Aktinomykose A42.9

Synonym(e)

cutaneous actinomycosis; Leptotrichosis; Lumpy Jaw; Strahlenpilzkrankheit; Streptotrichosis

Erstbeschreiber

Israel, 1885

Definition

Weltweit auftretende, seltene (in den Industrieländern stetig abnehmende), endogene (meist nach zahnärztlichen Eingriffen), bakterielle (Misch-)Infektionskrankheit durch einen in der physiologischen Mundhöhlenflora vorkommenden fakultativ pathogenen Erreger (Actinomyces israelii) der im Zusammenhang mit symbiontischen Begleitbakterien die Infektion bewirkt.

Erreger

Anaerobe, grampositive und Grocott-positive Erreger, v.a. Actinomyces israelii, seltener Actinomyces naeslundi und Actinomyces radingae; auch Actinomyces bovi kommt in Einzelfällen beim Menschen vor. Stets Mischinfektion (StaphylokokkenStreptokokken, Pseudomonas aeruginosa, Fusobakterien u.a.).

Einteilung

Nach Lokalisation der Manifestationen unterscheidet man 3 Formen:

  • Zervikofaziale Aktinomykose: ca. 80-85% aller Fälle.
  • Thorakale Aktinomykose: ca. 13-15% aller Fälle.
  • Abdominale Aktinomykose: ca. 3% aller Fälle
  • Sonstige (s. Kasuistik)

Vorkommen/Epidemiologie

Weltweites Auftreten. In Entwicklungsländern häufiger anzutreffende, in Industrieländern durch häufigeren Antibiotikaeinsatz sehr selten gewordene Infektion.

Manifestation

V.a. 20.-40. LJ.

Lokalisation

Meist in den Weichteilen der Gesichts-und Halsregion (zerviko.faziale Form);  auch Thorax, Abdomen (abdominelle Form), Armen oder Gesäß.

Klinisches Bild

Inkubationszeit: etwa 4 Wochen

Die Infektion breitet sich häufig von der Tiefe der Unterkiefer zur Haut hin aus. Fieber und Lokalschmerz können Begleitsymptome sein.

An der Haut (seltener an der Schleimhaut: Befund der Makroglossie) und dem Tiefengewebe zeigen sich brettharte, blau-rote, infiltrierte Indurationen und Knoten mit Tendenz zu Ulzeration oder Einschmelzung mit Fistelneigung und ausgeprägter Narbenbildung. Häufig Verwachsungen im Umgebungsgewebe. In dem austretenden Eiter lassen sich bereits makroskopisch erkennbare, 0,2-0,5 cm große, unregelmäßig geformte, gelbliche, feste Körner ( Drusen) erkennen. Keine Spontanheilung.

Histologie

Unspezifisches Granulationsgewebe mit eosinophilen Granulozyten oder Plasmazellen. Stellenweise leukozytenreiche Einschmelzungsnekrosen. Die für die Aktinomykose nahezu pathognomischen Granula (Drusen) können in einschmelzenden Abszessen auch im HE-Schnitt nachgewiesen werden. Die einzelnen Aktinomyzeten sind im Zentrum zusammengesintert, dort als Einzelelemente nicht erkennbar. Nur in der Peripherie werden einzelne, fadenförmige Gebilde nachweisbar. Zur Darstellung der Drusen empfiehlt sich neben der HE-Färbung die Grocott-Methode.

Diagnose

Klinik, Histologie aus einer tiefen Exzisionsbiopsie (Stanzbiopsien sind bzgl. ihrer Tiefe nicht ausreichend), Nachweis von Drusen in Abstrichen aus Fisteleiter in Gramfärbung, Anzucht des Erregers aus Abstrichen oder aus Biopsat und Resistogramm (zunehmende Antibiotikaresistenz!), Nachweis des Erregers durch PCR.

Differentialdiagnose

Tuberkulöse Abszesse, syphilitische Gummen, chronische Pyodermie, Zahnfistel, Osteomyelitis, Mundbodenphlegmone. Bei Sitz am Gesäß: Acne conglobata.

Komplikation

Mundbodenphlegmone, Kieferklemme. Miliare Aussaat kann in seltenen Fällen auftreten.

Therapie

Interne Therapie

Operative Therapie

Fallbericht(e)

Bei einem 44-jährigen Patienten entwickelte sich seit über einem halben Jahr nach einem leichten Hundebiss eine weitgehend symptomlose, 3x2cm große, rote, exulzerierte Induration an der Außenseite des rechten Oberarms. Im Verlaufe dieser Zeit kam es zu einer knotigen Größenprogredienz, bei zunehmender Ulzeration und ständiger eitriger Sekretion. Ein analoger Herd trat am linken (!) Arm hinzu. Die Laboruntersuchung ergab eine Leukozytose (11.500/ml), sowie erhöhte Entzündungsparameter (BSG: 35/h; CRP:5,2mg/dl). Eine perorale antibiotische Therapie mit Clindamycin erbrachte keinerlei Besserung. Eine tiefe Exzisionsbiopsie ergab ein tiefreichendes Granulationsgewebe mit Neutrophilen-Abszessen. Kein Nachweis von Drusen. Durch eine zugleich durchgeführte mikrobiologische Untersuchung des Gewebes gelang jedoch der Nachweis von Actinomyces naeslundi. Der Keim war resistent gegenüber Clindamycin. Die antibiotische Therapie wurde antibiogrammadaptiert auf eine Kombinationsbehandlung mit Moxifloxacin und Ampicillin/Sulbactam umgestellt. Darunter Befundabheilung nach 6 Wochen.

Literatur
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Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017