Nahrungsmittelallergie T78.1

Zuletzt aktualisiert am: 02.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Additiva Nahrungsmitteladditiva; Allergie auf Nahrungsmittel; Birkenpollen-Nuss-Kernobst-Syndrom; food allergy; gastrointestinale Allergie; Nahrungsmitteladditiva; Nahrungsmittel-Allergie; Nahrungsmittelallergie primäre; Nahrungsmittelallergie sekundäre; NMA; Trophallergie

Definition

Häufig auftretende, entzündliche, IgE-vermittelte oder IgE-unabhängige, lokale (gastrointestinale) oder systemische Reaktion (z.B. Urtikaria, Angioödem, Asthma, Rhinitis u.a.) auf Nahrungsmittel selbst oder Nahrungsmittelzusätze.

Hierzu im Gegensatz stehen die nicht-immunologischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (NMU), die Intoleranzen im engeren Sinne (z.B. Laktoseintoleranz, pseudoallergische Reaktionen auf Salicylate, toxische oder infektiöse Ursachen, biogene Amine) oder Nahrungsmittelintoxikationen.

Nicht selten treten Nahrungsmittelallergien nur beim Zusammentreffen mit mehreren Ko-Faktoren auf:

Einteilung

Nahrungsmittelallergien (NMA) können  nach pathogenetischen Gesichtspunkten in 4 Gruppen und einige Subgruppen eingeteilt werden (s.a.Nahrungsmittelallergene):

  • IgE-vermittelte NMA
    • NMA Typ A
    • NMA Typ B
    • NMA Typ C
  • Immunkomplex-bedingte NMA
  • Zytotoxische NMA
  • T-Zell-vermittelte NMA.

Die IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien werden nach Pichler in 3 Typen untergliedert:

  • Typ A (etwa 5-10% der Pat.): Im Säuglingsalter auftretend. Die Sensibilisierung erfolgt über den Gastrointestinaltrakt mit relativ stabilen Allergenen. Proteine aus Milch (s.u. Kuhmilchallergie), Ei, Fisch, Erdnuss, Haselnuss und Soja stellen die wichtigsten Allergene dar. Mit Reifung der oralen Toleranz bildet sich die Allergie (bei etwa 80% der Pat.) wieder zurück.
  • Typ B - oder auch sekundäre Nahrungsmittelallergie (etwa 75%): Bei Jugendlichen und Erwachsenen auftretend. Sie ist in Mitteleuropa die häufigste Allergieform. Die Sensibilisierung erfolgt über den Respirationstrakt (gastrointestinale Toleranz ist in diesem Alter bereits stabiler!). Aerogene Allergene lösen die Bildung von IgE aus (z.B. Pollen, Latex), die mit ähnlichen Proteinen in den Nahrungsmitteln kreuzreagieren. Die Patienten weisen meist nur milde Beschwerden auf, z.B. ein orales Allergiesyndrom (s.u. Allergie-Syndrom, orales = OAS).
  • Typ C - auch primäre Nahrungsmittelallergie (etwa 15% der Pat.): In erster Linie bei "nicht-atopischen" erwachsenen Frauen, die weder in der Kindheit an NMA litten, noch später respiratorisch sensibilisiert wurden. Die Sensibilisierung erfolgt im GI-Trakt gegen relativ verdauungsstabile Proteine (z.B. Hühnerfleisch, Krustentiere (s.u. Krustentierallergie), Fisch (s.u. Fischallergie), Ei (s.u. Hühnerei), Milch (s.u. Kuhmilch) und versch. Fleischsorten (s. Fleischallergie) sowie pflanzliche Allergene wie Erdnuss, Kiwi, Feige, Karotte und Curry).

Vorkommen/Epidemiologie

Die Angaben zu Inzidenzen schwanken je nach Quelle erheblich. Die subjektiv empfundenen Nahrungsmittelintoleranz liegt bei 20-30%.   

