Haarfärbemittel

Zuletzt aktualisiert am: 03.05.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Haarfärben; hair bleaching; hair dyeing

Definition

Das Haarfärben mit den natürlichen Farbstoffen Henna, Indigo, später auch mit Rastik (Haarfärbemittel aus Galläpfeln und Metallsalzen) ist schon seit mehreren tausend Jahren  gebräuchlich. Heute färbt jede zweite Frau ihre Haare. Bei den Männern ist es jeder zehnte mit zunehmender Tendenz. Farbänderungen des Haares kann man durch Blondiermittel oder Haarfärbemittel erreichen. Fast jeder Zweite, der sich die Haare färbt, führt die Prozedur selbst durch. Hierbei sind die gewählten Haarfarben stark von Modetrends abhängig und variieren von Kulturkreis zu Kulturkreis.

Grundsätzlich kann man 2 Arten von Haarfärbemitteln unterscheiden:

  • synthetische Haarfarben (in Europa sind etwa 100 Chemikalien zugelassen: Madsen JT et al. 2016) )
  • Naturhaarfarben: Naturhaarfarben und auswaschbare Haarfarben legen sich wie ein Farbmantel um den Haarschaft. Sie werden mit der Zeit weniger intensiv. 

Einteilung

Es gibt auswaschbare temporäre, semi-permanente und permanente Produkte.

Temporäre  (auswaschbare) Haarfärbungen lassen sich nach dem ersten Waschen mit einem Haarshampoo entfernen. Sie basieren auf einer physikalischen Haftung eines Farbstoffes.

Permanente Haarfärbemittel sind nicht auswaschbar. Eine Blondierung beispielsweise ist immer permanent. Handelsübliche, permanente Haarfärbemittel bestehen aus zwei Komponenten:

  • Eine Komponente besteht aus farblosen Oxidationsbasen. Hierbei handelt es sich um leicht oxidierbare, initial farblose Farbstoffbasen, z.B. Phenylendiamin, Toluylendiamin, Aminophenol, Resorzin. Weiterhin enthält diese Komponente Antioxidanzien wie Natriumsulfit, Natriumformaldehydsulfoxylat oder Ascorbinsäure sowie Nuancierer. Ergänzt wird diese Komponente durch Fettalkohole und Lanolin. Diese Substanzen bewirken den Cremecharakter der Mischung. Ergänzend enthalten sind Alkalisierungsmittel wie 1% Ammoniakwasser oder ähnliche Stoffe (Toluene, Resorcinol, oder das allergologisch relevante Monoethanolamin) sowie verschiedene Tenside.
  • Eine zweite Komponente enthält Oxidationsmittel wie z.B. Wasserstoffperoxid. Die Oxidationsmittel setzen die eigentliche  Farbbildung in Gang. 

Prinzip: Die Farbstoffe wandern in den, durch das alkalische Medium aufgequollene, Haarschaft. Sie werden dort zu komplexen Farbstoffen oxidiert, wobei sie sich chemisch mit dem Haarkeratin verbinden. Erst durch die Oxidation der (farblosen) Farbstoffbasen durch das Wasserstoffperoxid entsteht der eigentliche Farbstoff.

Professionelle Haarfärbemittel: ihre Verwendung ist für den Laien weniger geeignet. Sie sollten von kundigem Fachpersonal durchgeführt werden. 

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Allgemeine Information

Die in den Colorationen enthaltenen Chemikalien, können allergische und toxische Reaktionen auslösen. Eine Haarfärbemittel-Allergie kann sich bereits beim allerersten Gebrauch des Produkts zeigen, aber auch erst Jahre später. Selbst, wenn ein Produkt jahrelang gut vertragen wurde, ist das keine Garantie, dass zukünftig keine allergische Reaktionen auftreten.

(Kontakt-) Allergische Reaktionen zeigen sich meist als kontaktallergisches Ekzem (Typ IV-Reaktion) im Gesicht oder am Haaransatz. Initial wird einige Stunden nach den Colorationen Juckreiz und Spannungsgefühl der Kopfhaut empfunden. Die Symptome verschwinden meist nach 2-3 Tagen, treten jedoch unweigerlich bei der nächsten Haarfärbung wieder auf. Sie verstärken sich allmählich, einhergehend mit nunmehr schwerem Juckreiz, mit Rötungen, Schwellungen, akutem Nässen. Ebenfalls beschrieben wurden anaphylaktische Typ-I-Reaktionen (Auslöser: para-Phenylendiamin).

