Sojaallergie T78.1

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Gly m 3; Gly m4; Gly m 5; Gly m 6; Soja-Allergie; Sojaallergie birkenpollenassoziierte

Definition

Durch die steigende Bedeutung von Soja als alternatives Nahrungsmittel zunehmende Allergiesymptomatik, die in unterschiedlicher Akuität und Schwere Haut und Schleimhäute betreffen kann. Im Kindesalter ist Soja eines der häufigsten pflanzlichen Nahrungsmittelallergene.

Vorkommen/Epidemiologie

Verlässliche Daten zu Sojaallergien existieren nicht.

Ätiopathogenese

In Soja nachgewiesene Allergene:

  • Gly m1: Protamin; Inhalationsallergie; berufsbedingt bei Kontakt mit Sojastaub beim Transport oder in der Produktion.
  • Gly m2 ( Defensin): Hüllprotein, von Sojaprodukten.
  • Gly m3 ( Profilin): Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie v.a. bei Jugendlichen und Erwachsenen; Bet-v-1 Homolog.
  • Gly m4 (PR 10-Protein): bei vorhandener Birkenpollenallergie; Bet-v-1 Homolog. Bei den für Sojaallergien im Erwachsenenalter verantwortlichen Gly m4 handelt es sich um ein Major-Allergen, das erhebliche strukturelle Ähnlichkeit mit dem Birkenpollen-Majorallergen Bet-v-1 aufweist. Bei dem PR-10-Protein (PR = pathogenesis-related oder plant defence related) handelt es sich um sog. "Pflanzenstressproteine". Pflanzenstressproteine sind Stoffe, die die Pflanze nach Infekten als Abwehrreaktion produziert. Ein Großteil der Birkenpollenallergiker zeigen eine Kreuzreaktion gegen das Sojaprotein aus der Familie der thermo- und säurelabilen Bet-v-1 homologen Kreuzreaktionen aufgrund von Allergenen, die dem Bet-v-1 homolog sind, werden bei der Nahrungsaufnahme von Soja, Apfel, Birne, Kirsche, Aprikose, Karotte, Haselnuss, Petersilie, Spargel und Sellerie und bei Polleninhalation von Haselnuss, Erle und Hainbuche gefunden. Wahrscheinlich entwickeln mindestens 10% der Birkenallergiker klinische Symptome nach Genuss unprozessierter oder nur geringgradig verarbeiteter Sojaprodukte. Mit der Entwicklung von Soja-Keimlingen und bei Lagerung nimmt der Allergengehalt zu. Durch Fermentation und Erhitzen nimmt die Allergenität ab. Aufgrund niedriger Konzentrationen von Gly m4 in kommerziellen Soja-Extrakten ist der Soja-RAST/CAP häufig negativ.
  • Gly m5: Beta-Conglycinin; Minorallergen; gastrointestinale Sensibilisierung, damit klassische Nahrungsmittelallergie; v.a. Säuglinge und Kleinkinder sind betroffen. Gly m5 wird u.a. für die Auslösung einer "Anstrengungs-induzierten" Nahrungsmittelallergie nach Sojagenuss verantwortlich gemacht. Bei Gly m5 verläuft der gastrointestinale Abbauprozess individuell sehr unterschiedlich. Sowohl Gly m5 als auch Gly m6 können schwere allergische Reaktionen auslösen.
  • Gly m6 (Glycinin): selten; v.a. Erwachsene sind betroffen. Gly m6 (Glycinin) ist ein Major-Allergen, das thermostabil bis 95 °C ist; es ist relativ widerstandsfähig gegen Proteolyse. Kreuzreaktionen sind mit Erduss oder Lupine möglich.
  • Gly m 6  Glycinin (legumin)
  • Gly m 7  Seed biotinylated protein  
  • Gly m 8  2S albumin  
  • mehr als 10 weitere Gly m-Proteine deren Allergenität noch nicht näher definiert sind.
  • Trypsin-Inhibitoren: Soja enthält mehrere Enzyminhibitoren, die eine Schutzfunktion gegen Proteasen z.B. von Pilzen besitzen. Aus allergologischer Sicht ist vor allem der 20 kDa Trypsin-Inhibitor bedeutend. Er wird auch im Soja-Lecithin nachgewiesen und kann anaphylaktische Reaktionen auslösen.

