Nickelallergie L23.0

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Nickelsensibilisierung

Definition

Allergie auf Nickelsulfat, die sich als allergisches Kontaktekzem und als hämatogenes allergisches Kontaktekzem zeigen kann. Die Nickelallergie tritt häufig als singuläre (monovalente) Kontaktallergie auf.

Vorkommen/Epidemiologie

Nickel ist bei Frauen im Epikutantest mit einer Reaktionsfrequenz von 13,7% das häufigste Allergen, bei Männern zeigen 2,6% positive Reaktionen (s.u. MOAHLFA-Index). Nickel wird in der Legierung von Metallen verwendet und kann in allen metallenen Gegenständen, sofern es sich nicht um reine Edelmetalle handelt, enthalten sein, wie z.B. in Modeschmuck, Uhren, Brillengestellen, Jeansknöpfen, Reißverschlüssen. Auch Edelmetallen kann Nickel beigemengt sein. Zahnprothesen enthalten ebenso wie Gelenkprothesen, medizinische Klammern und Nägel u.a. auch Nickel.

In der Kosmetikindustrie wird Nickel in Gesichts- und Rasierwasser und Haarpflegemitteln verwendet. In der Waschmittelindustrie werden nickelhaltige Katalysatoren benötigt. Auch 1- und 2-Euro-Münzen sind nickelhaltig. Außerdem kommt Nickel in Konservendosen, Staniolpapier und Flaschenverschlüssen vor und löst sich auch in der so verpackten Nahrung.

Einen besonders hohen Nickelgehalt weisen die Nahrungsmittel Hafer, Mais, Soja, Kakao, Schokolade und Tee (1-13 µg/g) auf. Fleisch, Milchprodukte, Weißbrot, Kartoffeln, Öl (< 1 µg/g) sind hingegen nickelarm.

Ätiopathogenese

Allergie gegen Nickel, das u.a. in Modeschmuck (z.B. Piercing), Hosenknöpfen, Büstenhaltern, Reißverschlüssen, Strumpfhaltern, Korsetts, Schuhschnallen und in geringen Mengen in Nahrungsmitteln enthalten ist.

Cave! Ggf. Manifestation als Berufskrankheit der Haut (evtl. bei Friseuren, Metallarbeitern, häufigem Kontakt mit Münzen).

Genetik:  Noch wenig erforscht ist der Zusammenhang zwischen Nickel-Sensibilisierung und genetischen Faktoren (s.u. Polymorphismus). So ist die Konkordanz bei Monozygoten stärker ausgeprägt als bei Dizygoten.

Bei Nickel-Kontaktsensibilisierten scheint der Anteil an Filaggrin-Mutationen höher zu sein als bei anderen Kontaktsensibilisierten.

Bemerkenswert ist, dass Nickel bei dem Prozess der Kontaktsensibilisierung auch direkt von T-Zellen erkannt (auch MHC-unabhängig) wird. Es konnte  gezeigt werden, dass Nickel über eine Interaktion mit dem Toll-like-Rezeptor 4 (TLR4) das angeborene Immunsystem aktiviert, wodurch der Prozess der Kontaktsensibilisierung initiiert wird.

Mundschleimhaut: Interessant ist eine Beobachtung bei Trägern Nickel-haltiger Zahnspangen. Bei diesem Klientel werden Nickelsensibilisierungen trotz intensiver Kontaktsituation im Schleimhautbereich seltener nachgewiesen als bei einem vergleichbaren Kollektiv. Offenbar wirkt eine Zahnspange wie eine sublinguale Immuntherapie!   

Klinisches Bild

  • Bild des kontaktallergischen Ekzems.
  • In seltenen Fällen kann ein systemisches Nickelallergiesyndrom  (SNAS) vorliegen mit dem Auftreten von gastro-intestinalen Beschwerden nach Genuß Nickel-haltiger Nahrungsmittel (Pföhler 2016). Bemerkung: in allergologischen Sprechstunden werden derartige Probleme häufiger beklagt (f>m), ohne dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den beklagten Symptomen und dem diagnostischen Resultat hergestellt werden kann. Häufig wird auch eine Amalgam-Allergie angeschuldigt.  

 

 

Diagnose

Epikutantest, Provokationstest mit nickelhaltigen Kapseln (2,5-5 mg), Eliminationsdiät.

