Alopecia androgenetica beim Mann L64.-

Synonym(e)

Alopecia oleosa; Alopecia seborrhoica; androgenetisches Effluvium; Calvities hippocratica; Geheimratsecken des Mannes; Glatzenbildung männliche; Haarausfall vom männlichen Typ; male pattern alopecia; männliche Glatzenbildung; männlicher Haarausfall; Pattern baldness

Definition

Häufigster durch Androgene realisierter Haarausfalltypus bei Männern und Frauen. Hervortreten des genetisch determinierten charakteristischen Ausprägungsmusters des Haarkleides. Häufig begleitende Seborrhoe (deshalb auch Alopecia oleosa, Alopecia seborrhoica).

Vorkommen/Epidemiologie

Prävalenz bei europäischen Männern etwa 50%; Prävalenz bei asiatischen u. afrikanischen Männern gering.

Ätiopathogenese

  • Diskutiert werden Assoziationen mit polygenen erblichen Faktoren, die bislang unbekannt sind. Anzunehmen sind Gene, die in die Androgen-Haarfollikel-Interaktion involviert sind. Beschrieben im Zusammenhang mit Alopezien ist u.a. das Hairless-Gen (s.a. Alopecia congenitalis universalis) und das Androgen-Rezeptor-Gen (AR-Gen), das auf der Region Xq12-22 des X-Chromosoms lokalisiert ist. Eventuelle Assoziationen mit der A. androgenetica werden derzeit noch kontrovers diskutiert.
  • Das Zusammenspiel genetischer Dispositions- und hormoneller Manifestationsfaktoren führt zur Verkürzung der Anagenphase und zur Miniaturisierung der Haarfollikel mit Vellushaarbildung ("regressive Metamorphose"). Aufgrund der genetischen Prädisposition exprimieren die Haarfollikel DHT-Rezeptoren. Natürlicher Ligand dieser Rezeptoren ist DHT (Dihydrotestosteron), das durch Konvertierung von Testosteron in DHT durch das Enzym 5α-Reduktase entsteht. 2 Isoemzyme der 5α-Reduktase sind bekannt: Typ 1 und Typ 2 (prädominiert in Haarfollikeln von Kopfhaut u. Bart). Durch intrazelluläre Bindung von DHT an DHT-Rezeptoren kommt es zur Änderung des Androgen-Rezeptor-Komplexes, der in den Zellkern transportiert wird und als Transkriptionsfaktor wirkt. Die Verteilung der Androgen-metabolisierenden Enzyme (5α-Reduktase Typ 1 u. 2, Aromatase, Hydroxysteroiddehydrogenase) ist möglicherweise für die Ausprägung der androgenetischen Alopezie verantwortlich. Bei Männern wurde frontal eine 1,5fach höhere Aktivität Androgen-metabolisierender Enzyme nachgewiesen.
  • Sekundäre Faktoren (Assoziationen sind umstritten!):
    • Seborrhoe
    • Cholesterin-Akkumulation in der Kopfhaut (5α-Reduktase-Expression aus Cholesterin nach Kontakt mit Sonnenlicht in der Kopfhaut!).
    • Durchblutungsstörungen in der Kopfhaut.

Manifestation

Variabel, meist vor dem 40. LJ; erste Anzeichen oft bereits nach der Pubertät, meist in der 3. Lebensdekade. Maximum in der 4. Dekade.

Klinisches Bild

Variable Klinik entsprechend dem Stadium der Erkrankung:

  • Stadium I: Normales Behaarungsmuster.
  • Stadium II: Zurücktreten der Stirn-Haar-Grenzen, insbes. an den Schläfen mit Ausbildung von Geheimratsecken.
  • Stadium III: Tonsurartige, okzipitoparietale Haarlichtung bei bestehender Haarbrücke.
  • Stadium IV: Fast vollständiger Verlust der Haare im Parietalbereich; verbleibender seitlicher und hinterer Haarkranz.
  • Stadium V: Dünne okzipitale und parietale kranzförmige Restbehaarung.

Histologie

Regressive Transformation von Terminalhaar-Follikeln zu Miniaturfollikeln.

Diagnose

Klinik; Anamnese; Trichogramm: telogenes Effluvium; ggf. Phototrichogramm.

Komplikation

Assoziation zu koronaren Herzerkrankungen, benigner Prostatahypertrophie und Prostata-CA sind beschrieben.

Therapie

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Naturheilkunde

Derzeit sind weitere Studien bei der androgenetischen Alopezie des Mannes mit Extrakten von Grünem Tee (Epigallocatechin-3-gallat), Extrakten aus Früchten der Sägepalme (Serenoa repens) sowie von Citrullus colocynthis und Cuscuta reflexa zu erwarten  (Rondanelli M et al. 2016).

Hinweis(e)

Kosmetik: Perücke, Zweithaarteile, Abdeckspray (färbt Kopfhaut), Strähnchen.

Literatur

  1. Bader U, Trueb RM (2002) Androgenetic alopecia in the man. Ther Umsch 59: 211-216
  2. Feldmann KA et al. (2002) Recent therapeutic progress in alopecia and hypertrichosis. Hautarzt 53: 293-295
  3. Hanneken S et al. (2003) Androgenetische Alopezie. Aktuelle Aspekte eines vertrauten Phänotyps Hautarzt 54: 703-712
  4. Hillmer AM et al. (2005) Genetic variation in the human androgen receptor gene is the major determinant of common early-onset androgenetic Alopecia. Am J Hum Genet 77: 140-148
  5. Hoffmann R (2002) TrichoScan. A new instrument for digital hair analysis. Hautarzt 53: 798-804
  6. Paus R, Cotsarelis G (1999) The biology of hair follicles. N Engl J Med 341: 491-497
  7. Price VH (1999) Treatment of hair loss. N Engl J Med 341: 964-973
  8. Prieto VG et al. (2002) Androgenetic alopecia: analysis of proliferation and apoptosis. Arch Dermatol 138: 1101-1102
  9. Rondanelli M et al. (2016)  A bibliometric study of scientific
    literature in Scopus on botanicals for treatment of androgenetic alopecia. J Cosmet Dermatol 15:120-130. 

Disclaimer

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Zuletzt aktualisiert am: 10.03.2018