In Metaanalysen werden folgende Inzidenz-Zahlen von immunologisch vermittelten Nahrungsmittelllergien genannt:

  • 4,2% der Kinder (relevante Allergene: Hühnereiweiss, Milcheiweiss, Soja, Weizen und in den letzten Jahren ansteigend die Erdnuss; die Häufigkeit der Erdnussallergie hat sich in den letzten Jahrezehnten verdreifacht)
  • 3,7% der Erwachsenen  (relevante Allergene: Weizen, Sellerie, Karotte, Nüsse, Kern- und Steinobst, Krusten- und Schalentiere).

 

Manifestation

Personen mit Nahrungsmittelallergien finden sich häufiger unter der Stadtbevölkerung und sind häufiger weiblichen Geschlechts.

Klinisches Bild

Häufig zeigen sich Hautmanifestationen (50% der Fälle), evtl. kombiniert mit allergischen Symptomen des Gastrointestinaltrakts und der Atemwege (ca. 20% der Fälle). Kardiovaskuläre Symptome stellen sich bei 10 -15% der Betroffenen ein.

Nach Nahrungsaufnahme werden am häufigsten Dysästhesien der Zunge berichtet (35% der Fälle), gefolgt von gastrointestinalen Beschwerden (24%), Erythem oder Pruritus (18%), Urtikaria (15%), Rhinokonjunktivitis (12%), Dyspnoe (9%), Ekzemen (6%), Kopfschmerzen (5%) und Anaphylaxie (0,3%).

Soforttypreaktionen durch Nahrungsmittel (nach Werfel):

  • Mukokutane Symptome (am häufigsten):
  • Augen:
    • Juckreiz
    • Rötung
    • Tränenfluss
    • periorbitales Ödem
  • Gastrointestinale Symptome:
    • Nausea
    • Erbrechen
    • Diarrhoe
  • Respiratorische Symptome:
    • Nasale Kongestion
    • Schupfen
    • Larynxödem
    • Heiserkeit 
    • Asthma bronchiale allergicum
  • Anaphylaktische Kreislaufreaktion.

Symptome bei verzögerter Reaktion oder chronischer Exposition (var. n. Worm)

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerz
  • Gastroösophagealer Reflux
  • Inappetenz
  • Diarrhö
  • Blut im Stuhl
  • Gedeihstörungen
  • Nahrungsproteininduziertes Enterokolitis-Syndrom bei Säuglingen und Kleinkindern  (FPIES)
  • Nahrungsproteininduzierte Enteropathie bei Säuglingen, Kleinkindern u. Erwachsenen

Diagnose

Eruierung der auslösenden Substanz durch spezifische, genaue Anamnese und ggf. Protokollführung.

Prick- und Scratch-Test der verdächtigen Nahrungsmittel mit Fertigpräparaten oder nativ (s.a. Prick-zu-Pricktest; Atopie-Patch-Test).

Prick-Block-Testung erfolgt, wenn kein gezielter Hinweis für mögliche eine Sensibilisierung bei V.a. Nahrungsmittelallergie besteht. Getestet werden Apfel, Baumnüsse, Erdnuss, Fische (Kabeljau), Hühnerei, Karotte, Krustentiere (Shrimps; nur bei Erwachsenen empfohlen), Milch, Sellerie, Sesam, Soja, Weizen.

Bestimmung des spezifischen IgE im Blut mit CAP-System oder RAST. Hier werden neben dem Suchtest, die Einzellallergene getestet.

Epikutantestungen mit nativen Nahrungsmitteln bei Säuglingen haben eine hohe Spezifität und Sensitivität, sind bei Erwachsenen jedoch bis jetzt kein Routinetest.

Austestung mittels gezieltem oralem Provokationstest (Goldstandard: doppelblinde, placebokontrollierte orale Nahrungsmittelprovokation)

Gfls. unter stationären Bedingungen:

  • Oligo-allergene Diät (z.B. Kartoffel-Reis Diät bei Erwachsenen, extensiv hydrolysierte Eiweißpräparate bei Säuglingen).
  • Eliminationsdiät (gezieltes Weglassen verdächtiger Nahrungsmittel), mindestens über 7 Tage. Bei Besserung orale Provokation anschließen.

Austesten der Farbstoffe und Konservierungsstoffe zunächst per Kapsel und danach unter Notfallbereitschaft mittels Provokationstestung durch die Originalnahrungsmittel.

