Urtikaria physikalische L50.8

Zuletzt aktualisiert am: 02.07.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Physical urticaria; Physikalische Urtikaria

Definition

Durch physikalische Reize (Reibung, Druck, Kälte, Wärme, Licht) ausgelöste, in den allermeisten Fällen erworbene Urtikaria, wobei ein Kontakt- und ein Reflextyp unterschieden werden. Der Triggermechanismus ist dem Patienten meist bekannt. Die physikalische Urtikaria zeigt eine deutlich niedrigere spontane Remissionsrate als die idiopathische Urtikaria.

Einteilung

Nach Art des physikalischen Stimulus unterscheidet man mechanisch ausgelöste von thermisch- und elektromagnetisch induzierten Krankheitsbildern:

Vorkommen/Epidemiologie

Der Anteil der physikalischen Urtikaria an der Gesamtheit der chronischen Urtikaria kann nur geschätzt werden. Er wird mit 15-25% angegeben. Häufig sind verschiedene Urtikariaformen miteinander kombiniert, z.B. der chronisch idiopathische Typ mit einer physikalischen Urtikaria.

Klinisches Bild

Stark juckende Quaddelbildung von unterschiedlicher Persistenz und Stärke. Es zeigen sich rote Flecken (Erytheme) sowie erhabene, scharf begrenzte, palpable, solitäre oder konfluierende, juckende, weißliche bis rote Quaddeln unterschiedlicher Größe. Auch tief liegende Gewebsschwellungen sind nicht selten. Beim Kontakttyp sind die Hauterscheinungen nur am Ort der Reizeinwirkung lokalisiert. Beim Reflextyp können sie auch als Fernreaktion auftreten und gehen mit Symptomen wie Hypotonie, Tachykardie und Dysästhesien der Akren einher.

Diagnose

  • Drucktest: Definierte Gewichte wirken eine bestimmte Zeit auf den Rücken oder Arm. Ablesung: sofort, nach 20 Minuten, 1, 6 und 24 Stunden.
  • Kältetest: Eiswürfel für 20 Sekunden auf die Haut (Arm) geben, Ablesung s. oben.
  • Wärmetest: Ca. 45 °C warmer Gegenstand für 20 Sekunden auf die Haut (Arm) geben. Ablesung: s. oben, s.a.u. Lichttreppe (s.a.u. MED).
  • Cholinergische Urtikaria: Testung mit heißem Teil- oder Armbad (40 bis max. 45 °C), körperliche Belastung zur Auslösung der Urtikaria. Carbacholtest (7,5 μm i.c., Unterarmbeugeseite).

Therapie allgemein

Die Behandlung ist von der exakten Diagnose abhängig, s.a. Urtikaria, chronische. Auslösende Ursache meiden. Bei den meisten Formen der physikalischen Urtikaria (auch cholinergische Urtikaria und Kontakturtikaria) kann die Refraktärphase (Erschöpfungsphase der Mastzellen) zur Induktion der Toleranz genutzt werden. Die Patienten können angeleitet werden, sich regelmäßigen Reizen auszusetzen, die keine schwere Symptomatik hervorrufen. Bis zur vermuteten Neusynthese von Histamin sind sie so bei erneuter Reizexposition erscheinungsfrei. Systemische Glukokortikoide sind zwar wirksam, aber aufgrund der Chronizität der Erkrankung keine Lösung. Ansonsten s.u. jeweiligem Krankheitsbild.

Interne Therapie

Omalizumab: In einer Literaturrecherche wurden 43 Studien, Fallstudien, Fallberichte und Analysen zum Einsatz von Omalizumab bei versch. Subtypen der chronisch induzierbaren Urtikaria gemacht (Symptomatischer Dermographismus, Kälte-, Hitze-, Sonnen-, Wasser- und Druckurtikaria, das vibratorische Angioödem, die cholinerge Urtikaria und dei Kontakturtikaria). Hierbei ergaben sich deutliche Therapieeffekte mit der stärksten Evidenz beim symptomatischen Dermographismus, der Kälteurtikaria, Sonnenurtikaria (Maurer M et al. 2018)   

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Fleischer M, Grabbe J (2004) Physikalische Urtikaria. Hautarzt 55: 344-349
  2. Humphreys F, Hunter JA (1998) The characteristics of urticaria in 390 patients. Br J Dermatol 138: 635-638
  3. Maurer M et al. (2018) Omalizumab treatment in patients with chronic inducible urticaria: A systematic
    review of published evidence. J Allergy Clin Immunol 141:638-649. 
     

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