Paederus-Dermatitis L24.8

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Blasenkäfer-Dermatitis; blister beetle dermatitis

Definition

Toxische, häufige blasige Dermatitis nach Hautkontakt mit Käfern der Gattung Paederus aus der Familie der Kurzflügler, ausgelöst durch das in weiblichen Käfern vorkommende Toxin Pederin.

Vorkommen/Epidemiologie

Käfer der Gattung Paederus kommen weltweit vor. Endemische Ausbrücke der toxischen Dermatitis durch diese Käfergattung wurden in der Vergangenheit in tropischen Ländern (Kenia, Naminia, Kongo, Sudan, Uganda) beobachtet, vereinzelt auch in Frankreich, der Türkey und Australien.   

Klinisches Bild

Der Käfer ist v.a. nachtaktiv und wird durch künstliches Licht nachts angezogen. Beim nächtlichen Aufenthalt im Freien treffen die Käfer auf Menschen. Sie lassen sich von Wänden oder Decken auf hell beleuchtete Hautstellen fallen. Erst das Verletzen der Käfer durch das Abstreifen oder Zerdrücken führt zu einer toxischen Dermatitis durch freiwerdende Toxine (toxische Alkaloide: Pederin, Pseudopederin) des weiblichen Käfers. Form und Art der Dermatitis wird durch den mechanischen Akt des  "Abtreifens" von der Haut geprägt (streifig). Häufig lineare Blasenbildung (Paederus sabeus auch "Blasenkäfer")  

Hinweis(e)

Weibliche Kurzflügelkäfer der Gattung Paederus beherbergen einen mit Pseudomonas aeruginosa sehr nahe verwandten Endosymbionten, der für die Synthese des zytotoxischen Toxins "Pederin" verantwortlich ist. Die Bedeutung dieses Toxins liegt für Paederus-Käfer offenbar in einer Abwehrfunktion gegenüber potentiellen Angreifer. Aufgrund einer sehr hohen tumorhemmenden und antiviralen Wirksamkeit ist Pederin auch für die medizinische Forschung interessant. Die Pederin-produzierenden symbiontischen Bakterien sind  ausschließlich in den am weiblichen Geschlechtsapparat angelegten Anhangsdrüsen und den Ausführgang nachweisbar. So wird die Dermatitis auch nur durch den weiblichen Käfer ausgelöst.

Literatur
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  6. Turan E (2014) Paederus dermatitis in Southeastern Anatolia, Turkey: a report of 57cases. Cutan Ocul Toxicol 33:228-232.

Disclaimer

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