Hauptallergen bei den synthetischen Haarfärbemitteln: 

  • Para-Phenylendiamin (PPD).

Weitere potenzielle Sensibilisatoren sind:

  • Toluylendiamin (2,5-Diaminotoluol) PTD
  • 2-Amino-4-hydroxyethylaminoanisole sulfate
  • Aminophenol
  • Hydroxyethyl-p-Phenylenediamine (z.B. in Sensual Colors von der Schwarzkopf) 
  • Arylamine
  • Hydrochinon
  • Pikraminsäure (Picramic acid) und deren Salze die als oxidative Haafarbstoffe dienen
  • Resorzin
  • Lyral
  • Ammoniumpersulfat (in Blondiermitteln)

Hinweis: Bei bekannten Sensibilisierungen auf PPD oder PTD verwenden viele Menschen trotz Sensibilisierung weiterhin PPD-haltige Produkte. Dies kann zu schweren allergischen Folgereaktionen führen. Eine Alternative für diese Patienten bietet das weniger sensibilisierende PPD-Derivat 2-Methoxymethyl (ME) –PPD enthalten. In einer Studie an 43 PPD/PDT-sensibilisierten Patienten zeigten bei einer Kontrolltestung mit 2-Methoxymethyl 38 Patienten keine positive Testreaktion. Bei den nachfolgenden im normalen Alltag üblichen Haarfärbungen vertrugen 29 (67%) diese Prozeduren. 7 Personen zeigten geringgradige 2 moderate allergische Reaktionen.

Naturheilkunde

Naturfarbstoffe:

  • Henna: Die Anwendung von Henna ist ein traditionelles Ritual, das schnell erlernt werden kann. Je nach Produkt kann die Einwirkzeit von fünf Minuten bis mehrere Stunden (z.B. bei Naturhaarfarbe und reinem Henna) reichen. Danach am besten in der Dusche mit Wasser leicht aufschäumen und vollständig ausspülen.

Weitere Naturfarbstoffe.

  • Reng: Kommt in Blättern der Indigopflanze vor. Reng wird zusammen mit Henna verwendet. 
  • Kamille: Der Blütenfarbstoff Apigenin (5,7,4`-Trioxoflavon) der Kamille bewirkt eine Gelbfärbung des Haares.
  • Rastik: Ist ein Gemisch aus Pyrogallol und Eisen-, Kupfersalzen. Pyrogallol wurde durch Rösten von Galläpfeln gewonnen. Das Haar wird von Rastik tief schwarz gefärbt.
  • Esche: Extrakte der Rinde 
  • Akazie: Extrakte der Rinde 
  • Schminkwurz (Extrakte von Radix )
  • Walnuss: In den grünen Walnussschalen ist eine Farbsubstanz enthalten, die sich zum Färben von Haaren sehr gut eignet. Das Farbergebnis ist ein warmes Braun.

    Zunächst müssen die grünen Nussschalen gut getrocknet und danach mit einer Kaffeemühle zu Pulver zermahlen werden. Das Pulver wird mit heißem Wasser und etwas Olivenöl angerührt. Diese Paste wird auf den Haaren verstrichen. Sie verbleibt so lange auf den Haaren, bis die gewünschte Haarfarbe sich eingestellt hat.

  • Alternativer Ansatz:  6-7 Nussschalen werden in 1l  Wasser aufgekocht und durch ein Sieb getrieben. Das Färbemittel sollte nicht cremig aber auch nicht total flüssig sein. Es wird mit Hilfe einer Bürste aufgenommen und die Haare damit ausbürsten. Diese Prozedur wird so lange wiederholt, bis die Haare die Farbe angenommen haben.

 

Für Patienten mit Kontaktallergien gegen  die üblichen Haarfärbemittel stellen Naturhaarfarben eine Alternative dar.

Bereits permanent oder semipermanent gefärbte Haare nehmen keine Naturhaarfarben an. Wahrscheinlich bedarf es mehrere Farbgänge, bis graue Haare komplett verschwunden sind.

