Bilobed Flap

Zuletzt aktualisiert am: 20.07.2020

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Dr. med. Robert Kasten

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Synonym(e)

Zweizipfliger Transpositionslappen

Allgemeine Definition

Erstbeschreiber: Esser (1918) mit einer Rotation von 180° und Zitelli mit einer Rotation von 90-110°.

Ein doppelter Transpostionslappen mit einem stabilen Stiel aus einem subkutanen Gefäßplexus und je nach Lokalisation inklusive Muskelfasern. Das Gewebe wird über einen Winkel von etwa 90-100° in den Defekt geschwenkt.

Indikation

Der bilobed flap wird häufig zur Defektdeckung an der Nase eingesetzt aber auch an der Wange, am Kinn, perioral und am Handrücken. Er ist an der Nase geeignet für Defekte an der Talgdrüsen-reichen Haut von einer Ausdehnung von 0,5  is 1,5 cm Durchmesser.  An anderen Stellen, wie an der Wange, können Defekte bis zu 6 cm2 mit dem bilobed flap verschlossen werden.

Diese Lappenplastik kann fast immer in Lokalanästhesie durchgeführt werden

Durchführung

Jeder Lappen sollte nicht mehr als 50° rotiert werden, so dass eine Gesamtrotation von 100° nicht überschritten wird. Dadurch wird eine Hautstauchung (dog-ear-Bildung) reduziert.

Das dog ear zwischen dem Defekt und dem Drehpunkt sollte entfernt werden, bevor der Lappen in den Defekt rotiert wird.

Der Drehpunkt sollte einen Durchmesser vom Wundmittelpunkt (d.h. einen Radius vom Defektrand) entfernt liegen. Wenn der Drehpunkt an der Nase medial des Defektes gewählt wird, kann ein sogenannter „buffalo hump“, ein Nasenhöcker als Kombination aus Hautdehnung und Hautstauchung entstehen.

Idealerweise wird der bilobed flap so groß gewählt, wie es die Nase erlaubt. Der zweite Lappen sollte in die dünnere, gut verschiebbare Haut an der Nasenseite oder am oberen Nasenrücken gelegt werden.

Im Idealfall legt der Operateur die Schnittlinien in die Grenzen der ästhetischen Einheiten bzw. Untereinheiten. Die Unterminimierung an der Nase erfolgt weiträumig oberhalb des Periosts oder des Perichondriums unterhalb der Muskulatur an allen Seiten der Inzision. Dadurch bleibt die Gefäßversorgung des Lappens erhalten und es blutet intraoperativ weniger.

An anderen Bereichen als an der Nase kann der Lappen nur subkutanes Fettgewebe, aber auch Faszie oder Muskulatur umfassen. Bei der Präparation des Lappens im Gesicht sollte man oberhalb des SMAS (superfizielles muskulo-aponeurotisches System) bleiben um Gefäße und Nerven zu schonen.

Der erste Lappen sollte gleich groß wie der Defekt geplant werden. Der zweite Lappen wird kleiner als der erste Lappen gewählt, so daß beide Hebedefekte bequem verschlossen werden können. Die Stauchungshautdreiecke (dog ear) vom Defekt zum Drehpunkt hin und von der Spitze des zweiten Lappens werden exzidiert. Die Form des Defektes und der beiden Lappen kann man als zwei sich überschneidenden Herzsymbole denken.

Der bilobed flap wird mit mehrschichtigen Nähten in den Defekt modelliert.

 

Bilobed flab an der Nasenspitze links. Die Rotation beträgt circa 100°. Der Drehpunkt wurde so ge...
Bilobed Flap: sklerodermiformes Basaliom an der Nasenspitze links. Die Tumorausdehnung und der Si...
Zustand acht Wochen nach der Operation. Eine leichte Verlagerung des linken Nasenflügelrandes nac...
Fixierung des bilobed flap mit mehrschichtigen Nähten. 

Komplikation(en)

Kissenbildung (pincushioning), Einziehung der Narbe (trapdooring: Die Kissenbildung kann mit intraläsionalem Kortikoid behandelt werden.

Vorbeugung: korrektes Lappendesign, ausgedehnte Unterminierung, sorgfältige Nahttechnik subkutanen Nähten. Bei der Anwendung an der Nase: Der M. nasalis transversus und der M. procerus neigen zur Retraktion unterhalb der Schnittkante und sollten mit resorbierbaren Nähten readaptiert werden.

Bei der Anwendung zur Deckung von Defekten an Nasenflügel und Nasenspitze kann die Einheilung bei Vorliegen von Narben, Z.n. Radiotherapie aber auch bei Nikotinabusus und Diabetes mellitus eingeschränkt sein.

Literatur
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  1. Burget GC, Menick FJ (1994): Aesthetic reconstruction of the nose. Mosby, St. Louis.
  2. Esser J (1918) Gestielte locale Nasenplastik mit zweizipfligem Lappen, Deckung des sekundären Defektes vom ersten Zipfel durch den zweiten. Dtsch Z Chir 143: 385–390.
  3. Fischer H, Gubisch W (2008) Nasal Reconstruction. A Challenge for Plastic Surgery. Dtsch Arztebl Int 105: 741–746.
  4. Ricks M, Cook J (2005) Extranasal Applications of the Bilobed Flap. Dermatol Surg 31:941-948
  5. Zitelli JA (1989) The bilobed flap for nasal reconstruction. Arch Dermatol 125:957–959

Weiterführende Artikel (1)

Diabetes mellitus Hautveränderungen;
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Zuletzt aktualisiert am: 20.07.2020