Amalgam-Allergie T78.4

Zuletzt aktualisiert am: 05.10.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Seltene Typ IV-Allergie (s.u. Allergie) auf das in Amalgam enthaltene Quecksilber.

Klinisches Bild

Stomatitis, Erosionen, Lichen planus mucosae, rezidivierende apththöse Veränderungen, urtikarielle Exantheme (sehr selten). Nicht selten ist eine "Amalgam-Allergie" ein Zeichen einer somatoformen Störung und bedarf somit einer sehr differenzierten Vorgehensweise.

Diagnose

Anamnese, Epikutantest auf Quecksilber-Derivate.

Epikutantestungen mit den verschiedenen Quecksilberverbindungen zum Nachweis einer Typ IV-Allergie zeigen wechselhafte, nicht immer reproduzierbare Ergebnisse. Der Epikutantest sollte mit standardisiertem 1% Qecksilber(II)-aminchlorid in Vaseline und 5% Amalgam in Vaseline durchgeführt werden. Zu fordern ist eine 24- bzw. 48-Std.-Exposition sowie Spätablesungen (mindestens 72 Std.). Wegen vielfältiger morphologischer Reaktionsmöglichkeiten ist die Testung nur von erfahrenen, dermatologisch versierten Allergologen durchzuführen.

Allergische Reaktionen auf Phenylquecksilberborat oder -acetat bzw. auf andere Quecksilberverbindungen (z.B. Thiomersal) sind allenfalls vage Hinweise auf das Vorliegen einer Allergie gegen anorganisches Quecksilber.

Therapie

Bei positivem Epikutantest ergeben sich 3 Forderungen:
  • Bei Fehlen einer klinischen Symptomatik können Amalgamfüllungen belassen werden.
  • Bei klinischer Symptomatik sowie zeitlichem und topographischem Zusammenhang mit einer Amalgamfüllung sollten Füllungen ersetzt werden, z.B. mit Keramik- oder Biogoldfüllungen. Jeder weitere Kontakt mit Quecksilber sollte vermieden werden.
  • Bei einer zukünftigen Kavitätenversorgung ist in jedem Falle vorsichtshalber auf Amalgam zu verzichten.
"Amalgamausleitung" (Methoden umstritten!) mit Selen (z.B. Selenase 1 Tbl./Tag über mindestens 4 Wochen), ggf. zusätzlich Zink- und Vitamin E-Präparate. Bei negativem Epikutantest muss eine somatoforme Störung in Betracht gezogen werden.

Hinweis(e)

Ärzte sehen sich häufig mit der Frage einer Allergie gegen Amalgam in Zahnfüllungen konfrontiert. Meist werden komplexe, schwer fassbare Beschwerdebilder geäußert. Sie werden häufig auch von einem Zahnarzt oder einem "ganzheitlich" argumentierenden  Zahntechniker auf die Möglichkeit des Materialersatzes als Lösung ihrer gesundheitlichen Probleme aufmerksam gemacht. 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bailer J et al. (2003) Ill due to amalgam? 10 rules for managing the symptomatic patient. MMW Fortschr Med 145: 34-38
  2. Dunsche A et al. (2003) Lichenoid reactions of murine mucosa associated with amalgam. Br J Dermatol 148: 741-748
  3. Fuchs Th (1994) Stellungnahme der DKG der DDG zur Amalgamallergie. Hautarzt 45: 415
  4. Koch W (1995) Gesundheitliche Risiken von Amalgamfüllungen aus dermatologischer und zahnärztlicher Sicht. Z Dermatol 181: 6–15
  5. Lazarov A et al. (2003) Contact orofacial granulomatosis caused by delayed hypersensitivity to gold and mercury. J Am Acad Dermatol 49: 1117-1120

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