Amalgam-Allergie T78.4

Zuletzt aktualisiert am: 27.05.2016

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Definition

Seltene Typ IV-Allergie (s.u. Allergie) auf das in Amalgam enthaltene Quecksilber.

Klinisches Bild

Stomatitis, Erosionen, Lichen planus mucosae, rezidivierende apththöse Veränderungen, urtikarielle Exantheme (sehr selten). Nicht selten ist eine "Amalgam-Allergie" ein Zeichen einer somatoformen Störung und bedarf somit einer sehr differenzierten Vorgehensweise.

Diagnose

  • Anamnese, Epikutantest auf Quecksilber-Derivate.
  • Epikutantestungen mit den verschiedenen Quecksilberverbindungen zum Nachweis einer Typ IV-Allergie zeigen wechselhafte, nicht immer reproduzierbare Ergebnisse. Der Epikutantest sollte mit standardisiertem 1% Qecksilber(II)-aminchlorid in Vaseline und 5% Amalgam in Vaseline durchgeführt werden. Zu fordern ist eine 24- bzw. 48-Std.-Exposition sowie Spätablesungen (mindestens 72 Std.). Wegen vielfältiger morphologischer Reaktionsmöglichkeiten ist die Testung nur von erfahrenen, dermatologisch versierten Allergologen durchzuführen.
  • Allergische Reaktionen auf Phenylquecksilberborat oder -acetat bzw. auf andere Quecksilberverbindungen (z.B. Thiomersal) sind allenfalls vage Hinweise auf das Vorliegen einer Allergie gegen anorganisches Quecksilber.

Therapie

Bei positivem Epikutantest ergeben sich 3 Forderungen:
  • Bei Fehlen einer klinischen Symptomatik können Amalgamfüllungen belassen werden.
  • Bei klinischer Symptomatik sowie zeitlichem und topographischem Zusammenhang mit einer Amalgamfüllung sollten Füllungen ersetzt werden, z.B. mit Keramik- oder Biogoldfüllungen. Jeder weitere Kontakt mit Quecksilber sollte vermieden werden.
  • Bei einer zukünftigen Kavitätenversorgung ist in jedem Falle vorsichtshalber auf Amalgam zu verzichten.
"Amalgamausleitung" (Methoden umstritten!) mit Selen (z.B. Selenase 1 Tbl./Tag über mindestens 4 Wochen), ggf. zusätzlich Zink- und Vitamin E-Präparate. Bei negativem Epikutantest muss eine somatoforme Störung in Betracht gezogen werden.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bailer J et al. (2003) Ill due to amalgam? 10 rules for managing the symptomatic patient. MMW Fortschr Med 145: 34-38
  2. Dunsche A et al. (2003) Lichenoid reactions of murine mucosa associated with amalgam. Br J Dermatol 148: 741-748
  3. Fuchs Th (1994) Stellungnahme der DKG der DDG zur Amalgamallergie. Hautarzt 45: 415
  4. Koch W (1995) Gesundheitliche Risiken von Amalgamfüllungen aus dermatologischer und zahnärztlicher Sicht. Z Dermatol 181: 6–15
  5. Lazarov A et al. (2003) Contact orofacial granulomatosis caused by delayed hypersensitivity to gold and mercury. J Am Acad Dermatol 49: 1117-1120

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 27.05.2016