Airborne Contact Dermatitis L23.8

Bildübersicht

Synonym(e)

aerogenes kontaktallergisches Ekzem; airborne allergy; airborne contactdermatitis; Airborne-Contact-Dermatitis; airborne Kontaktallergie; airborne kontaktallergisches Ekzem; airborne Kontaktekzem; Bush-Dermatitis; Dermatitis airborne contact dermatitis; Mutterkrautallergie; Rush-Dermatitis

Definition

Allergisches Kontaktekzem (aerogenes allergisches Kontaktekzem) durch windübertragene (airborne) Bestandteile von Pflanzen (hauptsächlich aus der Familie der Korbblütler), durch verschiedene chemische Produkte, Arzneimittel oder Parfüms.

Ätiopathogenese

  • Es konnte nachgewiesen werden, dass auch die Haut (v.a. bei Störungen der Hautbarriere) als Eindringpforte für aerogen übertragene Allergene, auch für Pollen dienen kann. Bereits in Minutenfrist (30 min.) ist die Haut in der Lage, entsprechend aufgetragene Pollenallergene zu internalisieren.
  • Für das hohe Sensibilisierungsvermögen aerogener Kontaktallergene sind v.a. Verbindungen aus der Substanzklasse der Sesquiterpenlaktone verantwortlich. Sie kommen in Blättern und Stängeln vieler Korbblütler (Kompositen: z.B. Mutterkraut, Kamillenblütenextrakt, Rainfarnkrautextrakt, Scharfgarbenkrautextrakt) in hoher Konzentration vor. Auch in manchen Pflanzen aus anderen Familien, z.B. Lorbeer, sind sie nachweisbar (Kreuzallergien).
  • Möglicherweise bestehen auch phototoxische Begleiteffekte (s.a.u. Phototoxizität).
  • Eine Airborne Contact Dermatitis wurde auch bei berufsrelevanten flüchtigen Chemieprodukten wie Kolophonium oder Epoxidharzen beschrieben. Ebenfalls von Bedeutung sind Duftstoffe.
  • Seltener ursächlich sind aerogen übertragene Gifthaare der Larven des Eichen-Prozessionsspinners (s.u. Eiche; s.u. Raupendermatitis) (die mikroskopisch kleinen Gifthaare werden aerogen bis zu 100 Meter weit verbreitet).

Klinisches Bild

Subakutes, flächiges Ekzem im Bereich der unbekleideten Areale, v.a. im Gesicht.

Im Gegensatz zu lichtinduzierten Dermatosen kommt es bei der Airborne Contact Dermatitis auch an den Oberlidern (s. Lidekzem), retroaurikulär und unterhalb des Kinns zu ekzematösen Veränderungen.

Eine jahreszeitliche Abhängigkeit (Mai-September) der Ekzeme ist bei den "Pflanzen-induzierten" Formen charakteristisch und damit diagnostisch wegweisend.

Fehlt die jahreszeitliche Abhängigkeit, so kommen z.B. bei berufsbezogener Abhängigkeit (im Urlaub Besserung) flüchtige Chemieprodukte (z.B. 2-Aminothiophenol; Epoxidharze) in Frage.

Abhängigkeit vom Gebrauch flüchtiger Kosmetika (z.B. Parfums) überprüfen.

Therapie

Interne Therapie

Prophylaxe

  • Meiden des Allergens falls möglich.
  • Bei V.a. Pollen-assoziiertes Syndrom empfiehlt sich konsequent eine mehrfach tägliche Applikation Lipid- oder auch Dexpanthenol-haltiger Cremes oder Lotions auf die freigetragenen Hautareale, die zwischenzeitlich feucht gereinigt werden sollten. Dies verhindert nachweislich den direkten Pollenanflug an die Haut und damit die ständige Reexposition mit dem Allergen.

Literatur

  1. Bonomonte D et al. (2002) Occupational airborne allergic contact dermatitis from 2-aminothiophenol. European J Dermatol 12: 592-593
  2. Custis NJ et al. (2003) Quantitative measurement of airborne allergens from dust mites, dogs, and cats using an ion-charging device. Clin Exp Allergy 33: 986-991
  3. Huygens S, Goossens A (2001) An update on airborne contact dermatitis. Contact Dermatitis 44: 1-6
  4. Ramesh M et al. (2000) Airborne contact dermatitis to epoxy resin. Indian J Dermatol 45: 141-142
  5. Meinke M et al. (2010) In-vivo und in vitro-Untersuchungen von Hautpflegeprodukten zur Reduktion der Pollenallergenen in Haarfollikel. Allergo J 18: 56 (Poster 37, EADV-Kongress 2010)

Disclaimer

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Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017