Kontraindikation der Provokationstestung:  lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen in der Anamnese. Patienten sollten während der Provokation keine ß-Blocker oder ACE-Hemmer einnehmen.

Allg. Hinweise: Im Kindesalter sind die Ergebnisse jeweils nur 12 Monate gültig, danach erneute Testung. Patienten müssen bei Austestung erscheinungsfrei sein und ausreichend zeitlichen Abstand zur Einnahme immunmodulierender Medikation aufweisen: bei systemischen Glukokortikoiden 3-5 Tage bzw. bei systemischen Antihistaminika 5 Tage.

 

Differentialdiagnose

  • Pseudoallergische Reaktionen (Additiva, Histamin-Intoleranz)
  • Stoffwechselkrankheiten (Enzymmangel [z.B. Laktose-Intoleranz])
  • Intoxikationen (bakterielle oder sonstige Toxine z.B. Phytoplankton [s.u. Krustentierallergie])
  • Projektion, Aversion (häufigste Differenzialdiagnosen).

Komplikation

Nahrungsmittelallergien manifestieren sich zum Teil erst bei Anstrengung, bzw. exazerbieren unter Anstrengung (s.a.u. Anstrengungsurtikaria). Die Anamnese gestaltet sich in solchen Fällen schwierig, da bis 6 Stunden zuvor eingenommene Nahrungsmittel für die allergische Reaktion verantwortlich sein können.

Therapie

Therapie allgemein

Externe Therapie

Interne Therapie

Verlauf/Prognose

  • Daten zum Verlauf zeigen, dass die frühkindliche Milcheiweißallergie eine gute Prognose im Sinne einer spontanen Toleranzentwicklung hat. Dieser natürliche Verlauf wird auch bei anderen Allergenen beobachtet. Er ist stark von Nahrungsmittelquelle abhängig. Neben der Kuhmilchallergie neigen Allergien gegen Hühnerei, Weizen und Soja zu einer Spontanremission in den ersten Lebensjahren.    
  • Erdnuss- und Baumnuss-, Fisch- und Krebstierallergien persistieren bis ins Erwachsenenalter.
  • Hohe spezifische IgE-Spiegel korrelieren häufig mit einer klinischen Relevanz und neigen selten zu einer Toleranzentwicklung.
  • IgE-Antikörper gegen Nahrungsmittelallergene können im Verlauf ansteigen oder abfallen. Der Abfall ist häufig mit einer Toleranzentwicklung verbunden.
  • Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter können eine Persistenz einer kindlichen Form darstellen oder eine De-novo-Entwicklung sein. 
  • Zu präventiven Maßnahmen s.u. Allergieprävention.

Prophylaxe

  • Lebenslanges Meiden der auslösenden Substanz. Die gezielte Eliminationsdiät ist bei gesicherter Nahrungsmittelallergie die einzige Intervention, deren Effekt erwiesenermaßen effektiv ist. In manchen Fällen wird nach mehrmonatiger Karenz das Nahrungsmittel zwar wieder toleriert, bei Typ I-Reaktionen sind erneute Provokationen jedoch immer mit einem Risiko verbunden. Die Erdnuss (i.d.R. lebenslängliches Allergen) ist die häufigste Ursache für schwer wiegende bis tödliche anaphylaktische Reaktionen. Auch Fischallergene besitzen eine ausgeprägte Allergenität (aerogene Übertragung!).
  • Obstsensibilisierungen sind häufig mit Pollenallergien gekoppelt. Eine spezifische Immuntherapie gegen Pollenallergene geht in der Mehrzahl der Fälle mit einer Verbesserung der Nahrungsmittelverträglichkeit einher. Spezifische Immuntherapien direkt mit Nahrungsmitteln (z.B. Erdnüsse, Haselnüsse) sind bislang nebenwirkungsreich und müssen in kontrollierten Langzeitstudien erst noch weiter untersucht werden.
  • Merke! In der gesetzlichen Richtlinie (Richtlinie 2003/89/EG zur Änderung der Richtlinie 2000/13/EG vom 25.11.2003 und der Aktualisierung vom 22.12.2006) sind deklarationspflichtige allergene Lebensmittel festgelegt.

