Symmetrical drug related intertriginous and flexural exanthema L24.4; L25.1

Zuletzt aktualisiert am: 08.08.2020

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Baboon-Syndrom; SDRIFE

Erstbeschreiber

Andersen et al., 1984

Definition

Klinisch-morphologisch beschreibende Bezeichnung für eine akute oder chronische Dermatitis unterschiedlicher Ätiologie der Gesäß- und Leistenregion, die früher, da sie an ein gerötetes "Affengesäß" erinnerte, als Baboon- ( = Pavian)-Syndrom bezeichnet wurde. Die neuerlich übliche Bezeichnung "SDRIFE" berücksichtigt, dass überwiegend systemisch verabfolgte Medikamente ohne vorherige Sensibilisierung diese Beugen-betonte Dermatitis hervorrufen können. SDRFE tritt typischerweise wenige Stunden bis Tage nach Applikation der fraglichen arzneimittel auf.

Die Erkrankung ist unabhängig von ihrer Nomenklatur als eigenständige Entität umstritten.

Vorkommen/Epidemiologie

m>w (Häusermann P et al. 2004)

Ätiopathogenese

Ursprünglich wurde das "Baboon-Syndrom" als ausgedehnte, am Gesäß lokalisierte fixe Arzneimittelreaktion bzw. als lokalisationtypisches  kontaktallergisches Ekzem mit Streureaktion bzw. als hämatogenes Kontaktekzem beschrieben. Auch pustulöse Exantheme wurden beschrieben (Magnolo N et al. 2017). Das Syndrom wurde auch im Zusammenhang mit Perubalsam und Nahrungsmittelallergenen beobachtet. Dieser polyätiologische Erklärungsansatz ist allerdings für eine klar definierte Entität wenig zufriedenstellend.

Mit SDRIFE erfolgt eine Einengung auf eine Medikamenten-allergische oder -toxische Auslösung der klinischen Symptomatik. Diskutiert wird eine lokalisierte T-Zell- vermittelte Reaktion vom Spättyp wobei unklar ist, warum sich diese Reaktion lokalisationstypisch verhält. Hierbei könnte es sich um ein Reaktivierungsphänomen (s.u. UV-Recall) handeln, bei dem eine systemische Reaktion in prädisponierten Arealen auftritt. Ultraviolette (UV) Reaktivierungsreaktionen werden primär nach Verabreichung von Chemotherapeutika, Antibiotika und anderen Medikamenten beobachtet.

Folgende Medikamente wurden im Zusammenhang mit SDRIFE beschrieben: 

Lokalisation

Gesäß, Genitalien, Leistenregion, Axillarregion  

Therapie

Symptomatisch je nach Ursache.

Hinweis(e)

Einige Autoren halten die Bezeichnung "Baboon-Syndrom" inzwischen für obsolet. Mit dem Akronym "SDRIFE " =  symmetrical drug related intertriginous and flexural exanthema wurde eine präzisere Beschreibung dieser fraglichen Entität versucht (Wolf R et al. 2015):

  • S= symmetrical -symmetrische Anordnung der Hauterscheinungen
  • DR= drug related s. u. Ätiopathogenese)
  • I=  intertriginous (gluteal, perianal, V-förmig inguinal/Oberschenkel)
  • F= flexural (Beteiligung mindetesn eiener weiteren Beugen-Region) 
  • E= exanthema (oft tiefrote flächige Erytheme oder Paques) 

Literatur
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  1. Andersen KE, Hjorth N, Menne T (1984) The baboon syndrome: systemically-induced allergic contact dermatitis. Contact Dermatitis 10: 97-100
  2. Blackmur JP et al. (2013) Baboon syndrome: an unusual complication arising from antibiotic treatment of tonsillitis and review of the literature. BMJ Case Rep doi: 10.1136/bcr-2013-201977.
  3. Cabrera Hernandez V et al. (2019) Symmetrical drug-related intertriginous and flexural exanthema due to clindamycin. BMJ Case Rep 12:e230077. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31377719/
  4. Erdmann SM et al. (2010) Hämatogenes Kontaktekzem durch Nahrungsmittel. Allergo J 19: 264-271
  5. Harde V et al. (2011) Baboon-Syndrom bei Typ IV-Sensibilisierung auf Triamcinolonacetonid. Abstract-CD 46. DDG-Tagung: P02/17
  6. Haufe, K et al. (2013) Ungewöhnliche klinische Präsentation eines Baboon-Syndroms. derm 19: 197-201
  7. Häusermann P et al. (2004) Baboon syndrome resulting from systemic drugs: is there strife between SDRIFE and allergic contact dermatitis syndrome? Contact Dermatitis 51:297-310.

  8. Herfs H et al. (1993) "Baboon syndrome". A particular manifestation of hematogenous contact reaction. Hautarzt 44: 466-469
  9. Kick G, Przybilla B (2000) Delayed prick test reaction identifies amoxicillin as elicitor of baboon syndrome. Contact Dermatitis 43: 366-367
  10. Magnolo N et al.(2017) Pustulobullöse Variante eines SDRIFE (symmetrical drug-related intertriginous andflexural exanthema).J Dtsch Dermatol Ges 15:657-659.
  11. Nespoulous L et al. (Symmetrical drug-related intertriginous and flexural exanthema (SDRIFE) associated with pristinamycin, secnidazole, and nefopam, with a review of the literature.  Contact Dermatitis 79:378-380.

  12. Proske S et al. (2003) Severe allergic contact dermatitis with generalized spread due to bufexamac presenting as the "baboon" syndrome. Dtsch Med Wochenschr 128: 545-547
  13. Weiss JM et al. (2001) Reproducible drug exanthema to terbinafine with characteristic distribution of baboon syndrome. Hautarzt 52: 1104-1106
  14. Wolf R et al. (2015) Baboon syndrome and toxic erythema of chemotherapy: Fold (intertriginous) dermatoses. Clin Dermatol 33:462-465.

  15. Ziemer M (2014) Kutane Arzneimittelreaktionen vom Spättyp. Pathogenese, Klinik und Histologie. Hautarzt 65: 397-408 

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