Quecksilber-II-amidchlorid

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

ammoniated mercury

Definition

Wasserunlösliche Verbindung, die mit Quecksilberchlorid eng verwandt, jedoch nicht synonym ist. Bestandteil von Augen- und Nasensalben. Relativ geringes Irritationspotenzial im Vergleich zu Quecksilberchlorid.

Allgemeine Information

  • In der aktuellen Auflistung der Inhaltsstoffe der zugelassenen Medikamente kommt die Substanz vor. Die Verwendung als Bestandteil von Rezepturen ist ebenfalls von historischer Bedeutung und laut gültigem Verzeichnis der NRF-Rezepturen sind diese nicht mehr im Gebrauch. Die Verwendung von Quecksilber(II)-amidchlorid als Substanz im Standardblock (Zubereitung 1% in Vaselin) erklärt sich aus dem relativ geringen Irritationspotenzial im Vergleich zu Quecksilberchlorid und der allgemein akzeptierten Indikatorfunktion für eine Gruppenallergie gegen anorganische Quecksilberverbindungen.
  • Bei Verdacht auf eine Sensibilisierung gegen Amalgam wird die zusätzliche Testung von Quecksilber-II-amidchlorid empfohlen. Kreuzreaktionen zwischen anorganischen und organischen Quecksilberverbindungen sind zwar möglich, jedoch nicht obligat. Bei Verdacht auf Sensibilisierung gegen organische Quecksilberverbindungen, wie z.B. Thiomersal, sollten diese daher ebenfalls getestet werden.
  • Verschlossene Berufsfelder bei Sensibilisierung gegen Quecksilberverbindungen (s.a.u. Thiomersal): Zahnheilkunde (Kontakt zu metallischem Quecksilber; berufliche Sensibilisierung möglich). Das Berufsfeld ist aber nicht zwangsläufig verschlossen, da mit geeigneten Schutzmaßnahmen allergische Kontaktreaktionen in der Regel zu vermeiden sind.
  • Die weitere Verwendung von Quecksilber und seinen Verbindungen ist daher in industriellen Bereichen nicht sicher auszuschließen, jedoch offenbar kein allergologisches Problem, aus dem konkret verschlossene Arbeitsmöglichkeiten abgeleitet werden können.
  • Eine Sensibilisierung gegen Quecksilber(II)-amidchlorid hat keine Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Bei Berücksichtigung der Indikatorfunktion dieser Substanz für eine Sensibilisierung gegen Quecksilberverbindungen sind die Auswirkungen geringgradig, da die gesamte Substanzgruppe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in krankheitsauslösender, nicht meidbarer Form nur geringgradig verbreitet ist.

Literatur
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  1. Becker D, Dickel H, Geier J, John SM, Leesmann H, Mahler V, Rogosky E, Skudlik C, Wagner E, Weisshaar E, Diepgen TL, für die Arbeitsgruppe "Bewertung der Allergene bei BK 5101" der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (2008) MdE-Bewertung für Quecksilber(II)-amidchlorid. [Evaluation of the reduction in earning capacity for mercury(II) amide chloride]. Dermatol Beruf Umwelt 56: 63-65

Weiterführende Artikel (1)

Thiomersal;
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