Hühnereiweißallergie T78.1

Zuletzt aktualisiert am: 18.12.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Egg allergy; Eiallergie; Eiweißallergie; Hühnerei; Hühnereiallergie

Definition

Neben der Kuhmilchallergie ist die Hühnereiweißallergie die häufigste Nahrungsmittelallergie bei Kindern (etwa 6% aller Babys reagieren allergisch auf Hühnereiweiß in Babynahrung). Meist treten allergische Sofortreaktion mit Symptomen wie bei einer Kuhmilchallergie auf, daneben kann bei einem atopischen Ekzem Schubaktivität provoziert werden.  Bei Erwachsenen geht der Hühnereiallergie  vereinzelt eine inhalative Sesibilisierung voraus (Vgl. Vogel-Ei-Syndrom).  

Die Prognose ist wie bei der Kuhmilchallergie bei Säuglingen und Kleinkindern gut. Möglichkeit einer Kreuzreaktion mit Hühnerfleisch:

Die wichtigsten Hühnereiallergene sind Ovomukoid (Gal d 1) und Ovalbumin (Gal d 2), dessen Anteil am Gesamtprotein bei 54% liegt.

Einteilung

Das Ei des Huhnes (Gallus domesticus) besteht aus Eiklar und Eidotter. Eiklar enthält 9-11% Proteine neben 87-89% Wasser. Im Dotter findet sich 50% Wasser, 32-35% Lipide und 16% Proteine. Die Sensibilisierung durch Eiklar steht im Vordergrund. Mittels gekreuzter Immunelektrophorese konnten mindestens 24 antigene Komponenten nachgewiesen werden. Die allergologisch  wichtigsten Allergene in einem Hühnerei (variiert nach I Reese) sind: 

Hühereiklar:

Hühnereigelb:

  • Gal d 5 Serumalbumin
  • Gal d 6 YGP42 35 kDa 

Seltene Allergene 

  • Gal d 7 Myosin light chain 
  •  Gal d 8 alpha-Parvalbumin  
  •  Gal d 9 Enolase 
  •  Gal d 10 Aldolase
     

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Klinisches Bild

Die klinischen Symptome können bei Kindern in unterschiedlicher Intensität mit gastrointestinalen Beschwerden, Reaktionen seitens des Respirationstraktes, der Haut und des Kreislaufs (bis hin zum anaphylaktischen Schock) einhergehen (Jäger L et al. 2001). 

Verlauf/Prognose

Die im Säuglings- oder Kleinkindesalter auftretende Eiallergie hat eine gute Prognose und geht meist im Laufe von wenigen Jahren zurück.

Hinweis(e)

  • Hühnereier enthalten mehrere Eiweißbestandteile. Das allergologisch wichtigste ist das hitzelabile Ovalbumin. Weitere Proteine sind Ovomukoid, Ovotransferrin, Lysozym, Livetine. Ovomukoid ist hitzebeständig und bleibt auch bei Temperaturen über 100°C bestehen. Die anderen Substanzen werden bei 80-100°C zerstört. Patienten mit einer Ovomukoid-Sensibilisierung dürfen keine Eier (auch gekochte nicht) essen. Andere Proteine im Hühnereiweiß sind jedoch hitzestabil. Eine Sensibilisierung mit Hühnereiweiß ist wie bei der Kuhmilch bereits über die Muttermilch möglich, sodass schon beim ersten Kontakt mit Ei-haltiger Nahrung heftige Reaktionen auftreten können. Die Symptome entsprechen der Sofortreaktion bei einer Kuhmilchallergie.
  • Hühnereiweiß ist in folgenden Nahrungsmitteln und weiteren Produkten enthalten (oft in versteckter Form):
    • Hühnereier in jeder Form
    • Backwaren wie Brot, Brötchen, Kuchen, Kleingebäck
    • Teigwaren
    • Fleisch- und Wurstwaren
    • Suppen, Soßen, Mayonaise
    • Fertiggerichte
    • Gläschenmenüs für Säuglinge
    • in Fertigerichten als Verfeinerungs- und Bindemittel
    • Milchspeiseeis
    • Süßigkeiten wie Bonbons, Pralinen, Zuckerwatte
    • Margarinezubereitungen.
  • Folgende Begriffe auf Nahrungsmittelbeschreibungen können auf die Verwendung von Hühnerei hinweisen:
    • E 322
    • Emulgatoren
    • Fremdprotein
    • Lecithin
    • Protein
    • tierisches Eiweiß.
  • Ei kann auch in Nichtlebensmitteln Verwendung finden (z.B. Haarshampoo).
  • Einige Impfstoffe wie Influenza- und Gelbfieberimpfstoffe, die in Hühnerembryos produziert werden, können Hühnereiweißbestandteile enthalten. Hier ist eine Impfung bei Hühnereiweißallergie nicht ausgeschlossen, sollte aber unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen, ggf. unter stationären Bedingungen, erfolgen. Neuere Daten zufolge scheint das Risiko für systemische Reaktionen nur gering zu sein (Turner PJ 2015). Bei Kindern mit bekanntem Asthma bronchiale führte die Impfung nicht zu einer Verschlechterung der der espiratorischen Situation.  
  • Auf Hühnerfibroblasten gezüchtete Impfstoffe (MMR, Tollwut, FSME) enthalten allenfalls kaum nachweisbare Spuren von Hühnereiweiß. Diese Impfungen werden auch bei Vorliegen einer Hühnereiweißallergie häufig problemlos vertragen.

Literatur
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  1. Jäger L et al. (2001) Nahrungsmittelallergene. In Jäger L et al (Hrsg) Nahrungsmittelallergien und – intoleranzen. Urban&Fischer Verlag S.161
  2. Marseglia A et al. (2013) Outcome of oral provocation test in egg-sensitive children receiving semi-fat hard cheese Grana Padano PDO (protected designation of origin) containing, or not, lysozyme. Eur J Nutr 52:877-883.
    Reese I et al. (2015) Allergie gegen Kuhmilch und Hühnerei: was bietet die molekulare Allergiediagnostik? Allergo J Int 24: 34-41
  3. Turner PJ et al. (2015) Safety of live attenuated influenza vaccine in young people with egg allergy: multicentre prospective cohort study. BMJ 351:h6291.
  4. Wollenberg A, Vogel S, Renner ED (2010) Impfungen bei Neurodermitis und anderen chronisch entzündlichen Hauterkrankungen. Hautarzt 61: 985-993

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