Raupendermatitis L24.8

Zuletzt aktualisiert am: 04.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Caterpillar dermatitis; Dermatitis Raupenhaare; Erukismus; Lepidopterismus (Prozessionsspinnerdermatitis)

Definition

Durch Kontakt mit nesselhaartragenden Lepidopteren Auslösung einer toxischen Dermatitis. Folgende Raupen spielen hierbei in Europa eine Rolle:
  • Goldafterraupe
  • Raupen von Prozessionsspinnern (Eichenprozessionsspinner, Pinienprozessionsspinner, Kieferprozessionsspinner)
  • Bärenspinner und Fleckenfalter.

Vorkommen/Epidemiologie

Nur in den warmen Jahreszeiten auftretend, v.a. von Mai bis August.

Ätiopathogenese

Direkter oder indirekter (aerogener) Kontakt mit den Nesselhaaren der Raupen und dem in ihnen enthaltenen Protein Thaumetopoein (Rodriguez-Mahillo A et al. 2012),  das als Histaminliberator wirkt, bzw. selbst histaminartige Wirkung besitzt.

Klinisches Bild

Stark juckende Erytheme und urtikarielle Papeln oder Bläschen, häufig strichförmig, entsprechend der Kriechspur der Raupe angeordnet. Beim Verteilen der Raupenhaare durch Kratzen und Wischen entsteht auch an anderen Orten eine Raupendermatitis.

Möglich ist auch eine Übertragung der Raupengifthaare durch die Luft, so dass eine sog. " Airborne Contact Dermatitis" entsteht. Parallel dazu können auch Atemwegsbeschwerden und Bindehautentzündungen auftreten.

In seltenen Fällen kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen.

Histologie

Superfizielle, lymphoidzellige, perivaskuläre und interstitielle Dermatitis mit geringer fokaler Epidermotropie. Vereinzelt zeigen sich eosinophile Granulozyten (unspezifisches Entzündungsmuster).

Therapie

Verlauf/Prognose

Effloreszenzen heilen unter externer Therapie meist innerhalb einer Woche ab.

Hinweis(e)

Das Risiko an einer Raupendermatitis zu erkranken, hängt u.a. von der jährlichen Entwicklung der verschiedenen Raupenpopulationen ab. Insbesondere die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners hat in den letzten Jahren weiter stark zugenommen.

Fallbericht(e)

  • Ein 7-jähriges Mädchen ohne dermatologische oder allergologische Krankheitskarriere stellte sich im Juni mit einem massiv juckenden, teils urtikariellen, teils papulo-vesikulösen Ausschlag vor. 2 Tage zuvor hatte sie zusammen mit der Mutter und einer Freundin in einem Waldweiher gebadet. Die ersten Hautveränderungen waren einige Stunden nach dem Baden auch bei Mutter und Freundin aufgetreten.
  • Befund: Am Stamm und an 1 Bein, asymmetrisch verteilte, hochrote, teils flächenhafte, teil strichförmige urtikarielle Papeln und Papulo-Vesikeln. Die vom Badeanzug bedeckten Stellen waren komplett frei von Hauterscheinungen. Bei der Mutter waren die Veränderungen nur am Oberschenkel ausgeprägt.
  • Therapie: Unter einer 0,5% Hydrocortison-Creme heilten die Läsionen innerhalb einer Woche komplett ab.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Rodriguez-Mahillo AI et al. (20112) Setae from the pine processionary moth (Thaumetopoea pityocampa) contain several
    relevant allergens. Contact Dermatitis 67:367-374.
  2. Schöllnast R et al. (2004) Ödematöse Papeln und Papulovesikeln bei Mutter und Kind. Hautarzt 55: 480-481

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 04.05.2018