Anthrax der Haut A22.0

Zuletzt aktualisiert am: 23.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Hautmilzbrand; Milzbrand; Pustula maligna

Erstbeschreiber

Koch, 1876

Definition

Weltweit verbreitete, beim Menschen sehr selten auftretende, meldepflichtige Zoonose mit Bacillus anthracis. Die Erkrnakung Milzbrand manifestiert sich im Wesentlichen in 4 Formen:

  • Hautmilzbrand (Inkubationszeit Stunden bis Tage nach kutaner Inokulation der Keime)
  • Lungenmilzbrand (Inkubationszeit 4-6 Tage nach Inhalation der Keime)
  • Magen-Darmmilzbrand (Inkubationszeit 1-3 Tage nach oraler Aufnahme der Keime)
  • Injektionsmilzbrand (Inkubationszeit 1-3 Tage nach Injektion des keimhaltigen Materials)

Erreger

Bacillus anthracis (großes grampositives Stäbchen; Breite: 1-2 μm; Länge: 3-10 μm; Toxinbildner).

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweit verbreitet, insbes. in Viehzuchtgegenden (Wiederkäuer). Sehr selten in industrialisierten Ländern; bevorzugt in wärmeren Klimazonen u.a. in Südosteuropa, Südamerika, Afrika, Südost-Asien.

Ätiopathogenese

Infektion durch Kontakt mit Sporen aus kontaminierten tierischen Materialien (Organe, Fell, Wolle, Düngung mit Knochenmehl). Eindringen der Sporen über kleine Hautverletzungen.

Manifestation

  • Meist berufsbedingte Infektion u.a. bei Landarbeitern, Metzgern, Lederarbeitern, Kürschnern.
  • Meist kutane Manifestation (95%), seltener Lungenmilzbrand nach inhalativer Inokulation (5%) oder Darmmilzbrand nach oraler Aufnahme von Sporen (< 1%).

Klinisches Bild

Inkubationszeit: Stunden bis zu 6 Tage. 

Hautmilzbrand: Erregereintritt erfolgt in die Haut durch eine kleine Läsion. An der Inokulationsstelle Entwicklung eines wenig auffälligen roten Flecks: zunehmende Infiltration mit dann rascher Bildung eines entzündlichen Knötchens oder einer Pustel; schnelle Ausbreitung, hämorrhagische Blase; schwärzlliche Nekrose mit erheblicher kollateraler Schwellung, hochentzündlichem gelatinösem Infiltrat und Satellitenbläschen; dieser klinische Befund wird auch als "Milzbrandkarbunkel" bezeichnet. Wichtig: im Gegensatz zu einem durch Staphlokokken hervorgerufenen Furunkel ist der Milzbrandkarbunkel meist nicht schmerzhaft! Charakteristisch sind frühzeitig auftretende milde regionäre Lymphangitis und Lymphadenitis, jedoch auch Mattigkeit, Unwohlsein, Kopfschmeren mit unterschiedlich hohen auch auch hochfebrilen Temperaturen. Gefahr der Sepsis. Nach 7-10 Tagen kmmt es zur Rückbildung der Symptome. Die vollständige Abheilung des Milzbrandkarbunkels kann Wochen dauern. In seltenen Fällen: Sekundärinfektionen.  

Lungenmilzbrand: nach Einamtung sporenhaltiger Stäube, innerhalb weniger Tage Entwicklung einer schweren Bronchopneumonie mit hohem Fieber. Unbehandelt nach 2-3 Tage Sepsis mit Todesfolge.

Darmilzbrand (sehr selten): nach Verzehr von infiziertem Fleich    

Diagnose

  • Entscheidend ist bei entsprechender Klinik eine mögliche Exposition in der Anamnese.
  • Nachweis des Erregers im Abstrichpräparat der Hautläsion ( Gramfärbung) oder in kulturell in Speziallabors (Hautläsion, Sputum, Stuhl, Blut). Ggf. 16S rRNA- PCR und Gensequenzierung.
  • Cave! Aufgrund der Gefahr der Generalisierung sollten chirurgische Manipulationen (Biopsien) bei V.a. Milzbrandkarbunkel unterbleiben.

Komplikation

Milzbrandsepsis mit Befall von ZNS und Lungen; möglicher letaler Ausgang.

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Hinweis(e)

Mißbräuchlicher Einsatz als biologische Terroristen-Waffe in den USA 

Literatur
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