  • Deklarationspflicht besteht für Eier, Erdnuss, Fisch, Krebstiere, Lupine, Milch (einschl. Laktose), Schalenfrüchte (Haselnuss, Mandel, u.a.), Mollusken (Muscheln, Tintenfisch), Sellerie, Senf, Sesamsamen, Soja, Schwefeldioxid und Sulfit ab 10 mg/kg, Nahrungsmittel, glutenhaltiges Getreide.
  • Statt der bisher üblichen Klassennamen (z.B. pflanzliches Öl, Früchte, Gewürze, Gemüse oder natürliche Aromastoffe) müssen die Einzelbestandteile zukünftig aufgelistet werden, wenn die Lebensmittelklasse mehr als 2% des Produktes ausmacht oder wenn sie Bestandteile aus der o.g. Liste enthält. Für lose, unverpackte Produkte gelten diese Bestimmungen jedoch nicht.
  • Durch Erhitzen können einige Allergene ausgeschaltet werden. Allergene tierischen Ursprungs sind eher thermostabil, pflanzliche Allergene eher thermolabil.
  • Patienten mit anaphylaktischen Reaktionen mit Atemwegs- und Kreislaufbeteiligung, solche mit klar definiertem nicht ganz zu meidendem Auslöser und solche mit stark erhöhter Gefahr zur Entwicklung einer Anaphylaxie (z.B. Erwachsene mit Mastozytose, Kinder mit hoher Erdnuss-Sensibilisierung) sollten sicherheitshalber ein Notfall-Set bei sich führen, das ein Antihistaminikum (z.B. Fenistil Tropfen), ein systemisches Glukokortikoid (z.B. Celestamine 0,5 liquidum) und einen Adrenalinautoinjektor enthält.

Tabellen

Häufige Nahrungsmittelallergene in Deutschland

 

Anteil (%)

Auftreten anaphylaktischer Reaktionen

Früchte

32

+

Gemüse

15

(+)

Milch

11

++

Nüsse  und Erdnüsse

8

+++

Ei

7

++

Fisch/Schalentier

7

++

Alkoholische Getränke

6

(+)

Weizen

5

(+)

Fleisch

4

(+)

 

 

 

Lebensmittel-Zusatzstoffe und ihre E-Nummern (Nahrungsmittelallergie)

 

 

Farbstoffe

EWG-Nummer

Konservierungsmittel

EWG-Nummer

Lactoflavin (Riboflavin)

E 101

Sorbinsäure

E 200

Beta-Carotin

E 160a

Natriumsorbat

E 201

Zuckerkulör

E 150

Kaliumsorbat

E 202

Silber

E 174

Kalziumsorbat

E 203

Gold

E 175

Benzoesäure

E 210

Kurkumin

E 100

Natriumbenzoat

E 211

Tartrazin

E 102

Kaliumbenzoat

E 212

Chinolingelb

E 104

Kalziumbenzoat

E 213

Riboflavin-5-phoshat

E 106

para-Hydroxibenzoesäure-äthylester (PHB-Ethylester)

E 214

Gelborange S

E 110

Natriumsalz von PHB-Ethylester (E 214)

E 215

Echtes Karmin (Karminsäure, Cochenille)

E 120

para-Hydroxibenzoesäure-n-propylester

E 216

para-Hydroxibenzoesäure-n-propylester-Natriumverbindung

E 217

Azorubin

E 122

para-Hydroxibenzoesäure- methylester

E 218

Amaranth

E 123

para-Hydroxibenzoesäure-methylester-Natriumverbindung

E 219

Cochenillerot A (Ponceau 4 R)

E 124

Schwefeldioxid, schwefelige Säure

E 220

Erythrosin

E 127

Natriumsulfit

E 221

Patentblau V

E 131

Indigotin I (Indigo-Karmin)

E 132

Natriumhydrogensulfit

E 222

Chlorophylle

E 140

Kupferhaltige Komplexe der Chlorophylle und Chlorophylline

E 141

 

 

Brillantsäuregrün BS (Lisamingrün)

E 142

 

 

Antioxidantien

EWG-Nummer

Trägerstoffe

EWG-Nummer

Brillantschwarz BN

E 151

Natriumbisulfit

E 222

Carbo medicinalis vegetabilis

E 153

Natriumdisulfit (Natriumpyrosulfit oder Natriummetabisulfit)