Komplikation

Lokale oder systemische Reaktionen nach Implantation von nickelhaltigem Osteosynthesematerial (s.u. Implantunverträglichkeit).

Therapie

Tabellen

Nickelarme Diät (nach Bresser)

Gegessen werden dürfen

Vermieden werden sollten

Fleisch, Fisch, usw.

Alle Fleischsorten, Geflügel, Fisch, Eier, tiefgefrorener Fisch

Größere Mengen Innereien, Heringe, Shrimps, Muscheln, Fischkonserven, u.a. Meeresfrüchte

Milchprodukte

Alle Milchprodukte wie Butter, Käse, Milch (in jeder Form), Joghurt

Größere Mengen Edamerkäse, strikt zu meiden ist Sojamilch

Gemüse

Rote Beete, Brokkoli, Rosenkohl, Weißkohl, Chinakohl, Dill, Pilze, Pfeffer (rot, grün), Gurken, Kartoffeln, Petersilie, Aubergine, Spargel

Sojaprodukte, Spinat, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen grün/weiß/braun, Linsen), Grünkohl, Lauch, Bohnensprossen, Kopfsalat

Getreide und Getreideprodukte

Alle Frühstücksfertigprodukte aus Cornflakes, Popkorn, weißer Reis, Spaghetti, Makkaroni, Weißmehlprodukte, Vollkornprodukte in geringeren Mengen

Haferflocken und andere Haferprodukte, Buchweizen, Hirse, Weizenkleie und andere Kleie- und faserreiche Lebensmittel wie z.B. Kleiebisquits, Weizenkleietabletten, Mehrkornbrote

Früchte und Beeren

Alle Beeren (außer Himbeeren), Pfirsiche, Birnen, Rosinen, Rhabarber

Feigen, Ananas, Himbeeren, Backpflaumen, Obstkonserven

Getränke

Kaffee und Tee (kurz ziehen lassen, nicht in größeren Mengen), Limonade, alkoholische Getränke (außer Wein und Bier)

Schokolade- und kakaohaltige Getränke, Tee aus Automaten

Verschiedenes

Margarine, Hefe

Schokolade, Marzipan, Kakao, Mandeln, Haselnüsse, Erdnüsse, Leinsamen, Soja und Sojaprodukte, Lakritze, Sonnenblumenkerne, Backpulver, Dosennahrung

Nickelarme Nahrungsmittel, die die Ekzeme verschlimmern können (gekocht werden sie oft toleriert)

Bier, Wein (v.a. Rotwein), Heringe, Makrelen, Thunfisch, Tomaten, Zwiebeln, Karotten, viele Früchte (Äpfel, Zitrusfrüchte)

Diät/Lebensgewohnheiten

Eine nickelarme Diät kommt nur in sehr schweren und hartnäckigen Fällen einer Nickelallergie in Betracht. Dauerhaft sollte sie nur dann durchgeführt werden, wenn nach einer nickelfreien Ernährungsphase von ca. 4 Wochen eine deutliche Besserung des Hautbefundes eingetreten ist und es bei einer anschließenden nickelreichen Ernährung oder einer Provokationstestung mit Nickel zu einer Verschlimmerung gekommen ist. Eine nickelarme Diät wird sich nie vollständig verwirklichen lassen. Etwa 10% des mit der Nahrung verzehrten Nickels werden in das Blut aufgenommen und später vorwiegend über Urin und Schweiß ausgeschieden. Bevor eine nickelarme Diät angeregt wird, sollten alle metallhaltigen Gebrauchsgegenstände (z.B. Töpfe, Pfannen, Besteck etc.) gemieden werden. Bringt diese Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg und liegt ansonsten keine Ursache für die Beschwerden des Patienten vor, so ist eine Diät in Erwägung zu ziehen (s. Tab. 1).

Hinweis(e)

Laut Verordnung der Gesundheits- und Verbraucherschutzbehörde aus dem Jahr 2000 dürfen nickelhaltige Gegenstände, die mehr Nickelionen als 0,5 µg/cm2/Woche freisetzen, nicht mehr verkauft werden. Diese Maßnahme hat bereits zu einem deutlichen Rückgang der Nickelallergien in der Bevölkerung geführt.

Ein Nachweis zwischen Nickelsensibilisierung und dyshidrotischem Ekzem wurde in einer Fall-Kontroll-Studie nachgewiesen.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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