Pollinose J30.12

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Heufieber; Pollenallergie

Definition

Die bei bestehender Pollenallergie durch die Inhalation von Pollen (vor allem blühende Gräser, Baumpollen, Getreide, Kräuter- und Blumenpollen) ausgelösten Krankheitserscheinungen. S.a. Allergie, Rhinitis allergica.

Vorkommen/Epidemiologie

Etwa 15-20% der deutschen Bevölkerung leiden unter Pollensensibilisierungen.

Ätiopathogenese

Bei entsprechender Sensibilisierung führt die Inhalation von Aeroallergenen zur Quervernetzung juxtaponierter IgE-Moleküle auf gewebsständigen Mastzellen mit konsekutiver Liberation präformierter ( Histamin, Serotonin) und neu generierter Mediatoren (Leukotriene, Prostaglandine, PAF). Folglich kommt es zur Zunahme der Gefäßpermeabilität mit Ausbildung eines Schleimhautödems, zur verstärkten Durchblutung durch Stimulation der Schleimdrüsen, zur Schleimsekretion. An den Bronchien entsprechende Ausbildung von Bronchospasmus, Schleimhautödem, Sezernierung eines zähen Schleimes. Die gleichzeitige Freisetzung eosinophiler und neutrophiler chemotaktischer Faktoren führt über den Einstrom von weiteren Entzündungszellen eventuell zur Ausbildung einer late phase reaction ( Late Phase Reaction) mit Perpetuation der Entzündung. Die gleichfalls von den Mastzellen freigesetzten Zytokine, insbesondere Interleukin 4, fördern die Allergisierung. Zur Auslösung klinischer Symptome genügen 10-50 Pollen/m3Atemluft.

Manifestation

Vor allem zwischen dem 2. und 3. Lebensjahrzehnt auftretend, vor allem bei der Stadtbevölkerung.

Lokalisation

Vor allem betroffen sind obere Luftwege und Bindehäute der Augen.

Klinisches Bild

  • Wenige Minuten nach Allergenkontakt entwickelt sich Niesreiz, innerhalb weniger Minuten Sekretion, parallel kommt es zur Schwellung der Nasenschleimhaut mit maximaler Intensität nach 30 Minuten. Gleichzeitig bestehent Juckreiz, Beeinträchtigung des Geruchs- und Geschmacksempfindens.
  • Fakultativ: Konjuktivitis mit Juckreiz und Rötung der Augen sowie Entwicklung eines Asthma bronchiale. Auftreten je nach Sensibilisierungsspektrum im Frühjahr bei Allergie gegen Baumpollen ( Birke, Erle, Hasel). Beschwerdesymptomatik im Frühjahr/Sommer besteht bei Gräserpollen- und Getreidepollensensibilisierung. Eine Sensibilisierung gegen Kräuterpollen (Beifuß, Nessel, Wegerich) führt zur Beschwerdesymptomatik im Spätsommer bis Herbst.
  • Die Symptomatik ist vielgestaltig:
    • Pollenrhinitis: Rhinitis allergica.
    • Pollenkonjunktivitis: allergische Konjunktivitis, starke konjunktivale Injektion.
    • Pharyngitis: Kratzendes Gefühl, evtl. petechiale Blutungen.
    • Pollenvulvitis: Juckreiz und Entzündung der Vulva nach Pollenkontakt im Vulvabereich bei Kleinkindern.
    • Enteritis, Tracheobronchitis, allergisches Pollenasthma, Sinusitis, Sinubronchitis.
    • Pollendermatitis: S.u. Atopisches Ekzem.

Diagnose

Anamnese, Vergleich mit Pollenflugkalender, Hauttestung ( Pricktest, Intrakutantest, Atopie-Patch-Test), IgE-Bestimmung, RAST, ggf. Provokationstest (s. Methacholin-Provokationstest)

Therapie

Therapie allgemein

Diät/Lebensgewohnheiten

Ratschläge für Patienten mit Pollinose:
  • Austestung der Allergie mit klarer Definition der Allergene!
  • Sportliche Aktivitäten und Spaziergänge in Wiesen und Feldern während der Blütezeit "Ihrer Allergie-Pflanze" meiden!
  • Fenster tagsüber geschlossen halten. Dies gilt auch nachts! Pollenflug setzt zwischen 3.00 und 5.00 Uhr morgens ein. In dieser Zeit ist die Pollendichte am größten!
  • Abendliches Haarewaschen, um die Pollen zu entfernen, die sich tagsüber im Haar festgesetzt haben!
  • Für Brillenträger: Regelmäßige Reinigung von Brillengläsern und Gestell!
  • Tagsüber getragene Kleidung nicht in das Schlafzimmer legen (Pollen setzen sich in Ihrer Kleidung fest!)
  • Tägliches Staubsaugen (möglichst nicht selbst) mit einem Staubsauger mit Pollen- oder Feinstaubfiltern hilft Pollen auf Teppichen und Möbeln zu entfernen!
  • Kein Verzehr von Honig, da Pollen-haltig!
  • Beim Autofahren Fenster schließen und Lüftung ausstellen!
  • Vielautofahrer sollten den Einbau einer Klimaanlage mit Pollenfilter in Erwägung ziehen!
  • Urlaub in pollenarmen "Reinluft-Gegenden" wie Hochgebirge und Küste verbringen!
  • Achten Sie auf die Pollenflughinweise (lokale Radiosender).

Hinweis(e)

Die Möglichkeit eines Etagenwechsels oder eines oralen Allergiesyndroms müssen miteinbezogen werden.

Literatur
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  1. Behrendt H (2006) Environmental factors as determinants of allergy development. MMW Fortschr Med 148: 32-33
  2. Lewis WH (1992) Pollenallergy In: Korenbladt PE, Wedner HJ (eds) Allergy, Therory and Practice. Saunders Company, p 483
  3. Marogna M et al. (2007) Long-lasting effects of sublingual immunotherapy for house dust mites in allergic rhinitis with bronchial hyperreactivity: A long-term (13-year) retrospective study in real life. Int Arch Allergy Immunol 142: 70-78
  4. Nouri-Aria KT (2004) Grass pollen immunotherapy induces mucosal and peripheral IL-10 responses and blocking IgG activity. J Immunol 172: 3252-3259
  5. Sennekamp J et al. (2002) Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und Ärzteverband Deutscher Allergologen e.v. (ÄDA) AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/013
  6. Wang DY (2002) Treatment of allergic rhinitis: H1-antihistamines and intranasal steroids. Curr Drug Targets Inflamm Allergy 1: 215-220
  7. White JF et al. (2003) Key pollen allergens in North America. Ann Allergy Asthma Immunol 91: 425-435

Disclaimer

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