E 223

Carotin, Alpha-Carotin, Gamma-Carotin

E 160a

Kaliumdisulfit (Kaliumpyrosulfit oder Kaliummetabisulfit)

E 224

Bixin, Norbixin (Annatto, Orlean)

E 160b

Kalziumsulfit

E 226

Capsanthin, Capsorubin

E 160c

Kalziumhydrogensulfit

E 227

Lycopin

E 160d

Ameisensäure

E 236

Beta-Apo-8-Carotenal

E 160e

Natriumformiat

E 237

Beta-Apo-8-Caroten-säureäthylester

E 160f

Kalziumformiat

E 238

Propionsäure

E 280

Xanthophylle

E 161

Natriumpropionat

E 281

Flavoxanthin

E 161a

Kalziumpropionat

E 282

Lutein

E 161b

Kaliumpropionat

E 283

Kryptoxanthin

E 161c

Biphenyl (Diphenyl)

E 230

Rubixanthin

E 161d

Orthophenylphenol oder Natrium-orthophenylphenolat

E 231

Violaxanthin

E 161e

Rhodoxanthin

E 161f

Thiabendazol

E 232

Canthaxanthin

E 161g

2-(4-Thiazolyl)-Benzimidazol

E 233

Beetenrot, Betanin

E 162

 

 

Anthocyane

E 163

   

Aluminium

E 173

   

Kalziumkarbonat

E 170

   

Titandioxid

E 171

   

Eisenoxide und -Hydroxide

E 172

   

Propylgallat

E 310

 

 

Octylgallat

E 311

Ammoniumalginat

E 403

Dodecylgallat

E 312

Kaliumalginat

E 402

Butylhydroxianisol (BHA)

E 320

Natriumalginat

E 401

Butylhydroxituluol (BHT)

E 321

Bienenwachs

-

Ascorbate (Salze der L-Ascorbinsäure)

E 300

Glyzerin

E 422

Natriumkarbonat

-

Natrium-L-ascorbat

E 301

Natriumhydrogenkarbonat

-

Kalium-L-ascorbat

-

Natriumsulfat

-

Kalzium-L-ascorbat

E 302

Pektine

E 440

Zitrate (Salze der Zitronensäure)

 

Sorbit

E 420

Zitronensäure

E 330

Hartparaffin

-

Natriumzitrate

E 331

Magnesiumstearat

-

Kaliumzitrate

E 332

Äthylcellulose

-

Kalziumzitrate

E 333

Benzylalkohol

-

Laktate (Salze der Milchsäure)

 

Kolophonium

-

Milchsäure

E 270

Kopal

-

Natriumlaktat

E 325

Milchsäure-Äthylester

-

Kaliumlaktat

E 326

Schellack

-

Kalziumlaktat

E 327

6-Palmitoyl-L-Ascorbinsäure

E 304

Lecithine

E 322

Carrageen

E 407

Mono- und Diglyzeride von Speisefettsäuren, verestert mit Zitronensäure

E 472c

Guar (Guarkernmehl)

E 412

Orthophosphate (Salze der Orthophosphorsäure)

 

Tragacanth (Traganth; Tragacanth gum)

E 413

Natriumorthophosphate

E 339

Gummi arabicum

E 414

Kaliumorthophosphate

E 340

 

 

Kalziumorthophosphate

E 341

 

 

6-Palmitoyl-L-ascorbinsäure

E 304

 

 

Tartrate (Salze der L (+) Weinsäure

E 334

Unbeabsichtigte Inhaltsstoffe

 

Natriumtartrate

E 335

Reinigungs- und Desinfektionsmittel

 

Kaliumtartrate

E 336

Formalin, Chloramin, p-Chlorbenzoesäure

 

Kalium-Natriumtartrate

E 337

Reinigungs- und Desinfektionsmittel

 

Tocopherole

 

Dichlorophen, Hexachlorophen, quarternäre

 

gamma-Tocopherol,
synthetisches

E 303

Ammoniumverbindungen, Jodophore

 

delta-Tocopherol,
synthetisches

E 309

 

