Alopecia androgenetica beim Mann L64.-

Zuletzt aktualisiert am: 23.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Alopecia oleosa; Alopecia seborrhoica; Androgenetische Alopezie; Androgenetischer Haarausfall; androgenetisches Effluvium; Calvities hippocratica; Geheimratsecken des Mannes; Glatzenbildung; Glatzenbildung männliche; Haarausfall vom männlichen Typ; Male pattern alopecia; männliche; männlicher Haarausfall; Pattern baldness

Definition

Häufigster durch Androgene realisierter Haarausfalltypus bei Männern und Frauen. Hervortreten des genetisch determinierten charakteristischen Ausprägungsmusters des Haarkleides. Häufig begleitende Seborrhoe (deshalb auch Alopecia oleosa, Alopecia seborrhoica).

Vorkommen/Epidemiologie

Prävalenz bei europäischen Männern etwa 50%; Prävalenz bei asiatischen u. afrikanischen Männern gering.

Ätiopathogenese

  • Diskutiert werden Assoziationen mit polygenen erblichen Faktoren, die bislang unbekannt sind. Anzunehmen sind Gene, die in die Androgen-Haarfollikel-Interaktion involviert sind. Beschrieben im Zusammenhang mit Alopezien ist u.a. das Hairless-Gen (s.a. Alopecia congenitalis universalis) und das Androgen-Rezeptor-Gen (AR-Gen), das auf der Region Xq12-22 des X-Chromosoms lokalisiert ist. Eventuelle Assoziationen mit der A. androgenetica werden derzeit noch kontrovers diskutiert.
  • Das Zusammenspiel genetischer Dispositions- und hormoneller Manifestationsfaktoren führt zur Verkürzung der Anagenphase und zur Miniaturisierung der Haarfollikel mit Vellushaarbildung ("regressive Metamorphose"). Aufgrund der genetischen Prädisposition exprimieren die Haarfollikel DHT-Rezeptoren. Natürlicher Ligand dieser Rezeptoren ist DHT (Dihydrotestosteron), das durch Konvertierung von Testosteron in DHT durch das Enzym 5α-Reduktase entsteht. 2 Isoemzyme der 5α-Reduktase sind bekannt: Typ 1 und Typ 2 (prädominiert in Haarfollikeln von Kopfhaut u. Bart). Durch intrazelluläre Bindung von DHT an DHT-Rezeptoren kommt es zur Änderung des Androgen-Rezeptor-Komplexes, der in den Zellkern transportiert wird und als Transkriptionsfaktor wirkt. Die Verteilung der Androgen-metabolisierenden Enzyme (5α-Reduktase Typ 1 u. 2, Aromatase, Hydroxysteroiddehydrogenase) ist möglicherweise für die Ausprägung der androgenetischen Alopezie verantwortlich. Bei Männern wurde frontal eine 1,5fach höhere Aktivität Androgen-metabolisierender Enzyme nachgewiesen.
  • Sekundäre Faktoren (Assoziationen sind umstritten!):
    • Seborrhoe
    • Cholesterin-Akkumulation in der Kopfhaut (5α-Reduktase-Expression aus Cholesterin nach Kontakt mit Sonnenlicht in der Kopfhaut!).
    • Durchblutungsstörungen in der Kopfhaut.

Manifestation

Variabel, meist vor dem 40. LJ; erste Anzeichen oft bereits nach der Pubertät, meist in der 3. Lebensdekade. Maximum in der 4. Dekade.

Klinisches Bild

Variable Klinik entsprechend dem Stadium der Erkrankung:

  • Stadium I: Normales Behaarungsmuster.
  • Stadium II: Zurücktreten der Stirn-Haar-Grenzen, insbes. an den Schläfen mit Ausbildung von Geheimratsecken.
  • Stadium III: Tonsurartige, okzipitoparietale Haarlichtung bei bestehender Haarbrücke.
  • Stadium IV: Fast vollständiger Verlust der Haare im Parietalbereich; verbleibender seitlicher und hinterer Haarkranz.
  • Stadium V: Dünne okzipitale und parietale kranzförmige Restbehaarung.

Histologie

Regressive Transformation von Terminalhaar-Follikeln zu Miniaturfollikeln.

Diagnose

Klinik; Anamnese; Trichogramm: telogenes Effluvium; ggf. Phototrichogramm.

Komplikation

Assoziation zu koronaren Herzerkrankungen, benigner Prostatahypertrophie und Prostata-CA sind beschrieben.

Therapie

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Naturheilkunde

Derzeit sind weitere Studien bei der androgenetischen Alopezie des Mannes mit Extrakten von Grünem Tee (Epigallocatechin-3-gallat), Extrakten aus Früchten der Sägepalme (Serenoa repens) sowie von Citrullus colocynthis und Cuscuta reflexa zu erwarten  (Rondanelli M et al. 2016).

Hinweis(e)

Kosmetik: Perücke, Zweithaarteile, Abdeckspray (färbt Kopfhaut), Strähnchen.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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  2. Dressler C (2017) Wirksamkeit von topischem Kocffein bei androgenetischer Aloepzie des Mannes. J Dtsch Dermatol Ges 15: 734-741.  
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  4. Pazoki-Toroudi H et al. (2013) The efficacy and safety of minoxidil 5% in combination with azelaic acid 1/5% and caffeine 1% solution on male pattern hair loss. Journal Investigative Dermatology 2013; 133: Suppl 1
  5. Hanneken S et al. (2003) Androgenetische Alopezie. Aktuelle Aspekte eines vertrauten Phänotyps Hautarzt 54: 703-712
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  10. Prieto VG et al. (2002) Androgenetic alopecia: analysis of proliferation and apoptosis. Arch Dermatol 138: 1101-1102
  11. Rondanelli M et al. (2016)  A bibliometric study of scientific literature in Scopus on botanicals for treatment of androgenetic alopecia. J Cosmet Dermatol 15:120-130. 

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