Rhinoconjunctivitis allergica H10.1

Zuletzt aktualisiert am: 15.05.2014

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Gemeinsames Auftreten von Rhinitis allergica und Konjunktivitis durch Typ 1-Allergie meist auf Pollen ( Pollinose) von Gräsern, Getreide, Bäumen, Sträuchern und Kräutern.

Therapie allgemein

Meiden auslösender Allergene, s. Tab 1. Eine vollständige Allergenkarenz gelingt bei aerogen übertragenen Allergenen nur selten, Allergenreduktion ist allerdings häufig schon ausreichend.

Merke! Im Vordergund der Behandlung steht neben der Beschwerdelinderung die Verhinderung des Etagenwechsels von der Rhinitis allergica zum Asthma bronchiale!

Bei Ausbildung eines allergischen Asthmas Behandlung durch den Internisten.

Externe Therapie

Nedocromil (z.B. Irtan Augentropfen) 2mal/Tag 1 Tropfen in beide Bindehautsäcke einträufeln.

Interne Therapie

  • Antihistaminika: Wenn Lokaltherapie nicht ausreichend ist, im akuten Anfall oder prophylaktisch in der Zeit des Pollenfluges zusätzlich Antihistaminika wie Desloratadin (z.B. Aerius) 1-2 Tbl./Tag, Levocetirizin (z.B. Xusal) 1-2 Tbl./Tag oder Cetirizin (Zyrtec) 1Tbl./Tag p.o.
  • Glukokortikoide: Nur im Ausnahmefall anzuwenden ist die präsaisonale Glukokortikoid-Depot-Injektion i.m. wie Methylprednisolon (z.B.) 80-120 mg.
  • Immuntherapie, spezifische: Neben der absoluten Allergenkarenz einziger Therapieansatz, der die Wahrscheinlichkeit eines Asthma bronchiale deutlich senken kann. Die Indikation zur spezifischen Immuntherapie wird gestellt bei ausgeprägter klinischer Symptomatik (Prick-Test und hohe RAST-Klasse sind nur hinweisende, keine ausschlaggebenden Kriterien). Indikationen können sein: Zunahme der Atembeschwerden von Jahr zu Jahr, positive Familienanamnese für obstruktive Atemwegserkrankungen, beginnende obstruktive Atemwegsbeschwerden während der letzten Pollenflugphase, geringes Lebensalter. Die Indikation ist auch bei mangelhaften Therapieeffekten durch Maßnahmen der Allergenkarenz bzw. symptomatischen medikamentösen Therapien sowie hoher Allergenexposition (insbes. beruflich bedingt) gegeben.
  • Merke! Verschlechterung bzw. Provokation eines atopischen Ekzems durch spezifische Immuntherapie einer Rhinitis allergica ist möglich!

  • Extrakte sind erhältlich für Hausstaubmilben, Pollen und Tierepithelien (Katze, Pferd). Die Wirksamkeit variiert für die verschiedenen Allergene: Gute Erfolgsaussichten bestehen bei spezifischer Immuntherapie gegen Hausstaubmilben (Beschwerdereduktion in etwa 90% der Fälle), mäßige bei Pollen- und zweifelhafte Erfolgsaussichten bei spezifischer Immuntherapie gegen Tierepithelien.
    Cave! Spezifische Immuntherapie bei Patienten mit unspezifischer bronchialer Hyperreagibilität!
    Die Durchführung einer Immuntherapie ist bei unspezifischer bronchialer Hyperreagibilität mit dem Risiko schwerer asthmatischer Exazerbationen verbunden. In diesen Fällen stellt häufig die Beibehaltung der inhalativen Glukokortikoid-Therapie für den Patienten die sinnvollste Lösung dar.
    Auswahl des Allergens: Provokationstestung (nasal/konjuktival) ist i.A. zur Auswahl des Allergens empfehlenswert und bei spezifischer Immuntherapie gegenüber mehreren Pflanzengruppen zur Identifikation des Beschwerden verursachenden Allergens unverzichtbar. Mehr als 4 Allergene einer Pflanzengruppe sollten der Hyposensibilisierungslösung nicht gleichzeitig zugesetzt werden. I.d.R. bewirkt die spezifische Immuntherapie gegenüber wenigen hauptverantwortlichen Allergenen auch eine Minderung der Symptomatik gegen andere Allergene, da diese durch Kreuzallergenität mitbehandelt werden.

Tabellen

Allergenkarenz und Wirksamkeit bei Rhinitis allergica

Allergen

Allergenkarenz

Wirksamkeit

Pollen

Schlafen bei geschlossenen Fenstern

+

Haarewaschen vor dem Schlafengehen

Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen

Pollenfilter, Pollenwarnung

Keine körperliche Anstrengung im Freien während des Pollenfluges

Pilzsporen

Regelmäßiges Lüften v.a. während der Wintermonate

++

Luftzirkulation auch in versteckten Winkeln der Wohnung

Wärmeisolierung an der Außenwand

Hausstaubmilben

Encasing

++

Reduzierung von Staubfängern

Senkung der Luftfeuchtigkeit

Feinfilter im Staubsauger

Akarizide

Tierepithelien

Abschaffung der Tiere v.a. bei Katzenhaarallergie

+

Bei Beibehaltung regelmäßiges Waschen des Tieres

Gründliche Reinigung v.a. der Polster

Sonstige (Kaffee/Rhizinusbohnen, Latex, Metallsalze, Mehl, Proteine usw.)

Versuch der Allergenkarenz oder Reduzierung der Allergenkonzentration insbes. am Arbeitsplatz

(+)

Innerbetriebliche Umsetzung

Ggf. nach Hautarztverfahren Berufswechsel

Hinweis(e)

Orale und intramuskuläre Applikationen von Glukokortikosteroiden sollten bei Kindern zur Therapie der Rhinitis vermieden werden.

Literatur
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  1. Sennekamp J et al. (2002) Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und Ärzteverband Deutscher Allergologen e.v. (ÄDA). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/013
  2. Bachert et al. (2003) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) in Abstimmung mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/014

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