Leukozyt

Zuletzt aktualisiert am: 19.01.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Definition

Leukozyten (leukos = weiß; kytos = Gefäß, Zelle) sind Zellen des Körpers, die im Blut, im Knochenmark, in lymphatischen Organen und anderen Körpergeweben nachweisbar sind. Leukozyten erfüllen spezielle Aufgaben in der Abwehr von Krankheitserregern und körperfremden Strukturen. Sie gehören dem Immunsystem an und sind dort Teil der spezifischen und unspezifischen Immunabwehr (s. Immunität). Die einzelnen Untergruppen der Leukozyten übernehmen dabei verschiedene Aufgaben innerhalb des Immunsystems wie Phagozytose, Markierung von Antigenen, bis hin zur Bekämpfung von körpereigenen und körperfremden Zellen und Krebszellen.

Einteilung

Folgende Untergruppen der Leukozyten werden unterschieden:

  • Granulozyten:
    • Neutrophile Granulozyten, Monozyten, Makrophagen und Dendritische Zellen sind als Bestandteil der unspezifischen Abwehr zur Phagozytose fähig (Phagozyten oder Makrophagen).
    • Eosinophile Granulozyten: Abwehr von Parasiten, Beteiligung an allergischen Reaktionen, auch an tumorösen Prozessen.  
    • Basophile Granulozyten: Abwehr von Parasiten, Auslösung von allergischen Reaktionen, Entzündungsreaktionen, Juckreiz.
    • Mastzellen: sie setzen nach Aktivierung Substanzen frei, die die Permeabilität der Blutgefäße beeinflussen.
  • B-Lymphozyten:
    • B-Lymphozyten produzieren nach geeigneter Stimulation spezielle, gegen bestimmte Erreger oder schädigende Stoffe gerichtete, Antikörper. Sie gehören somit zur spezifischen Abwehr. Schon beim Erstkontakt mit einem Antigen sind antigenspezifische B-Zellen mit spezifischen monomeren Rezeptormolekülen der Klasse IgM verfügbar. Ein antigener Reiz führt zur Expression von allergenspezifischen Antikörpern bestimmter Immunglobulinklassen auf der Zellmembran (IgM, bzw. Wechsel von IgM zu den Immunglobulinklassen IgD, IgG, IgA oder IgE).
    • B-Gedächtniszellen (Memory-Zellen): Bei langanhaltender Antigenstimulation werden B-Gedächtniszellen ausgebildet, die auf spezifische Antigene bei Reexposition schneller reagieren können.
    • Plasmazellen (Spezialisierung auf Antikörperproduktion).
  • T-Lymphozyten: sie dienen der Koordination von spezifischer und unspezifischer Abwehr.
    • T4-Helferzellen: Aktivierung von Plasmazellen und Killerzellen. Sie erkennen Antigene auf den Antigen präsentierenden Zellen in Verbindung mit MHC-Klasse-II-Molekülen. Weiterhin induzieren sie die zellvermittelte und humorale Immunantwort, stimulieren die Zytokinausschüttung, z.B. von IL-2, IFN-γ, TNF-α, IL-5, IL-17.  
    • T8-Suppressorzellen: Erkennung endogener Peptidantigene (in Verbindung mit MHC-Klasse-I-Molekülen). Hierzu sind 2 Signale für die Aktivierung notwendig: Zytokinstimulation durch T4-Helferzellen sowie spezifische Erkennung des auf der Zielzelle exprimierten Peptidantigen/MCH-Klasse-I-Komplexes.
    • T-Regulatorzellen (Treg): Hemmung der Immunantwort; Hemmung der Funktion von B-Zellen und anderen T- Zellen).
    • T-Killerzellen (zytotoxische T-Zellen): Erkennung und Zerstörung von durch Viren befallenen Körperzellen und von Tumorzellen, indem sie auf bestimmte Antigene der befallenen Zellen reagieren.
  • Natürliche Killerzellen (NK-Zellen): sie greifen unspezifisch Zellen an, die von Viren oder Tumoren befallen sind.

Allgemeine Information

Leukozyten sind an allen Entzündungsprozessen des Organismus beteiligt. Sie sind in der Lage über freigesetzte Mediatoren (s.a.u Zytokine; s.a.u. Leukotriene) eine Entzündung aufrecht zu halten, zu modulieren oder zu beenden. Leukozyten spielen weiterhin eine prägende Rolle bei allen Autoimmunkrankheiten. Die Größe der Leukozyten schwankt zwischen 7 µm bei Lymphozyten und 20 µm bei Monozyten. Erythrozyten sind etwa 7,5 µm groß. Die Lebensdauer der Zellen reicht von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Bestimmte Leukozyten sind amöboid beweglich und können aktiv aus dem Blut in die verschiedenen Zellgewebe einwandern.

Normwert: Der Normwert von B-Leukozyten liegt bei 2 - 3 J.: 6.000 - 17.000/µl; 4 - 12 J.: 5.000 - 13.000/µl; Erwachsene 3.800 - 10.500/µl. Im Liquor liegt die Leukozytenzahl bei 0 bis 5 /µl
 

Hinweis(e)

Normaler menschlicher Blutausstrich im Lichtmikroskop:
  • Erwachsene: 4.000-10.000 /µl
  • Schulkinder: 5.000-15.000 /µl
  • Kleinkinder: 6.000-17 500 /µl
  • Neugeborene: 9.000-30.000 /µl.
Eine die Normwerte übersteigende Anzahl von Leukozyten pro Volumen wird als Leukozytose bezeichnet. Eine Unterschreitung der Normwerte der Leukozyten pro Volumen wird als Leukopenie bezeichnet. Eine Erhöhung der eosinophilen Leukozyten im Blut wird als Eosinophilie bezeichnet.

Verweisende Artikel (4)

Endothel; Endothel; Exsudat; Interleukin-1 ;
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