Botryomykose L98.0

Zuletzt aktualisiert am: 09.09.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Botryomycosis; Botryomykom; Kutane Botryomykose

Erstbeschreiber

Bollinger, 1870; Spitz, 1903; Opie, 1913

Definition

Seltene, chronische, häufig durch Staphylokokken, aber auch andere Bakterien ausgelöste, klinisch und histologisch der Aktinomykose ähnelnde, primär als Mykose fehlinterpretierte (Pseudomykose),  chronische Infektionserkrankung, die v.a. die Haut, die angrenzende Organsysteme aber auch als " viszerale Botryomykose" sämtliche andere Organe befallen kann.

Einteilung

Kutane u. viszerale Formen der Botryomykose.

Vorkommen/Epidemiologie

Sehr selten. Gehäuft bei immunsupprimierten Patienten: HIV-Infektion, Diabetes mellitus, immunsuppressiver Therapie, zystischer Fibrose, Osteomyelitis, Zahn- oder Kieferinfektionen.

Ätiopathogenese

Bakterielle Infektionen, am häufigsten durch S. aureus (40%) hervorgerufen, seltener durch P. aeruginosa (20%), Bacillus spp., Proteus spp., E. coli, Streptokokkus spp., Neisserien.

Manifestation

Kutan (> 60%); kutan u. viszeral (ca. 20%); viszeral (< 20%).

Klinisches Bild

Haut: Die Haut ist in den allermeisten der bekannt gewordenen Fälle von Botryomkose (rund 60%) als kutane Botryomykose befallen. Bei immunsuffizienten Patienten liegt im Allgemeinen nur ein lokalisierter Prozess vor.

Klinisch zeigen sich therapieresistente, fortschreitende, wenig schmerzhafte, meist ulzerierte, rote Papeln, tiefliegende abszedierende Knoten (die immer wieder inzidiert werden müssen) oder entzündliche Plaques. Die Infektion neigt zur Invasion der subkutan liegenden Systeme (Faszien, Muskulatur oder Knochen). Bei Nichtbehandlung ist ein ständiger, chronisch abszedierender, entzündlicher, indurierender Prozess die Folge.

Viszeral: Befall von Lunge, Gehirn, Peritoneum, Prostata, Leber, Nieren.

Histologie

Traubenförmige eosinophile Granula im Bereich der Epidermis. Gelegentlich epidermale Einschlusszysten oder Mikroabszesse.

Diagnose

Klinik, Histologie, Antibiogramm nach Abstrichentnahme aus den Hauteffloreszenzen. Ausschluss von tiefen Mykosen.

Therapie

Therapie einer zugrunde liegenden Grunderkrankung. Häufig bedarf es einer mehrwöchigen antibiotischen Systemtheapie.

Externe Therapie

Evtl. antiseptische Lösungen wie Polihexanid (Seraderm), verdünnte Kaliumpermanganatlösung (hellrosa), Chinolinol-Lösung (z.B. Chinosol 1:1000), R042 .

Interne Therapie

Antibiose gegen staphylogene Erreger mit Flucloxacillin (z.B. Staphylex Kps.) 3 g/Tag (max. 12 g/Tag) in 3 ED p.o. oder Dicloxacillin (z.B. InfectoStaph) 2-3 g/Tag p.o. in 4 ED.

Erfolge werden auch mit Sulfamethoxazol/Trimethoprim berichtet (z.B. Cotrimoxazol 2mal/Tag 2 Tbl. p.o.).

Sobald möglich Antibiose nach Antibiogramm.

Hinweis(e)

Der Begriff "Botryomykose" leitet sich von den griechischen Worten "botrys" für Trauben und Mykes für Pilze.

Hinweisend auf die Ätiologie der Erkrankung sind die eosinophilen granulierten Drusen (wie bei Aktinomkykose) in den Abszessen, ein Phänomen das nach den Erstbeschreibern als "Splendore-Hoeppli-Phänomen" bezeichnet wird.    

Fallbericht(e)

Bei dem 72 Jahre alten Patienten ist ein schweres atopisches Ekzem seit der Kindheit bekannt, das einer ständigen großflächigen Behandlung mit Glukokortikoidexterna bedurfte. Mehrfach waren stationäre Behandlungen notwendig - wegen eines Ekzema herpeticatum, wegen rezidivierender Pyodermien und auf Grund des immer wieder exazerbierten schweren atopischen Ekzems.

Seti etwa 4 Jahren bildeten sich am linken Oberschenkel wenig symptomatische, kaum schmerzende, rote Papeln und Pusteln, auch tiefliegende abszedierende Knoten, die immer wieder gespalten werden mussten.

Die mehrfach aus Eiter gewonnenen Kulturen ergben stets den Nachweis von Staphylokokkus aureus. Mykologische Untersuchungen verliefen stets negativ.

Erst die histologische Untersuchung einer tiefreichenden Exzsionsbiopsie ergab die Diagnose der "Botrymokose" (Nachweis von eosinophilen Granula in einem zentralen Abszessabschnitt).

Nach konsequenter 8-wöchiger Therapie mit Flucloxacillin erfolgte eine Abheilung des Prozesses.   

 

Literatur
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  14. Spitz G et al. (1903) Contribution a l'etude des affections connues sous le nom d'actinomycose. Arch Parasitol 7: 428-431
  15. Yencha MW et al. (2001) Cutaneous botryomycosis of the cervicofacial region. Head Neck 23: 594-598

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