Basalzellkarzinom superfizielles C44.L

Zuletzt aktualisiert am: 08.03.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Co-Autor: Ricarda Friedrich

Alle Autoren

Synonym(e)

Arning Karzinoide; Basalzellkarzinom erythematoides; Bowenoides Basalzellkarzinom; Ekzematoides Basalzellkarzinom; Epitheliome Rumpfhautepitheliome; Erythematoides Basalzellkarzinom; Oberflächliches Basalzellkarzinom; Pagetoides Basalzellkarzinom; Psoriasiformes Basalzellkarzinom; Rumpfhautbasalzellkarzinom; Rumpfhautepitheliom; Superficial basal cell carcinoma; Superficial spreading basal cell carcinoma

Definition

Bevorzugt am Stamm auftretendes, sehr oberflächlich gelegenes, plaqueförmiges Basalzellkarzinom.

Ätiopathogenese

Meist UV-induziert. Heute extrem selten: vorausgegangene Arsentherapie.

Lokalisation

V.a. Stamm, aber auch Extremitäten.

Klinisches Bild

Solitär oder multipel auftretende, meist symptomlose (insofern häufig Zufallsbefund), langsam wachsende, scharf begrenzte, 0,5-4,0 cm große, selten auch bis handtellergoße, rot-braune, leicht indurierte, wenig schuppende Plaque mit diskretem, insbesondere beim Spannen der Haut hervortretendem, glänzendem Randsaum. Insbesondere bei Bräunung der umgebenden Haut treten die Läsionen als nicht-bräunende Negativbilder deutlich hervor.

Histologie

Von der (meist atrophischen) Epidermis ausgehende, knospenartig in den Papillarkörper hineinragende, multizentrische, solide Tumorproliferate aus dichten basaloiden, epithelialen Zellen. Palisadenstellung und Spaltbildungen sind meist nachweisbar. Typisch ist ein die Tumorknospen umgebendes fibröses Bindegewebe mit einem meist spärlichen, diffusen lymphozytären Infiltrat. Die bindegewebige Stromareaktion ist hilfreich bei der Beurteilung der seitlichen Tumorbegrenzung. Falls am Schnittrand (auch ohne Epithelformationen vorhanden), ist von einer weiteren Tumorinfiltration auszugehen.

Differentialdiagnose

 M. BowenTinea corporis;  Psoriasis vulgaris, Ekzem, nummuläres.

Therapie

  • Bei isolierten Tumoren am Stamm vertikale Exzision mit einem Sicherheitsabstand von 2-5 mm.
  • Bei multiplen Tumoren am Stamm sind Horizontalexzisionen mit anschließender histologischer Untersuchung erlaubt: Z.B. Kürettage mit einer schneidenden Kürette, evtl. kombiniert mit anschließender Behandlung mit externen Zytostatika, z.B. 5-Fluorouracil (Efudix®) jeden 2. Tag über 1 Woche dünn auf kürettierte Areale auftragen, anschließend Mullverband. Cave! Auftragen auf großflächige Läsionen! Erhöhte Gefahr von Resorption und toxischer Reaktion!
  • Eine Alternative stellt die Lokalbehandlung mit Imiquimod (Aldara 5%) dar.

    superfizielles Basalzellkarzinom.

    • 5mal / Woche (z. B. montags bis freitags) vor dem Zubettgehen auftragen und ca. 8 Std. lang auf der Haut belassen
    • Behandlungsdauer: 6 Wochen
    • Bei ausgeprägter Irritation Reduktion der Anwendungen auf 2mal/Woche. Zahlreiche Studien belegen die gute Abheilung (80%). In einer prospektiven ramdomisierten Studie war nacheisbar, dass die Wahrscheinlichkeite einer 5-Jahres-Tumorfreiheit  nach einer Therapie mit Imiquimod bei 80.5% liegt. Die  vergleichenden Daten für 5% Fluorouracil liegen bei 70,0% und für die photodynamische Therapie mit Methylaminolevulinat bei 62,7% (Jansen MHE et al. 2018).   
  • Alternativ: ablative Verfahren z.B. mittels Erbium-YAG-Laser oder CO2- Laser in Frage; Einzelheiten s.u. Laser.
  • Alternativ:  Kryochirurgie ist am Rumpf wegen der schlechten Heilungstendenz nur bedingt geeignet. In anderen Lokalisationen durchaus geeignete Alternative.
  • Alternativ: ebenfalls wirksam ist die photodynamische Therapie. Hierbei empfiehlt sich die aufweichende Vorbehandlung von Krusten oder Hyperkeratosen. Der in den meisten europäischen Ländern zugelassene Photosensibilisator Metvix wird deckend auf die Läsion zentriert oder im Fall einer "field cancerisation" großflächig aufgetragen und 3 Std. okkludiert. Bei magistralen 5-ALA-Rezepturen Okklusion für 6 Std. Anschließend erfolgt unter lokaler Kühlung die geräteindividualisierte Bestrahlung. Die meisten Autoren wiederholen die Prozedur 2mal (teilweise auch mehrfach). Die Rezidiviquoten liegen zwischen 15 und 30%. 

Verlauf/Prognose

Sehr langsames, lediglich horizontales Wachstum, Ulzerationstendenz geringer als bei den übrigen Basalzellkarzinomtypen.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Horn M et al. (2003) Topical methyl aminolaevulinate photodynamic therapy in patients with basal cell carcinoma prone to complications and poor cosmetic outcome with conventional treatment. Br J Dermatol 149: 1242-1249
  2. Jansen MHE et al. (2018) Five-Year Results of a Randomized Controlled Trial Comparing Effectiveness of
    Photodynamic Therapy, Topical Imiquimod, and Topical 5-Fluorouracil in Patients with Superficial Basal Cell Carcinoma. J Invest Dermatol 138:527-533.
  3. Mirza B et al. (2003) Treatment of facial superficial basal cell carcinomas with imiquimod 5% cream. Clin Exp Dermatol 28(Suppl1): 16-18
  4. Saldanha G et al. (2002) Evidence that superficial basal cell carcinoma is monoclonal from analysis of the Ptch1 gene locus. Br J Dermatol 147: 931-935
  5. Sidoroff A (2007) Photodynamische Therapie bei epithelialen Hauttumoren. Hautarzt 58: 577-584
  6. Wollenberg A et al. (1995) Multiple superficial basal cell carcinomas (basalomatosis) following cobalt irradiation. Br J Dermatol 133: 644-646

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 08.03.2019