Baunscheidt-Verfahren

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Baunscheidtieren

Definition

Seit 1848 bekanntes nach Carl Baunscheidt benanntes naturheilkundliches Therapieverfahren aus der Gruppe der ausleitenden Verfahren. Bei Baunscheidt-Verfahren  wird mittels eines mechanischen Reizes die Haut angeritzt, ohne dass eine Blutung entsteht. Im Anschluss wird ein chemischer Reiz durch das histaminhaltige Baunscheidtöl gesetzt. Es wird vor allem zur Behandlung von Atemwegserkrankungen und zur Konstitutionstherapie eingesetzt..

 

Indikation

Schmerzen bei degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates, zervikale Migräne, Weichteilrheumatismus, M. Meniere, akute/chronische Otitis media, chronische Mastoditis, Reizmagen, Harninkontinenz, Dysmenorrhoe, Infektanfälligkeit psychische Labilität, vegetative Dystonie, Atemwegserkrankungen: Asthma bronchiale, chronische Bronchitis, sinubronchiales Syndrom, COPD, Schulter-Arm-Syndrom.


 

Durchführung

In einem ersten Schritt wird die Haut des Patienten mit Alkohol desinfiziert.
Der Einhand-Lebenswecker, ein spezielles Nadelgerät zum leichten einritzen der Haut, wird präpariert, die Spannfeder ganz durchgedrückt und die gewünschte Nadeltiefe (1 bis 3 mm) reguliert.
Der Lebenswecker wird 1 bis 2 x auf die Haut aufgesetzt und durch das Drücken des Federmechanismus ausgelöst.
Im nächsten Schritt wird von proximal nach distal im Bereich der Lungenoberfelder, paravertebral der Wirbelsäule und im Bereich der Lungenunterfelder mit der Ausatmung des Patienten baunscheidtiert.
Das Baunscheidtöl dünn auftragen. Nach 2 bis 4 Minuten zeigt sich zunächst eine Hautrötung, danach entwickeln sich leichte Hauteffloreszenzen. Die Haut des Patienten noch 5 Minuten trockenen lassen. Anschließend kann sich der Patient wieder ankleiden. Verbände sind in der Regel nicht notwendig.
 

Kontraindikation

Autoimmunerkrankungen, akute Infekte, zu starker Pigmentierung neigende Personen.

Hinweis(e)

Magistrale Rezeptur für Baunscheidöl:

  • Histaminhydrochlorid 0,1 g
  • Juniperus  cumminus 0,1 g
  • Solidagovirgaurea 0,9g
  • Rosmarinöl 0,4 g
  • Ethanol 96% 13,10 g
     

Literatur
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  1. Fey S (2012) in Beer A M et al. [Hrsg.] Leitfaden Naturheilverfahren für die ärztliche Praxis, Urban und Fischer Verlag 2012, S 242.

Verweisende Artikel (2)

Ausleitende Verfahren; Naturheilkunde;
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