Interleukin-17

Zuletzt aktualisiert am: 24.04.2019

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

IL-17

Definition

 

Als Interleukine (von lat/griech. inter = zwischen; leukos = weiß; kinein = sich bewegen) wird eine Gruppe von körpereigenen, kurzkettigen Regulatorproteine (Zytokine) des Immunsystems bezeichnet (IL1-IL38). Interleukine sind Mediatoren für Induktion, Verlauf und Kontrolle der T-Zell-vermittelten zytotoxischen Immunreaktionen sowie der B-Zell-Aktivierung (Antikörperproduktion). Sie werden vorwiegend von stimulierten Leukozyten, Monozyten und Makrophagen gebildet und sezerniert. Bisher sind etwa 38 unterschiedliche Interleukine eindeutig identifiziert. Jedem Zytokin der Interleukingruppe ist nomenklatorisch eine Zahl zu ihrer Klassifikation zugewiesen (IL-1 bis IL-38).

Interleukin-17 ist ein pro-inflammatorisches Zytokin. Es stellt das Signalzytokin des Th17-Zelltyps dar (Interleukin-17-Familie), der mit versch. autoimmunologischen und nicht-autoimmunologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Die Untereinheit des Interleukin-17, das Interleukin-17A, nimmt bei der Initiierung und Unterhaltung der Immunreaktion bei Psoriasis eine Schlüsselrolle ein.  Interleukin-17 wird v.a. durch Lymphozyten vom Typ TH17-Zellen gebildet. Andere Zytokine der Interleukin-17-Familie sind Interleukin-21 und Interleukin-22.

Interleukin-17 ist in seiner biologisch aktiven Form ein Homodimer, dessen Untereinheiten Glykoproteine mit jeweils 155 Aminosäuren sind. IL-17 bindet an seinen Rezeptor IL-17R von dem derzeit 3 Typen  bekannt sind: IL17RA, IL17RB, and IL17RC. 

 

 

Allgemeine Information

Interleukin-17 wird von neutrophilen Granulozyten, von Mastzellen, gamma/delta T-Zellen, Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) und von „innate lymphoid cells“ gebildet und sezerniert. Es besteht offenbar ein entzündliches Netzwerk von Zellen in dem diese immunologisch aktiven Zellen miteinander kommunizieren. Hierbei spielt v.a. Interleukin-23 als induzierendes Zytokin sowie TH1- Zellen, Makrophagen und andere Zellen des angeborenen Immunsystems eine Rolle. IL-17 induziert eine entzündlichen Reaktion indem es, nach Invasion von Pathogenen unterschiedlicher Art, Monozyten und neutrophile Granulozyten rekrutiert . Hierbei agiert das Zytokin synergistisch mit TNF und Interleukin-1.

Interleukin-17 verstärkt in Fibroblasten die Expression von ICAM-1.  In Endothel- , Epithelzellen und Fibroblasten bewirkt das Zytokin die Freisetzung von Interleukin-6, Interleukin-8, GCSF und Prostaglandin E2 (PGE2). Weiterhin spielt Interleukin-17 eine Rolle bei der Aktivierung CD4-positiver Zellen. In der Hämatopoese fördert Interleukin-17 die Reifung von neutrophilen Granulozyten.

Gesichert ist, dass Interleukin 17 (IL-17) bei der psoriatischen Entzündungsreaktion sowie auch bei anderen entzündlichen (auch autoimmunologischen) Hauterkrankungen eine dominante Rolle spielt. Auf Grund dieser Konstellation war es naheliegend monoklonale Antikörper gegen gegen IL-17 bzw. gegen dessen Rezeptor therapeutisch zu nutzen. Es  konnte gezeigt werden, dass therapeutische Antikörper gegen TH 17/IL-17-vermittelte Entzündungen die Spiegel entzündlicher Zytokine im Blut und der Haut vermindern (Malakouti M et al. 2015). Hierdurch kommt es zu einer signifikanten Rückbildung der inflammatorischen Reaktion. Indikationen sind Psoriasis, rheumatoide Arthritis,  Spondylarthritis, multiple Sklerose, nicht-infektiöse Uvitis u.a. Mit dem IL-17 Rezeptor A Blocker Brodalumab (Kyntheum®) ist ein Theapeutikum auf dem Markt, das bei Erwachsenen für die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis in Frage kommt.

