Nahrungsmittelunverträglichkeit T78.19

Synonym(e)

NMU

Definition

Dosisabhängige, nicht-immunologische Intoleranzreaktion auf verschiedene Nahrungsmittelbestandteile mit unterschiedlicher Symptomatik. Klinische Symptome sind bereits bei Erstkontakt mit dem Auslöser möglich.

Vorkommen/Epidemiologie

Die Spannweite der Prävalenz von Nahrungsmittelunverträglichkeitsreaktionen unterschiedlicher Pathogenese, die aufgrund von Eigenangaben in Einzelstudien ermittelt wurde, reicht von 2,1% für Kinder in Frankreich bis zu 35% bei Berliner Erwachsenen. Frauen geben dabei häufiger Nahrungsmittelunverträglichkeitsreaktionen an.

Ätiopathogenese

Ursächlich sind häufig Intoleranzen auf biogene Amine (s.a. Histamin-Intoleranz), z.B. nach Genuss von Fischen (z.B. Thunfisch, Makrele), bestimmten Käsesorten (z.B. Cheddar), Bier, Wein sowie Erkrankungen wie Lactose-Intoleranz (durch Mangel an dem Enzym Lactase), Fructose-Intoleranz, die Muttermilch- oder Kuhmilch-assoziierte Proktokolitis und die Protein-induzierte Enterokolitis (food protein-induced enterocolitis syndrome [FPIES]), die durch Soja- oder Kuhmilchprodukte (s.u. Kuhmilchallergie) ausgelöst wird.

Klinisches Bild

Intoleranzreaktionen treten gewöhnlich 30 Min. bis 3 Std. nach Zufuhr eines Agens auf (Latenzzeiten bis 24 Std. sind möglich). Im Vordergrund der klinischen Symptomatik stehen Typ I analoge Symptome, insbes. Urtikaria, Angioödem, Hautrötungen, Kopfschmerzen, bronchiale Symptome. S.a.u. Scombroid-Vergiftung. Atopische und dyshidrotische Ekzeme können sich verschlechtern. In nachfolgender Refraktärzeit (ca. 72 Std.) werden die Stoffe kurzfristig wieder vertragen. Relativ häufig ist auch eine Salicylatintoleranz oder Sulfit-Überempfindlichkeit.

Diagnose

Diagnostisch wichtig ist die Eruierung der auslösenden Substanz durch spezifische, genaue Anamnese, ggf. Protokollführung bei Rezidiven. Austestung mit diagnostischer Diät (s. Tabelle 2 Nahrungsmittelallergie) unter stationären Bedingungen: Allergenfreie Diät (Kartoffel-Reis-Diät), Austesten der Farbstoffe und Konservierungsstoffe (s. Tabelle 3 Nahrungsmittelallergie) per Kapsel, danach mit Originalnahrungsmittel provozieren (Notfallbereitschaft!). Patienten müssen bei Austestung erscheinungsfrei sein und ausreichend zeitlichen Abstand zur Einnahme immunmodulierender Medikation aufweisen ( systemische Glukokortikoide: 3 Tage, systemische Antihistaminika: 5 Tage).

Therapie

Hinweis(e)

Der Begriff "Nahrungsmittelunverträglichkeiten" wird z.T.auch übergreifend definiert, als "alle krankhafte Erscheinungen, die verbunden mit der Aufnahme von Lebensmitteln, Gewürzen und Nahrungsmittelzusatzstoffen" auftreten. Aus dieser Defintion resultiert folgende Einteilung:

Nicht toxische Reaktion:

  • Immunologisch bedingt:
    • IgE-Vermittelt (Nahrungsmittelallergie)
    • nicht IgE-vermittelt (z.B. Zöliakie).
  • Nicht Immunologisch bedingt (Nahrungsmittelintoleranz):

Toxische Reaktion (z.B. Histaminvergiftung, bakterielle Kontamination).

Literatur
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Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017