der Ileosakral-, Intervertebral- und Hüftgelenke.

Erreger

Bruzellen sind kleine, gramnegative unbegeißelte Stäbchenbakterien. Man unterscheidet 3 Spezies, die klinisch sehr ähnliche Krankheitsbilder verursachen:
  • Brucella abortus (Erreger des M. Bang = Febris undulans bovina): Hauptwirt ist das Rind (ruft dort eine fieberhafte Allgemeininfektion hervor).
  • Brucella melitensis (Erreger des Maltafiebers = Mittelmeerfieber, Febris mediterranea, Febris undulans melitensis, Bruce-Septikämie, Wellenfieber): Hauptwirte sind Schafe und Ziegen.
  • Brucella suis (Schweinebruzellose = Brucellosis suis): Hauptwirt ist das Schwein.

Vorkommen/Epidemiologie

  • B. abortus: Weltweit auftretend, insbesondere in gemäßigten und tropischen Gebieten, in denen Rinderzucht betrieben wird.
  • Brucella melitensis: Mittelmeerraum, Afrika, Südamerika.
  • B. suis: Nordamerika.

Ätiopathogenese

Infektion mit Bruzella spp., insbes. bei Übertragung durch rohe Milch, direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine) bzw. deren Geweben sowie Einatmen infizierter Aerosole. Häufig treten die Erreger auf vorgeschädigter Haut oder Konjunktiven (Schmierinfektion) ein. Übertragung von Mensch zu Mensch nur in Ausnahmefällen.

Klinisches Bild

  • Inkubationszeit 2-6 Wochen. Auf ein Prodromalstadium mit uncharakteristischen Allgemeinerscheinungen folgt das Stadium der Bakteriämie mit typischen, jedoch nicht obligaten, wellenförmigen Temperaturschüben (undulierendes Fieber): über 5-7 Tage langsam auf 38-40 °C ansteigendes Fieber, anschließend ebenso langsamer Abfall. Diese Schübe können sich wochen- bis monatelang wiederholen. Außerdem Hepatosplenomegalie, Kopf-, Gliederschmerzen, evtl. gastrointestinale Symptome. An der Haut können äußerst vielgestaltige, mehr oder weniger generalisierte Exantheme auftreten, makulös, papulös, psoriasiform, hämorrhagisch, Erythema-exsudativum-multiforme-artig.
  • Im anschließenden Stadium der Organmanifestation Ausbildung von Granulomen in Lymphknoten, Leber, Knochen u.a. Organen. Selten in der Haut als uncharakteristische, ulzerierende Knoten, plattenartige Infiltrate, Ekthymata-artige Effloreszenzen.

Diagnose

Anamnese (Landwirte, Metzger, Veterinäre, Trinken roher Milch; Reisen in Mittelmeerländer). Mikroskopischer und kultureller Erregernachweis aus Blut und Körperflüssigkeiten, Organpunktaten, Lymphknotenbiopsie. Antikörpernachweis (IgG, IgM, Titeranstieg) mit ELISA, KBR oder Agglutinationsreaktion nach Widal.

Therapie

Verlauf/Prognose

  • Bei Therapie in der akuten Phase (Therapiebeginn während der ersten 3 Monate) sind die Heilungsaussichten 90-100%, später 60-80%.
  • Bei spätem Therapiebeginn gelingt es häufig nicht, die Erreger vollständig zu eliminieren; chronische, jahrelange Verläufe mit rezidivierendem Aufflammen der Erkrankung sind möglich. In ca. 5% der therapierten Fälle kommt es zu Rückfällen durch persistierende sensitive Erreger, so dass ggf. ein erneuter Therapieversuch mit dem bestehenden Regime erfolgen kann (Antibiogramm!).

Literatur
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  1. Ariza J et al. (1992) Treatment of human brucellosis with doxycycline plus rifampicin or doxycycline plus streptomycin. A randomized, double-blind study. Ann Intern Med 117: 25-30
  2. Bang B (1897) Die Aetiologie des seuchenhaften ("infectiösen") Verwerfens. Z Tiermedicin 1: 241-278
  3. Bruce D (1887) Note on the discovery of a microorganism in Malta fever. Practitioner (London) 39: 161-170
  4. Marston JA (1861) Report on fever (Malta). Royal Army Med Dept Rep 3: 486-521
  5. Mazokopakis E et al. (2003) Acute brucellosis presenting with erythema nodosum. Eur J Epidemiol 18: 913-915
  6. McLean DR et al. (1992) Neurobrucellosis: clinical and therapeutic features. Clin Infect Dis 15: 582-590
  7. Metin A et al. (2001) Cutaneous findings encountered in brucellosis and review of the literature. Int J Dermatol 40: 434-438
  8. Milionis H et al. (2000) Cutaneous manifestations in brucellosis: case report and review of the literature. Infection 28: 124-126
  9. Weil Y et al. (2003) Brucella prosthetic joint infection: a report of 3 cases and a review of the literature. Clin Infect Dis 36: e81-86

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