Thiurame

Zuletzt aktualisiert am: 04.11.2016

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Dipentamethylenthiuramdisulfid (DPTD)

Allgemeine Information

Bewertung der Thiurame hinsichtlich der Auswirkung einer Allergie auf die Minderung der Erwerbsfähigkeit:
  • Thiurame werden als Vulkanisationsbeschleuniger bei der Herstellung von Gummiprodukten aus Natur- und Synthesekautschuk eingesetzt. Sie können mit anderen Vulkanisationsbeschleunigern, z.B. Dithiocarbamaten oder Mercaptobenzothiazol-Derivaten, kombiniert werden. Thiurame werden außerdem als Biozide in der Landwirtschaft und Pflanzenproduktion (Repellents, Fungizide, Wildschadenverhütungsmittel) verwendet und sind dafür nach der neuen Pflanzenschutzmittel-Verordnung weiterhin zugelassen. Tetraethyldiuramsulfid (TETD, Disulfiram) wird als Medikament in der Alkoholentwöhnung (Antabus) und als Chelatbildner bei Nickelintoxikationen eingesetzt.
  • In der allergologischen Diagnostik wird mit einem Thiurammix getestet, der vier Thiurame enthält. Getestet werden die Thiurame Tetramethylthiuramsulfid (TMTS), Tetraethylthiuramsulfid (TETD), Tetramethylthiurammonosulfid (TMTM) und Dipentamethylenthiuramdisulfid (DPTD).
  • Laut Studienlage treten in Europa 1,4-5,4% Sensibilisierungen gegen Thiurame auf; Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Häufigste Ursache sind Sensibilisierungen gegen Gummihandschuhe. Z.T. lagen die Sensibilisierungsraten wegen Verwendung von Thiuramen als Reaktionsbeschleuniger in der Herstellung von Schutz- und Gummihandschuhen deutlich höher (bis zu 27% bei Angehörigen medizinischer Berufe mit Handekzemen). Nicht selten sind bei Angehörigen medizinischer Berufe mit Kontaktekzemen Sensibilisierungen gegen Thiurame mit Latex-Allergien gekoppelt.
  • Auswirkung einer Allergie: In der Regel "geringgradig" wegen der vielfältigen Ersatzmöglichkeiten in den meisten Expositionsbereichen und der Tendenz, auf Thiurame in Gummischutzhandschuhen zu verzichten. "Mittelgradig" bei einer hochgradigen Sensibilisierung (z.B. Reaktion auf kleinste Mengen in Bekleidungsgummi oder in Gummiartikeln).
  • Relevante berufliche Expositionen: Alle Berufe, in denen regelmäßig Schutzhandschuhe getragen werden (Gummihersteller/Vulkaniseur, Arzt/Zahnarzt, Krankenpfleger/Arzthelfer, Maurer/Bauarbeiter, Metallverformer, Textilhersteller/-verarbeiter, Reiniger, Altenpfleger), haben ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Thiuramallergie, sind aber nicht verschlossen, da thiuramfreie Schutzhandschuhe zur Verfügung stehen. Tätigkeiten in der Pflanzenproduktion, Pflanzenschutzmittelproduktion, Floristik oder Landwirtschaft sind z.T. verschlossen, wenn Fungizide auf Thiurambasis nicht gemieden werden können.
  • Merke! Thiurame zeigen die höchsten Sensibilisierungsraten aller Gummihilfsstoffe.

Literatur
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  1. Diepgen TL et al. (2005) Evidenzbasierte Beurteilung der Auswirkung von Typ-IV-Allergien bei der Minderung der Erwerbsfähigkeit - Begutachtung berufsbedingter Hautkrankheiten. Hautarzt 56: 207-223
  2. Diepgen TL, Dickel H, Becker D, John SM, Geier J, Mahler V, Rogosky E, Schmidt A, Skudlik C, Wagner E, Weisshaar E, für die Arbeitsgruppe "Bewertung der Allergene bei BK 5101" der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (2008) Beurteilung der Auswirkung von Allergien bei der Minderung der Erwerbsfähigkeit im Rahmen der BK 5101: Thiurame, Mercaptobenzothiazole, Dithiocarbamate, N-Isopropyl-N'-phenyl-p-phenylendiamin. [Evaluation of the effects of allergies on the reduction in earning capacity in the context of BK 5101: thiurams, mercaptobenzothiazoles, dithiocarbamates, N-isopropyl-N'-phenyl-p-phenylenediamine]. Dermatol Beruf Umwelt 56: 11-24
  3. Pardo A et al. (2007) The effect of physical and chemical properties of swimming pool water and its close environment on the development of contact dermatitis in hydrotherapists. Am J Ind Med 50: 122-126

Weiterführende Artikel (3)

Biozid; Latexallergie; MdE;
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