Katzenallergie J30.4

Zuletzt aktualisiert am: 23.04.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Allergie auf Katzenhaare; Allergie gegen Katzenepithelien; Fel d 1; Fel d 2; Fel d 3; Fel d 4; Fel d 5w; Fel d 6w; Fel d 7; Fel d 8; Katzenhaarallergie; Katzen-Schweinfleisch-Syndrom; Tierhaarallergie

Definition

Allergie gegen Epithelien von Katzen. S.a. Haustierallergie

 

Einteilung

Folgende Allergene wurden gefunden und analysiert: Felis domesticus (Katze/cat)

  • Fel d 1 Uteroglobin (chain 1): Majorallergen, Marker für Sensibilisierung gegen Katzenepithelien
  • Fel d 2 Serum albumin: Minorallergen, Kreuzreaktivität mit anderen Tierepithelien
  • Fel d 3 Cystatin: Minorallergen, wurde aus der Haut der Katze epithelisiert. 10% der Katzenallergiker reagieren auf Fel d 3.
  • Fel d 4 Lipokalin Majorallergen, zweitwichtigstes Majorallergen, Kreuzreaktivität mit anderen Lipokalinen (Can f 6, Equ c 1); 63% der Katzenallergiker reagieren auf Fel d 4. 
  • Fel d 5w Immunoglobulin A (Bemerkung: Sensibilisierung kann zu Spätreaktionen auf rotes Fleisch führen und zu schweren anaphylaktischen Reaktionen bei Behandlung mit Cetuximab); Sensibilisierung richtet sich gegen alpha-Gal (s. Alpha-Galactose-Syndrom)
  • Fel d 6w Immunoglobulin M (Bemerkung: Sensibilisierung kann zu Spätreaktionen auf rotes Fleisch führen und zu schweren anaphylaktischen Reaktionen bei Behandlung mit Cetuximab)
  • Fel d 7 Lipokalin (von Ebner gland protein): befindet sich im Speichel und auf den Katzenhaaren (wird durch Lecken verteilt; große Homologie zu Can f 1) 
  • Fel d 8 Latherin (Latherin-like protein): wurde aus der Speicheldrüse identifiziert. Oberflächenaktive, tensidartige Eigenschaften. Wird von der Katze durch Lecken auf dem Fell verteilt.  

Bei Sensibilisierungen gegen tierische Serumalbumine können Kreuzreaktionen zu Schweinefleisch auftreten (sog. Katzen-Schweinfleisch-Syndrom)

Allgemeine Information

Die Allergene stammen v.a. aus Speichel und Epithelien der Katze. Hierbei ist die höchste Konzentration der Allergene im Gesicht der Katze zu finden. Das Hauptallergen bei der Katzenepithelienallergie ist Fel d 1. 90 % der Katzenallergiker sind gegen das Fel d 1-Allergen sensibilisiert. Katzen produzieren Fel d1 (und andere Allergene) in den Talg-, Anal- und Speichel- und Tränendrüsen. Von dort wird es durch Lecken und Putzen auf das Fell übertragen. Fel d 1 ist sehr klein und leicht (Partikelgröße 2–10 µm) und damit schwebfähig. Das Katzenallergen kann sich somit aerogen verteilen und bleibt für den Allergiker sehr lange eine potenzielle Gefahr (Möglichkeit von allergischen Erscheinungen auch in Räumen, in denen keine Katze vorhanden ist). Das Anhaften an Kleidern kann bei Sensibilisierten durch Kontakt zu allergischen Symptomen führen, selbst ohne Anwesenheit einer Katze (Besucher mit Katze zu Hause verursachen allergische Erscheinungen s.a. unter Hundeallergie).

Therapie allgemein

SIT: Die einzige kausal wirkende Therapie der Katzenhaarallergie ist die Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, SIT). Da eine Hyposensibilisierung eine langfristige Therapie darstellt (Dauer etwa 3 bis 5 Jahre) und prinzipiell zu Zeiten geringerer Allergenbelastung durchgeführt werden sollte, ist ein Therapieerfolg – zumindest bei Katzenbesitzern – fraglich.

Neuerdings wird auch eine oral wirksame Hyposensibilisierung angeboten (Lofarma: LAIS-Katzentablette). Merke: Nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten der Hyposensibilisierung gegen Katzenallergene! 

Experimentell:

Immuntherapie mit Fel-d-1-T-Zell-Peptiden: Dieser Ansatz beruht auf der Entwicklung von kurzen, nach einem Baukastenprinzip erstellten (solid phase peptide synthesis) synthetisch hergestellten Peptiden. Hierbei handelt es sich um allergenspezifische, immundominante T-Zell-Epitope ohne IgE-Bindungskapazität und ohne entzündungsstimulierende Aktivitäten. Zu dieser Therapiemethode fehlen abschließende klinische Ergebnisse.

Immuntherapie mit "synthetic peptide immuno-regulatory epitopes" (SPIRE). Dieser Therapieansatz ist eine Weiterentwicklung der Immuntherapie mit Fel-d-1-T-Zell-Peptiden. Er beruht auf der Entwicklung einer zweiten Generation von T-Zell-Epitop-basierten Peptiden, den SPIRES. Diese bestehen aus kürzeren Aminosäuresequenzen, meist 13-bis 17 Aminosäuren, welche die dominanten T-Zell-Epitope des entsprechenden Allergens repräsentieren. Auf Grund ihrer reduzierten Tertiärstruktur haben diese Allergene ihre Fähigkeit  verloren, IgE zu  vernetzen und so Mastzellen und basophile Granulozyten zu aktivieren. Das erste auf dieser Basis entwickelte Präparat Cat-PAD ist in klinischer Entwicklung und befindet sich in einer Phase III-Studie. 

 

 

Hinweis(e)

Präparat: LAIS-Katzen-Tablette

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Curin M et al. (2014) Hypoallergenic derivatives of Fel d 1 obtained by rational reassembly for allergy vaccination and tolerance induction. Clin Exp Allergy 44:882-894
  2. Hilger C  et al.  (2015) Molekulare Diagnostik bei Allergie gegen Säugetiere. In: Kleine-Tebbe J et al. Hrsg Molekulare Allergie-Diagnostik. Springer Verlag Berlin-Heidelberg S 277-289.
  3. Naidoo P et al. (2013)  A randomized placebo-controlled pilot study of Cat saliva 9cH and Histaminum 9cH in cat allergic adults. Homeopathy 102:123-129
  4. Nelson HS (2013) Sublingual immunotherapy: the U.S. experience. Curr Opin Allergy Clin Immunol 13:663-668 
  5. Nilsson OB et al. (2014) Mammalian-derived respiratory allergens - implications for diagnosis and therapy of individuals allergic to furry animals. Methods 66:86-95
  6. Ravens PA et al. (2014) Feline atopic dermatitis: a retrospective study of 45 cases (2001-2012). Vet Dermatol 25:95-102
  7. van Hage M et al. (2014) New vaccines for Mammalian allergy using molecular approaches. Front Immunol 14:81
  8. Worm M et al. (2013) Cat peptide antigen desensitisation for treating cat allergic rhinoconjunctivitis. Expert Opin Investig Drugs 22:1347-1357
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