Klinisches Bild

In Europa werden damit drei unterschiedliche Formen der Sojaallergie beobachtet:
  1. Die "klassische", seltene (Säuglingsalter; etwa 15% der Sojaallergiker) primäre Nahrungsmittelallergie. Hierbei sind gastrointestinal aufgenommene stabile Sojaproteine die ausschlaggebenden Allergene.
  2. Die häufigere (Jugend- und Erwachsenenalter) Pollen-assoziierte (sekundäre) Nahrungsmittelallergie, die sich nach inhalativer Sensibilisierung durch Birkenpollenallergene entwickelt.
  3. Die Inhalationsallergie, die durch das Einatmen großer Mengen von Soja-Hüllproteinen ausgelöst wird (wurde bei Hafenarbeitern bei der industriellen Frachentladung von Soja beobachtet).
Die allergischen Reaktionen der kreuzreaktiven Gruppe der Sojaallergiker, betreffen in erster Linie Mundhöhle und Rachen ( orales Allergiesyndrom) und können auch mit Angioödemen gekoppelt sein. Weiterhin werden Urtikaria, gastrointestinale Symptome wie Übelkeit und Darmkrämpfe, Durchfall und evtl. Kreislaufsymptome bis zur Anaphylaxie beobachtet. Durch Sojabohnenstaub oder Sojabohnenlecithin können inhalative Soforttypallergien (s.u. Allergie) ausgelöst werden (v.a. bei beruflicher Exposition, z.B. im Bäckereigewerbe. Soja ist ein mögliches Berufsallergen, z.B. in Backhilfsstoffen.

Diagnose

Pricktest; Intrakutantest mit Nativmaterial; weiterhin RAST; ggf. orale Provokoation mit verschiedenen Sojaprodukten (stationäre Aufnahme notwendig!).

Hinweis(e)

  • Eine Sojaallergie konnte bei Kindern mit Atopien in 6 % der Fälle nachgewiesen werden. Die häufigste Form der Sojaallergie wird (in Mitteleuropa) über eine Birkenpollen-assoziierte Kreuzreaktion ausgelöst. Man rechnet damit, dass jeder 10. Birkenpollenallergiker mit Soja kreuzreagiert. Nicht pollenassoziierte Kreuzreaktionen können mit anderen Nahrungsmittelallergien aus der Familie der Hülsenfrüchte auftreten (Bohnen, Erbsen, Erdnüsse, Linsen). Sojaprodukte können in vielen Lebensmitteln enthalten sein. Soja wird dabei häufig als primäre Proteinquelle, als Emulgator oder als Öl in Salatölen, Backfetten oder Margarinen genutzt. Aus Sojabohnen wird u.a. auch das Soja-Lecithin gewonnen. Lecithine sind wichtige natürliche Tenside (Emulgatoren) für Nahrungs- und Futtermittel (in der EU als Lebensmittelzusatzstoff E 322 für Lebensmittel allgemein zugelassen, auch bei Säuglingsnahrung). Das Sojaöl ist ein aus Sojabonen gewonnenes pflanzliches Öl, das hauptsächlich als Nahrungsmittel Verwendung findet. Die Hauptverwendung von Sojaöl findet in der Ernährung statt, wo es für ein großes Spektrum von Salatölen, Backfetten bis zu Margarine genutzt wird.
  • Eine besondere Gefahr geht von nicht kenntlich gemachtem Sojaeiweiß, z.B. in Kaffeeweißer, Diabetikergebäck oder Fleischersatz aus (hitzestabil). Laut Kennzeichnungsverordnung reicht es aus, den Begriff "Pflanzeneiweißerzeugnis" in einer Zutatenliste zu verwenden, auf Soja muss nicht speziell hingewiesen werden. Inwieweit eine spezifische Immuntherapie ( SIT) eine Birkenpollen-assoziierte Sojaallergie bessern kann, ist bisher noch nicht ausreichend geklärt.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Holzhauser et al. (2009) Soybean (Glycine max) allergy in Europe: Gly m5 (beta-conglycinin) und Gly m6 (glycinin) are potential diagnostic markers for severe allergic reactions to soy. J Allergy Clin Immunol 123: 452-458
  2. Krishnan et al. (2009) All three subunits of soybean beta-conglycinin are potential food-allergens. J Agric Food Chem 11: 938-943
  3. Treudler R et al. (2010) Steigende Popularität von Soja: wie werden Birkenpollenallergiker richtig beraten. Allergo J 19: 243-250

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017