 

Tocopherolacetat

-

   

stark tocopherolhaltige Extrakte natürlichen Ursprungs

E 306

 

 

alpha-Tocopherol, synthetisches

E 307

   

beta-Tocopherol, synthetisches

-

   

 

 

 

 

 

 

Inhalationsallergen

Nahrungsmittelallergen

Vorkommen

Baumpollen

Apfel, Haselnuss, Karotte, Kartoffel, Kirsche, Kiwi, Nektarine, Pfirsich, Sellerie, Soja

Häufig

Beifusspollen

Gewürze, Karotte, Litschi, Mango, Sellerie, Sonnenblumensamen, Weintraube

Häufig

Naturlatex

Ananas, Avocado, Banane, Kartoffel, Kiwi, Tomate

Häufig

Ficus benjamina

Feige

Selten

Gräser- und Getreidepollen

Mehle, Kleie, Tomate, Hülsenfrüchte

Selten

Hausstaubmilbe

Krusten- und Weichtiere

Selten

Platane/Pfirsich

Aprikose, Pflaume, Apfel, Salat

Selten

Tierepidermis

Kuhmilch, Fleisch, Innereien

Selten

Traubenkrautpollen (Ragweedpollen, Ambrosia)

Melone, Zucchini, Gurke, Banane

Selten

Vogelallergen

Ei, Geflügelfleisch, Innereien

Selten

 

 

 

Thermolabilität von Nahrungsmitteln

 

 

 

hitzestabil

bedingt hitzestabil

hitzelabil

Pflanzliche Allergene

Erdnuss, Sellerie, Tomate, Gewürze (Mehrzahl)

Soja, Getreide, Kartoffeln, Sonnenblumensamen, Mohn

Karotte, Aubergine, Äpfel, Pfirsich, Aprikose, Pflaume, Erdbeere, Banane

Tierische Allergene

Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Krebstiere

 

Rindfleisch, Schweinefleisch, Lamm, Wild

 

Diät/Lebensgewohnheiten

Eine späte und langsame Gabe von Beikost trägt bei Kindern mit erhöhtem Allergierisiko wesentlich zur Allergieprävention bei. Empfohlen wird bei dieser Riskogruppe eine 6-monatige Stillzeit.

Hinweis(e)

Merke! Grundsätzlich besitzen nahezu alle Nahrungsmittel allergene Potenz. Die Aufnahme erfolgt oral, über direkten Hautkontakt, Schleimhautkontakt oder inhalativ. Ethnische, ernährungstechnische und topographische Besonderheiten spielen ebenso eine Rolle, z.B. häufige Fischallergien bei Küstenbewohnern oder das Auftreten von Kiwi- und Mangoallergien in den letzten 20 Jahren in Europa (vorher unbekannt!). Die Nahrungsmittelallergien variieren entsprechend der Ernährungsgewohnheiten in den unterschiedlichen Ländern.

In den USA stehen z.B. Hühnerei und Erdnuss an erster Stelle, in Frankreich Fisch.  

In mediterranen Ländern sind Sensibilisierungen gegen nicht spezifische Lipixdtransferprotene (nsLTPs) bekannt und rufen dort nach Genuss und Früchten schwere allergische Symptome hervor. Führendes nsLTP ist das Pfirsisch-LTP Pru p 3, das insofern auch als Marker für schwere Nahrungmittelallergien empfohlen wird. Inzwischen wird auch in Mitteleuropa eine zunehmende Sensibilisierungsrate gegen Pri p 3 nachgewiesen!   

Die häufigen Apfelsensibilisierungen zeigen i.d.R. eine rein orale Symptomatik. Als allergenisch besonders bedeutend erweisen sich die Sorten Braeburn, Cox Orange, Golden Delicious, Granny Smith, Jonagold. Geringer sensibilisierend wirken Boskop oder Jamba-Äpfel.

