Gleitmittel

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Gleitcreme; Gleitgel; lubricant (engl.)

Definition

Gleitmittel werden beim Sex von allen Altersgruppen eingesetzt (30% der Deutschen nutzen diese Mittel). Sie haben dann eine medizinische Bedeutung, wenn eine mangelnde Scheidenfeuchtigkeit oder eine Erkrankung der Vulva oder des Penis (z.B. Lichen sclerosus, chronische unspezifische Vulvitis, chronische Balanitis, Scheidentrockenheit bei oder nach der Menopause) den Geschlechtsverkehr beeinträchtigen. Medizinische Gleitmittel werden bei der Diagnostik und Therapie eingesetzt, so beim Einsatz von Kathetern, von Endoskopen und bei digitalen Untersuchungen von Vagina oder Anus.

Gleitmittel vermindern die mechanische Irritation der Schleimhaut beim Geschlechtsverkehr. Starke Reibung kann zu Schmerzen, in Einzelfällen auch zu Erosionen und Rhagaden der Schleimhäute führen. Eine bessere Gleitfähigkeit senkt das Risiko für ein Reißen von Kondomen. Einzelne Gleitmittel werden auch als „Massagegels im Intimbereich“ ausgewiesen.

Einteilung

Gleitmittel gibt es auf Wasserbasis, auf Silikonbasis oder auf Ölbasis:

  • Die wasserbasierten Gleitmittel (die überwiegende Zahl der angebotenen Produkte basieren auf wässriger Basis) bestehen bevorzugt aus entmineralisiertem Wasser, Glyzerin und Quellmittel und sind für die Verwendung mit Kondomen geeignet. Wasserbasierte  Gleitgele haben den Vorteil der leichten Abwaschbarkeit und hinterlassen kaum Flecken. Sie können Konservierungsstoffe wie Propylparaben, Ethyhexylglycerin, Polyhexanid, Phenoxyethanol enthalten. Nicht konservierte wasserbasierte Gleitmittel sind aus allergologischer Sicht als unbedenklich einzustufen.   
  • Gleitmittel auf Silikonbasis eignen sich besonders für längeren Geschlechtsverkehr, auch für den Analverkehr.  Sie bilden, wie auch ölhaltige Gleitmittel, eine Art Film auf dem Schleimhautepithel. Nicht alle Silikon-basierten Gleitgele sind mit Latexkondomen kompatibel. Einzelne enthalten Konservierungsstoffe.
  • Fett-basierte Gleitmittel sind häufig mit Latexkondomen nicht kompatibel. Die Fette bzw. die Fettalkohole (auch als Lipogele bezeichnet) lösen u.U. Latex auf sodass die Gefahr gegeben ist dass Kondome reißen. Häufig werden auch Fette auf Paraffinbasis benutzt. Hinweis: Fett-basierte Gleitmittel verursachen auf der Bettwäsche Fettflecken.

Allgemeine Information

Weitere Zusatzmittel in Gleitmitteln:

Konservierungsmittel die in Gleitmitteln vorkommen: Benzoesäure, Natriumbenzoat, Kaliumsorbat, Parabene, Benzylalkohol, 2-Bromo-2-Nitropropan-13-Diol, Chlorhexidindigluconat, Jodopropyl-Butylcarbamat, Methylchloroisothiazolinon, Methylisothiazolinon, Phenoxyethanol, Imidizolidinyl Urea.

Einzelne Produkte enthalten Zusätze wie Aloe Vera, Vitamin E, Grapefruit-Kernextrakt oder Kiwi-Saftextrakte. Die Sinnhaftigkeit dieser Zusätze ist unklar.

Zusätzlich können Duftstoffe in den Produkten vorkommen. Diese sind aus allergologischer Sicht relevant. 

Vorkommen

Eine Mehrzahl von lesbisch (60.1%) und bisexuell-orientierten (77.1%) Frauen nutzten nach einer großen amerikanischen Studie Gleitmittel. 25.7% der lesbischen und 32.7% der bisexuellen Frauen nutzten diese in den letzten 30 Tagen (Hensel DJ et al. 2015).

Nach einer größeren epidemiologischen Studie nutzten 70% der amerikanischen Männer (n = 1,014) kommerzielle Gleitmittel, 25% der Befragten nutzten Gleitmittel in den letzten 30 Tagen (Reece M et al. 2014).

Hinweis(e)

Grundsätzlich sollte die Kondomverträglichkeit und vor allem die Kondomunverträglichkeit auf der Verpackung des Gleitgels deutlich gekennzeichnet sein. Wer Latexkondome (Cave: auf Latexsensibilisierungen beider Partner ist zu achten) nutzt, muss auch verschiedene  Babyöle oder Vaseline bzw. andere Paraffin-haltige Produkte als Gleitmittel meiden.  

Einzelne Gleitmitteln weisen deutliche Effekte auf die Motilität der Spermien (Reduktion der Spermienmotilität bis zu 30% der ursrpünglichen Werte. Mesen TB et al. 2014) ).   

Literatur
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  1. Hensel DJ et al. (2015) Lifetime Lubricant Use among a Nationally Representative Sample of Lesbian- and Bisexual-Identified Women in the United States. J Sex Med 12:1257-1266.
  2. Mesen TB et al. (2014) Effect of vaginal lubricants on natural fertility. Curr  Opin Obstet Gynecol 26(:186-192.
  3. Mowat A et al.(2014) The effects of vaginal lubricants on sperm function: an in vitro analysis. J Assist Reprod Genet 31:333-39.
  4. Reece M et al.(2014) Men's use and perceptions of commercial lubricants: prevalence and characteristics in a nationally representative sample of American adults. J Sex Med 11:1125-1135. 
  5. Schick VR et al. (2015) Lesbian- and Bisexually-Identified Women's Use of Lubricant During Their Most Recent Sexual Event with a Female Partner: Findings from a Nationally Representative Study in the United States. LGBT Health 2:169-175. 

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Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017