Kontrastmittel-Intoleranz

Zuletzt aktualisiert am: 04.11.2016

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Allgemeine Information

  • Pro Jahr werden 70 Millionen Anwendungen weltweit mit jodierten Kontrastmitteln durchgeführt. Jodierte Kontrastmittel werden in eine ionische hochosmolare (z.B. Amidotrizoat, Meglumin, Ioxitalamat) und eine nicht-ionische niedrigosmolare Klasse (z.B. Iohexol, Iopamidol, Ioversol, Iopramid, Iomeprol, Iopentol, Iobitridol, Iodixanol) unterteilt.
  • Jodierte Kontrastmittel können anaphylaktoide Reaktionen innerhalb einer Stunde nach Gabe verursachen. Ein IgE-getriggerter Mechanismus wird oftmals in diesen Fällen angenommen, jedoch ist der genaue pathophysiologische Mechanismus bislang noch nicht aufgeklärt. Obwohl angenommen wird, dass nicht-ionische niedrigosmolare Kontrastmittel weniger anaphylaktoide Reaktionen auslösen, werden in der Praxis weiterhin prophylaktisch Medikamente zur Prämedikation verabreicht. Verzögerte Reaktionen wurden in einem Zeitraum von über 1 Stunde bis zu 7 Tagen nach Kontrastmittelgabe beschrieben. Pathophysiologisch werden sie durch T-Zellen vermittelt.
  • Ein häufig verwendetes Kontrastmittel für Kernspinuntersuchungen ist Gadolinium. Das Auftreten einer nephrogenen systemischen Fibrose nach Verwendung von Gadolinium als Kontrastmittel wurde mehrfach beschrieben.

Vorkommen

Insgesamt treten nach Exposition von nicht-ionischen niedrigosmolaren Kontrastmitteln weniger schwere Komplikationen auf, die Todesraten sind jedoch ähnlich.
Prävalenz der Überempfindlichkeitsreaktionen vom Soforttyp
Schweregrad der Komplikationen Ionische hochosmolare Kontrastmittel Nicht-ionische niedrigosmolare Kontrastmittel
Leicht 3,8-12,7% 0,7-3,1%
Schwer 0,1-0,4% 0,02-0,04%
  • Prävalenz von Spättypreaktionen: 0,5-23%.
  • Todesfolge: 1/100.000 Expositionen
  • Der größte Risikofakftor für das Auftreten einer Kontrastmittel-Intoleranz ist eine vorherige Überempfindlichkeitsreaktion. Weitere Risikofaktoren sind schwere Allergien, Asthma bronchiale, Herzerkrankungen, Mastozytose, Einnahme von Betablockern und Autoimmunerkrankungen.

Klinisches Bild

  • Soforttypreaktionen: möglich sind Pruritus, Urtikaria, Angioödem, Flush, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Rhinitis, Heiserkeit, Husten, Luftnot, Hypotonie, Tachykardie, Arrhythmie, Schock, Herzstillstand, Atemstillstand.
  • Spättypreaktionen: möglich sind Pruritus, Urtikaria, Angioödem, makulo-papulöses Exanthem, Erythema multiforme minor, fixes Arzneimittelexanthem, Stevens-Johnson-Syndrom, Toxische epidermale Nekrolyse, Vaskulitis, Graft-versus-Host-Reaktion.

Diagnose

  • Pricktestung mit dem angeschuldigten Kontrastmittel (unverdünnt) und alternativ mit nicht-ionischen niedrigosmolaren Kontrastmitteln (unverdünnt).
  • Intrakutantestung mit dem angeschuldigten Kontrastmittel (1:1000 bis 1:10 in 0,9%iger physiologischer Kochsalzlösung) und alternativ mit nicht-ionischen niedrigosmolaren Kontrastmitteln (1:1000 bis 1:10 in 0,9%iger physiologischer Kochsalzlösung).
  • Epikutantestung mit dem angeschuldigtem Kontrastmittel (unverdünnt) und alternativ mit nicht-ionischen niedrigosmolaren Kontrastmitteln (unverdünnt).

Therapie allgemein

  • Bei Fehlen einer radiologischen Alternative und vorausgegangener Sofort oder Spättypreaktion auf ein jodiertes Kontrastmittel wie auch Vorliegen eines Asthma bronchiale wird derzeit 12 und 2 Std. vor erneuter Kontrastmittelgabe die Verabreichung von jeweils 32 mg Methylprednisolon p.o. empfohlen (Leitlinie der European Society of Urogenital Radiology). Gegeben werden sollte, ein nach Möglichkeit zuvor in den Hauttests (Prick-, Intrakutan-, Epikutantest) negativ ausgetestetes, nicht-ionisches niedrigosmolares Kontrastmittel.
  • Bei Notwendigkeit einer unmittelbaren erneuten Kontrastmittelgabe kann derzeit die kombinierte Verabreichung von Prednisolon 250 mg i.v., Dimetinden 1 Ampulle (4 ml Inj.-Lsg.) langsam i.v. und Cimetidin 1 Ampulle (4 ml Inj.-Lsg. mit 0,9%iger NaCl-Lsg. auf 10 ml verdünnt) empfohlen werden. Bei Kindern und Jugendlichen strengste Indikationsstellung.
  • Die Studienlage zum prophylaktischen Wirkeffekt verschiedener Prämedikationsschemata ist noch eingeschränkt aussagekräftig. Mit dem Auftreten anaphylaktoider bzw. anaphylaktischer Reaktionen bei erneuter Kontrastmittelgabe auch unter Prämedikation muss in Einzelfällen gerechnet werden.

Literatur
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  1. Brockow K, Christiansen C, Kanny G, Clément O, Barbaud A, Bircher A et al. (2005) Management of hypersensitivity reactions to iodinated contrast media. Allergy 60: 150-158
  2. Grobner T (2006) Gadolinum-a specific trigger for the development of nephrogenic fibrosing dermopathy and nephrogenic systemic fibrosis? Nephrol Dial Transplant 21: 1104-1108
  3. Kvedariene V, Martins P, Rouanet L, Demoly P (2006) Diagnosis of iodinated contrast media hypersensitivity: results of a 6-year period. Clin Exp Allergy 36: 1072-1077

Verweisende Artikel (1)

Schock anaphylaktischer;

Weiterführende Artikel (2)

Gadolinium; Nephrogene systemische Fibrose;
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