Analekzem (Übersicht) L30.8

Bildübersicht

Synonym(e)

Perianalekzem, Analekzem, Afterekzem, Afterjucken, Afterjuckreiz, anogenital pruritus, anogenitales Ekzem,

Definition

Häufig auftretende, polyätiologische (keine eigene Entität), akut, subakut, chronisch oder chronisch rezidivierend verlaufende, meist stark juckende (s.a. Analpruritus) Dermatitis der Perianalhaut, ursächlich bedingt durch irritativ-toxische, infektiöse, konstitutionelle oder allergische Mechanismen.

Ätiopathogenese

Apokrine und ekkrine Schweißdrüsen im intertriginösen Raum der Perianalregion führen zu einem Feuchtraummilieu, das irritativ-toxischen, konstitutionellen und kontaktallergischen Krankheitsauslösern ein ideales Terrain bietet. Aggravierend wirken Sekretabflüsse bei proktologischen Erkrankungen, anatomische Besonderheiten wie Trichteranus oder Ausbildung von Marisken. Die Folge sind Mazerationen und Epithelabschilferungen. Insofern ist das Bild des Analekzem, ungeachtet seiner Ursache, häufig das einer (uniformen) erosiv-nässenden, meist quälend-juckenden Dermatitis. Bei Sensibilisierungen auf Lokaltherapeutika, Pflegemittel aler Art s.u. kontaktallergisches Analkezem.  

Lokalisation

Perianalregion.

Diagnose

Bei der ursächlichen Abklärung des allergischen Kontaktekzems muss nach in Frage kommenden Allergenen in Grundlagen, Konservierungszusätzen oder Wirkstoffen in Externa (Salben, Suppositorien) gefahndet werden. Auch Intimsprays, Puder, Kondome, gefärbtes Toilettenpapier, Waschmittel, Desinfizienzien können Ursache einer Kontaktsensibilisierung sein. Wichtig ist der Ausschluss eines Hämorrhoidalleidens, einer inversen Psoriasis und einer atopischen Diathese (s.u. Differenzialdiagnose).

Therapie allgemein

  • Sanierung der proktologischen Grund- bzw. Begleiterkrankung. Meidung von Irritanzien und potentiellen Allergenen. Seifenfreie Reinigung des Afters mit klarem Wasser. Anwendung von lokalen Antiphlogistika auf der Basis von zinkhaltigen Lotionen und Pasten.
  • Bei nässendem Analekzem kurzfristige Verwendung Hydrocortison-haltiger Salben (bewährt hat sich Vaseline als Grundlage, da nur geringes irritatives Potential). Eine steroidfreie Alternative wäre Lotio alba.
  • Ggf. Sitzbäder mit synthetischen Gerbstoffen (z.B. Tannosynt und Tannolact) oder auch mit Desinfizienzien (z.B. Kaliumpermanganat: wenige Kristalle in lauwarmem Wasser auflösen sodass eine kräftig rosafarbene Lösung entsteht).

Diät/Lebensgewohnheiten

  • Diätetisch empfiehlt sich auf Alkoholgenuß und auf den GEnuß von scharf gewürzten Speisen zu verzichten.  
  • Auf Seifenwaschungen sollte verzichtete werden.
  • Die Reinigung des perianalen Bereiches kann mit klarem Wasser (am besten Bidet-Nutzung) oder mit pflanzlichen Ölen (z.B. Olivenöl) erfolgen, das mit weichen Papiertüchern aufgetragen wird.

Literatur

  1. Proske S et al. (2004) Das Analekzem und seine benignen Simulatoren. Hautarzt 55: 259-264
  2. Rajalakshmi R et al. (2011) Lichen simplex chronicus of
    anogenital region: a clinico-etiological study. Indian J Dermatol Venereol
    Leprol 77:28-36

  3. Weisshaar E (2015) Genitoanal pruritus. Hautarzt 66:53-59

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Zuletzt aktualisiert am: 09.08.2017