Bei Naturhaarfarben bedarf es eigener Erfahrungswerte, weil jedes Haar anders reagiert. Das ist auch der Grund, warum bei Naturhaarfarben keine Garantie für ein optimales Ergebnis gegeben ist. Jeder muss die Wirkung selbst ausprobieren.

Hinweis(e)

 

Allgemeine Informationen zum Haarfärben:

Schwangerschaft und Stillzeit: Chemische Haarfärbemittel sollten in der Schwangerschaft und während der Stillzeit nicht verwendet werden. Sie können über die Kopfhaut resorbiert werden.

Allergierisiko: Auch für diejenigen, die sich seit Jahren problemlos die Haare färben, besteht ein Allergierisiko. "Kontaktallergien können sich jederzeit im Laufe des Lebens entwickeln.  sich die Haare professionell färben zu lassen. Der Frisör sorgt dafür, dass wesentlich weniger Farbstoff mit der Kopfhaut in Berührung kommt, als zu Hause beim Selberfärben. Das verringert die Sensibilisierungsgefahr.

Epfehlungen für das Färben zu Hause: Folgendes sollte beachtet werden:

  • Bei empfindlicher oder gereizter Kopfhaut besser aufs Färben verzichten.
  • Tragen Sie eine fette Hautcreme an den Haarrändern, flächig an Hals und Gesicht auf um den großflächigen Kontakt dort zu vermeiden..
  • Verzichten Sie vor dem Färben auf die Haarwäsche, so wird die Kopfhaut durch die natürliche Fett- und Schuppenschicht etwas mehr geschützt.
  • Achten Sie darauf, dass die Kopfhaut möglichst kleinflächig und möglichst kurzzeitig mit dem Färbemittel in Kontakt kommt.
  • Tragen Sie immer Handschuhe und überschreiten Sie unter keinen Umständen die Einwirkzeit.
  • Wer unsicher ist, kann vorher vorsichtshalber einen Hautarzt zu Rate ziehen.

 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Becker LC et al.(2009) Amended safety assessment of sodium picramate and picramic acid. Int J Toxicol 28(6 Suppl 2):205S-216S.
  2. Burnett CL et al.(2013) Safety assessment of 2-amino-4-hydroxyethylaminoanisole and 2-amino-4-hydroxyethylaminoanisole sulfate as used in cosmetics. Int J Toxicol 32(3 Suppl):25S-35S.
  3. Işik S et al.(2016)Severe Neck and Face Edema in an Adolescent-Delayed Hypersensitivity Reaction to Hair Dye. Pediatr Emerg Care. 2016 Oct 4. [Epub ahead of print]
  4. Kirchlechner S et al.(2016) Survey of sensitizing components of oxidative hair dyes (retail and professional  products) in Germany. J Dtsch Dermatol Ges 14:707-715.
  5. Kock M et al.(20169 Continuous usage of a hair dye product containing 2-methoxymethyl-para-phenylenediamine by hair-dye-allergic individuals. Br J Dermatol 174:1042-1050. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?
  6. Lyons G et al.(2013) Hairdressers presenting to an occupational dermatology clinic in Melbourne, Australia. Contact Dermatitis 68:300-306.
  7. Madsen JT et al.(2016) 2-Amino-4-hydroxyethylaminoanisole sulfate - a coupler causing contact allergy from use in hair dyes. Contact Dermatitis 74:102-104.
  8. Platzek T (2010) Risk from exposure to arylamines from consumer products and hair dyes. Front Biosci (Elite Ed) 2:1169-1183.
  9. Pónyai G et al.(2016) para-Phenylenediamine Hypersensitivity: A Report From Budapest, Hungary, 2007-2014.Dermatitis 27:303-307.
  10. Rameshk M et al. (2016) Medicinal Herbs Affecting Gray Hair in Iranian Traditional Medicine. Iran J Med Sci 41(3 Suppl):42.
  11. Zahir A et al.(2016) Tolerance to a Hair Dye Product Containing 2-Methoxymethyl-P-Phenylenediamine in  an Ethnically Diverse Population of P-Phenylenediamine-Allergic Individuals. Dermatitis 27:355-361.
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Zuletzt aktualisiert am: 03.05.2018