Blastomykose, nordamerikanische B40.3

Zuletzt aktualisiert am: 23.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

blastomycosis; Blastomykose; Chicago disease; Gilchristsche Krankheit; Nordamerikanische Blastomykose; Zymonematose

Erstbeschreiber

Gilchrist, 1896

Definition

Chronische, tiefe, hauptsächlich in Nordamerika vorkommende Systemmykose mit primärem Lungenbefall. Durch hämatogene Streuung kommt es sekundär zur Beteiligung multipler Organe einschließlich der Haut. Auftreten auch als opportunische Infektion bei versch. Grunderkrankungen.

Erreger

Blastomyces dermatitidis (im geschlechtlichen Stadium Ajellomyces dermatitidis genannt), ein dimorpher Pilz, der als Hefe- und Schimmelform wachsen kann. Infektion durch Inhalation von im Erdboden vorhandenen Sporen. Sehr selten, z.B. bei Verletzungen in Labors, ist eine Infektion durch Eindringen des Erregers in die Haut möglich (sog. Inokulationsblastomykose).

Vorkommen/Epidemiologie

V.a. Mississippibecken, Ost- und Nordstaaten der USA, seltener Mittel- und Südamerika sowie Afrika.

Manifestation

Meist Erwachsene, besonders Männer (häufig bei Landarbeitern).

Lokalisation

Gesicht und Extremitäten

Klinisches Bild

  • Nach einer Inkubationszeit von 1-3 Wochen Symptome des pulmonalen Befalls: Husten, Auswurf, unregelmäßiges Fieber, Abmagerung. Asymptomatische Verläufe bei etwa der Hälfte der Fälle.
  • Anschließend weitere Organbeteiligung durch hämatogene Streuung:
    • Hautveränderungen (80% der Fälle): Bevorzugt an den Extremitäten und im Gesicht einzelne oder multiple, ulzerierte, granulomatöse Papeln mit verrukös-krustöser Oberfläche sowie größere, zur Ulzeration neigende, bis in die Subkutis reichende Knoten. Durch randständiges Fortschreiten und zentrale Abheilung entstehen bogig begrenzte, flächige, granulomatöse, eitrige Plaques mit aufgeworfenen Rändern.
    • Seltener Osteomyelitiden des Stammskeletts, Schädels und der langen Röhrenknochen; Befall der männlichen Geschlechtsorgane; Befall von Mund- und Nasenschleimhaut.
    • Bei der Inokulationsblastomykose Ausbildung eines solitären, von einem derben Rand umgebenen Ulkus mit begleitender Lymphangitis.

Diagnose

Mikroskopischer und kultureller Erregernachweis aus Eiter, Sputum, bioptischem Material (durch multilokuläre Sprossung des Pilzes in der Hefephase Ausbildung charakteristischer „Steuerradformen“). Nachweis von Antikörpern im Serum. Evtl. Tierversuch.

Therapie

Verlauf/Prognose

Unbehandelt chronischer, häufig letaler Verlauf; Spontanheilungen sind jedoch möglich.

Literatur
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  1. Assaly RA et al. (2003) Disseminated blastomycosis. J Am Acad Dermatol 48: 123-127
  2. Bradsher RW et al. (2003) Infect Dis Clin North Am 17: 21-40
  3. Gilchrist TC (1896) A case of blastomycetic dermatitis in man. Johns Hopkins Hosp Rep 1: 269-283
  4. Leavell UW Jr (1965) Cutaneous North American blastomycosis and black dots. Arch Dermatol 92: 155-156
  5. Martynowicz MA et al. (2002) Pulmonary blastomycosis: an appraisal of diagnostic techniques. Chest 121: 768-773
  6. Pappas PG et al. (2003) Blastomycosis: Gilchrist's disease revisited. Curr Clin Top Infect Dis 22: 61-77
  7. Wilkerson A et al. (2003) Sweet's syndrome-like blastomycosis. Am J Dermatopathol 25: 152-154
  8. Zampogna JC et al. (2003) Primary cutaneous north american blastomycosis in an immunosuppressed child. Pediatr Dermatol 20: 128-130

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