Botryomykose L98.0

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Botryomycosis; Botryomykom

Erstbeschreiber

Bollinger, 1870; Spitz, 1903; Opie, 1913

Definition

Seltene, chronische, häufig durch Staphylokokken, aber auch andere Bakterien ausgelöste, klinisch und histologisch der Aktinomykose ähnelnde, primär als Mykose fehlinterpretierte (Pseudomykose),  chronische Infektionserkrankung, die v.a. die Haut, die angrenzende Organsysteme aber auch als " viszerale Botryomykose" sämtliche andere Organe befallen kann.

Einteilung

Kutane u. viszerale Verläufe.

Vorkommen/Epidemiologie

Sehr selten. Gehäuft bei immunsupprimierten Patienten: HIV-Infektion, Diabetes mellitus, immunsuppressiver Therapie, zystischer Fibrose, Osteomyelitis, Zahn- oder Kieferinfektionen.

Ätiopathogenese

Bakterielle Infektionen, am häufigsten durch S. aureus hervorgerufen, seltener durch P. aeruginosa, Bacillus spp., Proteus spp., E. coli, Streptokokkus spp., Neisserien.

Manifestation

Kutan (> 60%); kutan u. viszeral (ca. 20%); viszeral (< 20%).

Klinisches Bild

  • Haut: Die Haut ist in den allermeisten der bekannt gewordenen Fälle von Botryomkose (rund 60%) als kutane Botryomykose befallen. Bei immunsuffizienten Patienten liegt im Allgemeinen nur ein lokalisierter Prozess vor.
  • Klinisch zeigen sich therapieresistente, fortschreitende, wenig schmerzhafte, meist ulzerierte, rote Papeln, tiefliegende abszedierende Knoten (die immer wieder inzidiert werden müssen) oder entzündliche Plaques. Die Infektion neigt zur Invasion der subkutan liegenden Systeme (Faszien, Muskulatur oder Knochen). Bei Nichtbehandlung ist ein ständiger, chronisch abszedierender, entzündlicher, indurierender Prozess die Folge.
  • Viszeral: Befall von Lunge, Gehirn, Peritoneum, Prostata, Leber, Nieren.

Histologie

Traubenförmige eosinophile Granula im Bereich der Epidermis. Gelegentlich epidermale Einschlusszysten oder Mikroabszesse.

Diagnose

Klinik, Histologie, Antibiogramm nach Abstrichentnahme aus den Hauteffloreszenzen. Ausschluss von tiefen Mykosen.

Therapie

Externe Therapie

Interne Therapie

Hinweis(e)

Der Begriff "Botryomykose" leitet sich von den griechischen Worten "botrys" für Trauben und Mykes für Pilze.

Hinweisend auf die Ätiologie der Erkrankung sind die eosinophilen granulierten Drusen (wie bei Aktinomkykose) in den Abszessen, ein Phänomen das nach den Erstbeschreibern als "Splendore-Hoeppli-Phänomen" bezeichnet wird.    

Fallbericht(e)

Bei dem 72 Jahre alten Patienten ist ein schweres atopisches Ekzem seit der Kindheit bekannt, das einer ständigen großflächigen Behandlung mit Glukokortikoidexterna bedurfte. Mehrfach waren stationäre Behandlungen notwendig - wegen eines Ekzema herpeticatum, wegen rezidivierender Pyodermien und auf Grund des immer wieder exazerbierten schweren atopischen Ekzems.

Seti etwa 4 Jahren bildeten sich am linken Oberschenkel wenig symptomatische, kaum schmerzende, rote Papeln und Pusteln, auch tiefliegende abszedierende Knoten, die immer wieder gespalten werden mussten.

Die mehrfach aus Eiter gewonnenen Kulturen ergben stets den Nachweis von Staphylokokkus aureus. Mykologische Untersuchungen verliefen stets negativ.

Erst die histologische Untersuchung einer tiefreichenden Exzsionsbiopsie ergab die Diagnose der "Botrymokose" (Nachweis von eosinophilen Granula in einem zentralen Abszessabschnitt).

Nach konsequenter 8-wöchiger Therapie mit Flucloxacillin erfolgte eine Abheilung des Prozesses.   

 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Ahdoot-D et al. (1995) Botryomycosis in the acquired immunodeficiency syndrome. Cutis 55: 149-152
  2. Askari K et al. (2014)  Cutaneous botryomycosis caused by Staphylococcus aureus in a patient with diabetes. Int J Dermatol 53: 413-415
  3. Bashline B et al. (2014) Disseminated botryomycosis: a rare presentation. J Drugs Dermatol 13:976-978
  4. Bollinger O (1870) Mycosis der Lunge beim Pferde. Virchows Arch 49: 583-586
  5. Bonifaz A et al. (1996) Botryomycosis. Int J Dermatol 35: 381-388
  6. Calegari L (1996) Botryomycosis caused by Pseudomonas vesicularis. Int J Dermatol 35: 817-818
  7. de Vries HJ et al. (2003) Botryomycosis in an HIV-positive subject. J Eur Acad Dermatol Venereol 17: 87-90
  8. Elas D et al. (2014)  Botryomycosis of the vulva: a case report. J Low Genit Tract Dis 18: e80-83
  9. Karthikeyan K et al. (2001) Cutaneous botryomycosis in an agricultural worker. Clin Exp Dermatol 26: 456-457
  10. Mechow N et al. (2014) Cutaneous botryomycosis diagnosed long after an arm injury. J Am Acad Dermatol. 71:e155-156
  11. Opie EL (1913) Human botryomycosis of the liver. Arch Intern Med 11: 425-439
  12. Spitz G et al. (1903) Contribution a l'etude des affections connues sous le nom d'actinomycose. Arch Parasitol 7: 428-431
  13. Yencha MW et al. (2001) Cutaneous botryomycosis of the cervicofacial region. Head Neck 23: 594-598

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 19.06.2018