Therapie allgemein

Therapeutische Ansätze bei Psoriasis:

Secukinumab (Cosentyx®) ist ein bei Psoriasis zugelassener vollständig humanisierter monoklonaler Antikörper der gegen das Zytokin IL-17A gerichtet ist. Der Wirkstoff wird zur Behandlung verschiedener rheumatologischer Erkrankungen getestet – sowie bei Psoriasisarthritis und bei Psoriasis. Der Antikörper Secukinumab bindet selektiv an IL-17 und neutralisiert dieses Zytokin. Secukinumab hat sich in mehreren großen Studien bei der Behandlung der Schuppenflechte als erfolgreich erwiesen.  Bei der ERASURE1-Studie erhielten 738 Patienten mit moderater bis schwerer Psoriasis entweder 300 oder 150 mg Secukinumab oder Placebo subkutan in den Wochen 1, 2, 3, 4 und 8. In Woche 12 erfüllten 81,6 Prozent (300 mg) beziehungsweise 71,6 Prozent (150 mg) der Secukinumab-, aber nur 4,5 Prozent der Kontrollpatienten die PASI-75-Kriterien. 65,3 vs. 51,2 vs. 2,4% der Teilnehmer waren klinisch weitgehend erscheinungsfrei, > 40% der Studienteilnehmer erreichten PASI-100 (komplette klinische Erscheinungsfreiheit). Die Wirkung von Secukinumab erreichte nach 16 Wochen bereits ein Maximum und blieb bis zur 52. Woche konstant.

Mit Ixekizumab (Taltz® ) ist ein weiterer bei Psoriasis zugelassener monoklonaler Antikörper erhältlich, der mit hoher Affinität und Spezifität an das pro-inflammatorische Zytokin Interleukin-17A (IL-17A) bindet und dieses neutralisiert. Die Substanz wird als subkutane Injektion appliziert. Die Initialdosis beträgt zweimal 80 mg. Danach wird Ixekizumab alle zwei Wochen verabreicht.

Brodalumab (Siliq® - durch die FDA seit 2017 zugelassen), ein monoklonaler Antikörper, bindet am Rezeptor für das Zytokin Interleukin-17 (IL-17) . In der AMAGINE 1-Studie wurde Brodalumab in den zwei Dosierungen (210 mg oder 140 mg alle zwei Wochen subkutan) mit Placebo verglichen. Nach 12 Wochen war es bei 83 Prozent (210 mg-Dosis) und bei 60 Prozent (140 mg-Dosis) zu einem Rückgang im PASI-Score um 75% gekommen (PASI 75). In den Studien AMAGINE 2 und 3 wurde Brodalumab in den gleichen Dosierungen mit Ustekinumab (neutralisiert die Interleukine IL-12 und IL-23) und Placebo verglichen. Brodalumab erzielte in einer niedrigen Dosierung ein ähnlich gutes Ergebnis wie Ustekinumab, unter der höheren Dosierung waren die Ergebnisse jedoch unter Brodalumab besser.

 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Gooderham M et al. (2015) Interleukin-17 (IL-17) inhibitors in the treatment of plaque psoriasis: a review. Skin Therapy Lett 20:1-5. 
  2. Glatzka M  Schaffetter-Kochanek K (2015) T-Zell-Plastizität bei entzündlichen Hauterkrankungen – die Guten,die Schlechten und die Chamäleons. JDDG 13: 647-652
  3. Isailovic N et al. (2015) Interleukin-17 and innate immunity in infections and chronic inflammation. J Autoimmun 60:1-11.

  4. Li D et al. (2015)Interleukin-17 in systemic lupus erythematosus: A comprehensive review. Autoimmunity 48:353-361. 

  5. Mease PJ (2015) Inhibition of interleukin-17, interleukin-23 and the TH17 cell pathway in the treatment of psoriatic arthritis and psoriasis. Curr Opin Rheumatol 27:127-33.

  6. Malakouti M et al. (2015) The role of IL-17 in psoriasis. J Dermatolog Treat 26:41-44.

  7. Mudigonda P et al. (2012) Interleukin-2 and interleukin-17: importance in pathogenesis and therapy of psoriasis. Dermatol Online J 18(10):1.

  8. Smith JA et al.(2014) Review: The interleukin-23/interleukin-17 axis in spondyloarthritis pathogenesis: Th17 and beyond. Arthritis Rheumatol 66:231-241.

  9. Tausend W et al.(2014) Systematic review of interleukin-12, interleukin-17, and interleukin-23 pathway inhibitors for the treatment of moderate-to-severe chronic plaque psoriasis: ustekinumab, briakinumab, tildrakizumab, guselkumab, secukinumab, ixekizumab, and brodalumab. J Cutan Med Surg 18:156-169.

  10. Zarogoulidis P et al.(2014) Interleukin-8 and interleukin-17 for cancer. Cancer Invest 32:197-205.

  11. Zenobia C et al. (2015) Basic biology and role of interleukin-17 in immunity and inflammation. Periodontol 2000 69:142-159. 

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