Seidenallergie

Zuletzt aktualisiert am: 16.03.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Allergie auf Seide; Seidenproteinallergie; Typ I-Allergie auf Seidenproteine; Typ IV-Allergie auf Seidenproteine

Definition

Allergische Reaktion auf Proteine (Glykoproteine) in Seidenprodukten. Die sensibilisierenden Seidenproteine können sowohl als inhalative Typ I-Soforttypallergene, als auch als Typ IV-Kontaktallergene (Vandevenne A et al. 2015) in Erscheinung treten, wobei kontaktallergischen Reaktionen eine eher geringere Bedeutung zukommt. So wurde beispielsweise zweitweise gehäuft über allergisches Asthma bronchiale als Reaktionen auf Betten- und Kissenfüllungen aus Wildseide berichtet.

Bei der Seidenallergie kommen multiple Quellen in Betracht, so z.B. die Bestandteile des Verpuppungsmaterials der Seidenraupe (Bombyx mori), Schuppenmaterial der Seidenfalter, Larvenexkremente (Suzuki M et al. 1995) sowie Sericin, ein strukturgebendes Glycoprotein der Naturseide. Sericin wird bei der Auslösung von inhalativen Typ I-Allergien als Haupt-Allergen angesehen. Sericin führt ebenfalls zu Typ IV-Sensibilisierungen (Koller DY et al. 2007). Es bestehen Kreuzreaktivitiäten zwischen der Naturseide, dem Kokon/Larve der Seidenraupe und Schuppenmaterialien des Seidenspinners.

Allgemeine Information

Seidenproteine sind hochpotente aerogene Allergene (Häcki M et al.1992). Sie können bereits bei Kindern (Wen et al.1990) zur allergischen Rhinokonjunktivitis, Asthma bronchiale und zu einer Hypersensitivitäts-Pneumonitis führen.

In Ländern wie China und Japan, in denen Seidenfabrikationen großtechnisch betrieben werden, werden auch beruflich ausgelöste Sensibilisierungen auf Seidenproteine beobachtet (Goossens A et al. 1998).

Allergische Reaktionen vom verzögerten Typ auf chirurgisches Seidennahtmaterial mit Granulombildungen, wurde früher beobachtet; sie sind heute selten, da chirurgisches Nahtmaterial aus geflochtenen Seidenfäden keine Rolle mehr spielen.

Hinweis: Patienten mit atopischer Dermatitis empfinden Seidenstoffe auf ihrer Haut als angenehm und kaum irritativ. Insbesondere bei diesem atopischen Klientel ist mit der Gefahr einer "Seidenproteindermatitis" zu rechnen. Häufig verantwortlich hierfür ist Sericin, ein natürlicher Bestandteil des Seidenfadens. Die Lösung für diese Problemsituation sind Sericin-freie Seidenstoffe, die für Atopiker nachweislich geeignet sind (Koller DY et al. 2007)

Diagnose

Prick-oder Scratchtest mit Nativmaterial, RAST (Ph.: Seidenreste/Wildseite, Naturseide/Rohseide)

Hinweis(e)

Seide im täglichen Gebrauch: Seidenhaltige Materialien werden als Bekleidungsstücken, als Bettwäsche (auch als Füllmaterial in Kissen) oder als Möbelüberzüge genutzt.

Seidenproteine in kosmetischen Rezepturen:

  • Serica powder: Seidenpulver wird in Kosmetikprodukten als Zusatzstoff eingesetzt. Verwendung als kosmetischer Inhaltsstoff
  • Capryloyl silk amino acids: Aminosäure, Seide, Reaktionsprodukte mit Octanoylchlorid. Kosmetische Funktion: haarkonditionierend, Tensid, reinigend
  • Hydrolyzed silk: Seidenprotein-Hydrolysate. Funktion: antistatisch, haarkonditionierend, feuchthaltend, hautpflegend
  • MEA-hydrolyzed silk: Seidenprotein-Hydrolysate, Produkte mit 2-Aminoethanol. Funktion: hautpflegend, haarkonditionierend
  • Palmitoyl silk amino acids: Aminosäuren der Seide, Reaktionsprodukte mit Hexydecanoylchlorid. Funktion: haarkonditionierend, reinigend
  • Sericin: Fasriges Glycoprotein, das Bestandteil des Seidenproteins ist, das aus den Seidenraupen-Kokons gewonnen wird. Funktion: feuchthaltend, hautpflegend, haarkonditionierend, glättend
  • Serica powder: Pulverisierte Seide. Funktion: antistatisch, hautpflegend, haarkonditionierend, gättend
  • Silk amino acids: Seidenprotein-Hydrolysate. Funktion: fuechthaltend, haarkonditionierend, hautpflegend
  • Silk worm lipids: Fette aus Seidenraupen. Funktion: hautpflegend
  • Steardimonium hydroxypropyl hydrolyzed silk: Funktion: antistatisch

Literatur
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  1. Goossens A et al. (1998) Occupational dermatitis in a silk-screen maker. Contact Dermatitis 39:40-42. 
  2. Häcki M et al.(1992) Wild silk: a strong inhalation allergen. Dtsch Med Wochenschr 107:166-169.
  3. Inoue A eet al. (21997) Textile dermatitis from silk. Contact Dermatitis 37:185.
  4. Koller DY et al. (2007) Action of a silk fabric treated with AEGIS in children with atopic dermatitis: a  3-month trial.Pediatr Allergy Immunol 18:335-338.
  5. Kurosaki et al. (1999): Fibroin allergy. IgE mediated hypersensitivity to silk suture materials. Nihon Ika Daigaku Zasshi 66: 41-44
  6. Makatsori M et al. (2014) Silk contact anaphylaxis. Contact Dermatitis 71:314-315.
  7. Niinimäki A et al. (1998) Contact urticaria  from protein hydrolysates in hair conditioners. Allergy 53:1078-1082. 
  8. Vandevenne A et al. (2015) Immunological contact urticaria caused by a silk shirt in an atopic patient. Contact Dermatitis 72:240-241.
  9. Wen et al.(1990): Silk-induced asthma in children: a report of 64 cases. Ann Allergy 65, 375-378 (1990)
  10. Suzuki M et al. (1995) Causative allergens of allergic rhinitis in Japan with special reference to silkworm moth allergen. Allergy 50:23-27.

Verweisende Artikel (1)

Sericin (INCI);
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