Pruritus brachioradialer L29.9

Zuletzt aktualisiert am: 20.11.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

brachioradialer Juckreiz; brachioradialer Pruritus; brachioradialer solarer Pruritus; brachioradial pruritus (e); solarer Juckreiz

Definition

Chronischer, vorwiegend an den streckseitigen Unterarmen lokalisierter, meist beidseitiger, neuropathischer Juckreiz (evtl. kombiniert mit Parästhesien).

Ätiopathogenese

Angeschuldigt werden degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule (C5-C8). 

Bei etwa 30% der Pat. wurden Nervenkompressionen durch Bandscheibenprotusionen bzw. Stenosen der Foramina nachgewiesen.

Längere UV-Expositionen kommen als zusätzlicher Triggerfaktor infrage. 

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Manifestation

Mittleres Alter bei Erstauftreten des Juckreizes 59J (12-84 Jahre); w:m=7:3; 

Lokalisation

An Extremitäten, v.a. Händen und Füßen sowie an den Streckseiten der Unterarme (und Unterschenkel) auftretend.

Klinisches Bild

Chronischer, meist bilateral auftretender (75%), sehr unangenehmer, eher stechender Juckreiz, der von den Betroffenen mit Reiben (nicht Kratzen oder Kneifen) beantwortet wird.

Häufig saisonal verstärkt, insbes. in den Sommermonaten nach längerer UV-Bestrahlung (in größeren Kollektiven bei etwa 50% der Betroffenen).

Keine sichtbaren Veränderungen der Haut (vgl. Notalgia paresthetica).

Ein diagnostisch wertvolles Zeichen ist das "ice pack sign", ein deutliche Linderung des Juckreizes unter Kälteapplikation.

Histologie

Das histologische Bild ist nicht wegweisend. Abgesehen von einer aktinischen Elastose stellt sich ein "Normalbefund" dar. Experimentell: Reduktion der intraepidermalen insbes. der Calcitonin-sensitiven Nervenfasern.

Therapie

Behandlung der verursachenden spinalen Nervenkompression.

Mäßig gute Erfolge (rund 30% der Patienten sprechen an) wurden unter Gabe von Gabapentin oder Carbamazepin berichtet (alternativ: Lamotrigin).

  • Gabapentin: Erwachsene: Aufdosierung innerhalb von 3 Tagen (Tag 1: 1mal/Tag 300 mg p.o., Tag 2: 2mal/Tag 300 mg, Tag 3: 3mal/Tag 300 mg p.o.). Alternativ: Anfangsdosierung 900 mg/Tag in 3 gleichen ED, maximale Gesamtdosis: 3600 mg.
  •  Carbamazepin: Erwachsene: Allgemeiner Tagesdosisbereich: 400-1200 mg. Gesamttagesdosis von 1600 mg i.d.R. nicht überschreiten. Therapeutischer Carbamazepin-Spiegel: erfahrungsgemäß zwischen 4 u. 12 μg/ml.

Externe Therapie

Erfolge werden mit Capsaicin-Salbe (z.B. Dolenon, Capsamol) über einen Behandlungszeitraum von mehreren Monaten erreicht. Applikation von Capsaicin ist durch Brennen, Juckreiz u.a. in den ersten Tagen unangenehm (Aufklärung des Patienten!). Besserungen lassen sich auch über lokalanästhesierende Cremes erreichen (z.B. EMLA Creme). Behandlungen mit Physiogel AI-Creme oder antipruriginösen Substanzen wie Kampher oder Menthol (z.B. Menthol-Lösung als Rezeptur oder Pruricalm als Fertigarzneimittel) können versucht werden.

Hinweis(e)

Abklärung von degenerativen Wirbelsäulenveränderungen per CT oder MRT.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Ally MS et al. (2013) The use of aprepitant in brachioradial pruritus. JAMA Dermatol 149:627-628
  2. Barry R, Rogers S (2004) Brachioradial pruritus--an enigmatic entity. Clin Exp Dermatol 29: 637-638
  3. Bernhard JD, Bordeaux JS (2005)  Medical pearl: the ice-pack sign in brachioradial pruritus. J Am Acad Dermatol 52: 1073
  4. Mirzoyev SA et al. (2013) Brachioradial pruritus: Mayo Clinic experience over the past decade. Br J Dermatol 169:1007-1015
  5. Savk E, Savk SO (2004) On brachioradial pruritus and notalgia paresthetica. J Am Acad Dermatol 50: 800-801
  6. Wallengren J, Sundler F (2005) Brachioradial pruritus is associated with a reduction in cutaneous innervation that normalizes during the symptom-free remissions. J Am Acad 52: 142-145
  7. Yosipovitch G et al. (2008) Neuropathic and psychogenic itch. Dermatologic Therapy 21: 32-41

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