Acne inversa L73.2

Zuletzt aktualisiert am: 06.02.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Dissecting terminal hair Folliculitis

Erstbeschreiber

Plewig u. Steger, 1989

Definition

Wahrscheinlich besondere Form der Akne vulgaris des Erwachsenenalters mit Befall von Arealen die reich an apokrinen Schweißdrüsen und Terminalhaaren sind (inverses Befallsmuster), mit Ausbildung von Komedonen und eminent chronischen, abszedierenden Fistelgängen (DD: Hidradenitis suppurativa).

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Lokalisation

Perineum, Perianalregion, Skrotalwurzel, Gesäß, Oberschenkelinnen- und -streckseiten sowie Axilla, Oberarm- und Brustregion.

Klinisches Bild

Multiple, chronisch stationäre, meist schmerzhafte, disseminierte, flach elevierte, oder auch deutlich erhabene, unscharf begrenzte, rote feste Papeln, Plaques und Knoten. Daneben auch schmerzhafte, fluktierende Abszesse oder tief eingesunkene, derbe Narbenplatten oder auch Narbenwülste, die zu Bewegungseinschränkungen führen können. Bei genauer Inspektion finden sich immer wieder kleine eingesunkene Komedonen, wodurch die Zugehörigkeit zum Formenkreis der Akne deutlich wird.

Therapie

Bei weniger ausgeprägten Fällen empfiehlt sich ein komplexes Vorgehen mit folgenden Komponenten: begleitende Therapie mit Isotretinoin (z.B. Aknenormin 10-20 mg/Tag p.o.), konsequente tägliche Lokaldesinfektion, Laserepilation der befallenen Areale, komplette Exzision knotiger Entzündungen; wenn möglich Primärverschluss; alternativ Sekundärheilung des Defektes; konsequente Entfernung von Komedonen mittels Stanzbiopsien.

Bei fortgeschrittenen Krankheitsbildern ist als einzig kurative Maßnahme die frühestmögliche chirurgische Intervention anzusehen mit großzügiger en-bloc-Resektion der betroffenen Areale. Auch größere Defektflächen bleiben postoperativ offen und können unter sorgfältiger Wundüberwachung sekundär zugranulieren und epithelisieren. Bei Notwendigkeit einer Defektdeckung sind freie Transplantate gegen Schwenklappenplastik abzuwägen. Auch hierbei ist präoperativ, 3-4 Monate vor dem geplanten Eingriff, die systemische Behandlung mit Isotretinoin zu empfehlen. Postoperativ sollte diese Behandlung für einige Monate fortgeführt werden.

Allgemein (symptomatisch): Raucher sollten striktes Rauchverbot erhalten. Falls vorhanden, Behandlung einer Anämie, Abszess-Spaltungen. Vermeiden enganliegender Kleidung (z.B. Jeans).

Verlauf/Prognose

Ohne Therapie häufig jahrzehntelange Krankheitskarrieren.

Hinweis(e)

Die Entität des Krankheitsbildes ist umstritten. Diskutiert werden Beziehungen zur Perifolliculitis capitis abscedens et suffodiens, zur Acne conglobata und zur Hidradenitis suppurativa (s. dort auch klinische Einteilung und Therapie). Der Begriff Acne inversa wird z.T. synonym zu Akne-Triade, Akne-Tetrade und Hidradenitis suppurativa gebraucht.

Literatur
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  1. Küster W et al. (1991) Acne inversa. Hautarzt 42: 2-8
  2. Lentner A et al. (1992) Klinisches Erscheinungsbild und Therapie der Pyodermia fistulans sinifica (Acne inversa). Z Hautkr 67: 988-992
  3. Stein A et al. (2003) Acne inversa. Hautarzt 54: 173-185
  4. Wienert V et al. (2002) Acne inversa (stage 2). Hautarzt 53: 18-21

Disclaimer

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