Fallbericht(e)

  • 55-jährige Patientin mit seit 5 Jahren bestehender allergischer Rhinokonjunktivitis während der Frühjahrsmonate. Nachgewiesene Sensibilisierung auf Birken-, Erlen- und Haselpollen (s.u. Baumpollen). Eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierungstherapie) mit Baumpollen die über 4 Jahre durchgeführt wurde, führte zu einer vollständigen Besserung der klinischen Symptomatik.
  • Neuerdings beim Essen von Haselnüssen Juckreiz der Mundschleimhaut. Testung: Pricktest mit einem kommerziellen Haselnussextrakt und Prick-zu-Pricktest mit rohen Haselnüssen positiv. Nachweis von spezifischem IgE auf Haselnuss ( RAST-Klasse 3).
  • Doppelblinde Plazebo-kontrollierte Provokation mit Haselnuss: Bei Einnahme eines haselnusshaltigen Puddings Prickeln mit Anschwellung der Lippen und Zunge. 4 Stunden später starke, 24 Stunden persistierende Rhinokonjunktivitis.
  • Dg.: Orales Allergiesyndrom auf Haselnuss.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bender A, Matthes D (1981) Adverse reactions to food. Br J Nutr 46: 403-407
  2. Beyer K (2008) Spezifische Immuntherapie bei Nahrungsmittelallergien. Allergo J 17: 237-240
  3. Brockow K, Ring J (2008) Nahrungsmittel als Auslöser einer Anaphylaxie. Allergologie 31: 286-292
  4. Gühring H (1991) Allergie und Ernährung. Dt Dermatol 39: 1544-1550
  5. Henzgen M et al. (1994) Der Einfluss der Hyposensibilisierung bei Baumpollenallergie auf assoziierte Nahrungsmittelunverträglichkeiten - Teil I. Allergologie 17: 50-54
  6. Henzgen M, Ballmer-Weber B, Erdmann S, Fuchs T, Kleine-Tebbe J, Lepp U, Niggemann B, Raithel M, Reese I, Saloga J, Vieths S, Zuberbier T, Werfel T (2008) Hauttestungen mit Nahrungsmittelallergenen. Allergologie 31: 274-280
  7. Jappe, U (2011) Nahrungsmittelallergie: Klinik, Diagnostik und Therapie. Akt Dermatol 37: 218-230
  8. Lepp U et al. (2010) Therapiemöglichkeiten bei der IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie. Allergo J 19:187-195
  9. Marenholz I et al. (2017) Genome-wide association study identifies the SERPINB gene cluster as a
    susceptibility locus for food allergy. Nat Commun 8:1056.
  10. Niggemann B et al. (2006) Standardisierung von oralen Provokationstests bei Nahrungsmittelallergien. Allergologie 9: 370-380
  11. Pfeffer I et al. (2011) Acetylsalicylsäure - abhängige Anaphylaxie auf Karotte bei Mastozytose. JDDG 9: 230-231
  12. Schäfer T (2008) Epidemiologie der Nahrungsmittelallergie in Europa. Allergologie 31: 255-263
  13. Schäfer T, Breuer K (2003) Epidemiologie von Nahrungsmittelallergien. Hautarzt 54: 112-120
  14. Thiel C (1989) Kreuzreaktionen bei Nahrungsmittel- und Inhalationsallergien, ausgewählte Kasuistiken. In: Forck G (Hrsg) Practicum Allergologicum 100. Merrell Dow Pharma GmbH, S. 55-79
  15. Vassilopoulou E et al. (2007) Severe Immediate Allergic Reactions to Grapes: Part of a Lipid Transfer Protein-Associated Clinical Syndrome. Int Arch Allergy Immunol. 143: 92-102
  16. Werfel T (2008) Nahrungsmittelallergie. J Dtsch Dermatol Ges 7: 573-583
  17. Werfel T et al. (2008) Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis. JDDG 7: 265-272
  18. Worm M et al. (2016) Leitlinie zum Mangement IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien. Allergologie 39: 302-344
  19. Wüthrich B, Blötzer C (2004) IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien Typ C: Der seltenere Typ einer Nahrungsmittelallergie? Akt Dermatol 30: 95-102
  20. Young E, Stoneham M, Petruckevitch A (1994) A population study of food intolerance. Lancet 343: 1127-1130
  21. Zuberbier T (2008) Nahrungsmittelallergien - Epidemiologie in Berlin. Allergologie 31: 264-273

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 02.05.2018