Erdnussallergie L27.- L50.0 K52.1

Zuletzt aktualisiert am: 04.12.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Erdnußallergie

Definition

Die Erdnuss (Arachis hypogaea) gehört zu den Leguminosen (Hülsenfrüchte) und ist der häufigste Auslöser nahrungsmittelinduzierter Anaphylaxien.  

Einteilung

Bisher identifizierte und anerkannte Allergene bei Arachis hypogaea (Erdnuss/Peanut)

  •  Ara h 1 Cupin (Vicilin) Markerallergen, Indikator für Risikosensibilisierung
  •  Ara h 2 Conglutin (Markerallergen, Indikator für Risikosensibilisierung) 
  •  Ara h 3 Cupin (Markerallergen, Indikator für Risikosensibilisierung)  
  •  Ara h 5 Profilin 
  •  Ara h 6 Conglutin (Markerallergen, Indikator für Risikosensibilisierung) 
  •  Ara h 7 Conglutin  
  •  Ara h 8 Pathogenesis-related protein, PR-10-Protein, Bet v 1 family member (Kreuzallergen, Kreuzreaktivität meist bedingt durch eine Bet v 1-Sensibilisierung)
  •  Ara h 9 Nonspecific lipid-transfer protein (Kreuzallergen, Kreuzreaktivität meist bedingt durch Sensibilisierungen von Mitgliedern der nsLTPs) 
  •  Ara h 10 16 kDa Oleosin
  •  Ara h 11 14 kDa Oleosin
  •  Ara h 12 Defensin
  •  Ara h 13 Defensin
  •  Ara h 14 Oleosin
  •  Ara h 15 Oleosin
  •  Ara h 16 non-specific Lipid Transfer Protein
  •  Ara h 17 non-specific Lipid Transfer Protein

Vorkommen/Epidemiologie

Die Prävalenzen für Erdnussallergien liegen in den USA und England bei 1-2% der Bevölkerung. In einer größeren Studie (Burney 2104) lagen die europäischen Extrakt-bedingten Sensibilisierungsraten je nach Land zwischen 0,5% und 5%. Bei Testungen mit Markerallergenen lag die Sensibilisierungsrate deutlich niedriger. Die hohen Sensibilisierungsraten mit den Extrakten erklären sich bei Patienten mit primärer Sensibilisierung gegen Birkenpollen oder Gräserpollen über Kreuzreaktionen durch hoch konservierte Lipidtransferproteine (Ara h 9), Profiline (Ara h 5) oder kreuzreaktive Kohlehydratdeterminanten(CCD) u.a.          

Die Prognose der Erdnussallergie ist schlechter als bei anderen Nahrungsmittelallergien im Kindesalter (z.B. der Milch- oder Eiallergie). Nur ca. 25% der Kinder mit Erdnussallergie entwickeln im Laufe der Jahre eine Toleranz.

Erdnüsse sind in vielen Lebensmitteln versteckt, unter anderem in Schokolade, Gebäck, Soßen, Ölen. Auch Badeöle können Erdnussbestandteile enthalten. Für eine allergische Reaktion genügen schon 100 µg der allergenen Proteine oder der Staub, der beim Öffnen einer Erdnusspackung entsteht.

Die Erdnuss-Allergene Ara h1 und h2 sind hitzestabil und werden durch das Rösten der Erdnüsse eher noch akzentuiert (z.B. bei Ernussflips) allergische Reaktion en auslösen, raffiniertes Erdnussöl dagegen nicht mehr. Es besteht die Möglichkeit einer Kreuzreaktion mit Lupinen, Erbse, Kichererbse und Soja. Die verantwortlichen Allergene fanden sich unter den Speicherproteinen und den Protease-Inhibitoren

Weitere Kreuzallergien sind mit Äpfeln, Birkenpollen (PR-10-Proteine), Gräserpollen (Profiline, CCDs) , Lakritz, Mandeln, Pfirsich (Pru p 3), Platanenpollen, Reis, Walnüssen nd Weizenmehl beobachtet worden.

Ätiopathogenese

Die Speicherproteine Ara h 1, 2, 3,6,7 sind die Hauptallergene bei der primären Erdnussallergie. Spezifisches IgE gegen Ara h2 und Ara h 6 werden in den USA und Mitteleuropa bei Erdnuss-sensibilisierten Kindern und Jugendlichen  zwischen 70% und 90% gefunden. Bemerkenswert ist der Hinweis, dass die Sensibilisierungen gegen diese Speicherproteine nur dann eintreten, wenn die Allergie sich bereits im Kindesalter entwickelt hatte (Ballmer-Weber 2015).

Zu den primären Minorallergenen gehören Allergene aus  der Familie der Oleosine (Ara h 10/11), wobei die Sensibilisierungrate nicht bekannt ist.

Zu den sekundären Allergenen bei Erdnussallergikern gehören v.a. in den Mittelmeerländern Ara h 9 (Lipidtransferprotein), wobei die primäre Sensibilisierung wahrscheinlich über Pru p 3 (Pfirsichallergen) oder Pla a 1 (Platanenallergen) zustande kommt.

Sekundäre Sensibilisierungen gegen Ara h 8 (PR-10-Protein)  und Ara h 5 (Profilin) beruhen auf vorausgegangenen Pollensensibilisierungen. Ara h 8 beispielsweise ist homolog mit Bet-v 1 dem Majorallergen der Birke. So erklärt sich auch ein deutliches Nord-Süd-Gefälle bei Ara h 8 - Sensibilisierungen (Lange 2015).          

Verlauf/Prognose

Neuere Wertungen zu Erdnussallergien lassen sich aus der LEAP (learn early about peanuts) -Studie bei 640 Kindern ziehen: Nicht die Meidung von Allergenen (bei der Vermeidungsgruppe lag die Sensibilisierungsrate gegen Erdnüsse bei 35,7%), sondern der frühzeitige und permanente Erdnusskonsum (Sensibilisierungsrate bei der Erdnusskonsumgruppe lag bei 10,6%) schützt vor Erdnussallergie (du Toit  2015).  

Protektiv wirkte sich in einer größeren Studie (Pitt et al. 2018) der Verzehr von Erdnüsssen der Mutter während der Stillzeit aus (Sensibilisierungsrate 1,7%). Die Inzidenz war signifikat höher, wenn die Mütter während der Stillzeit Erdnüsse zu sich nahmen, den Kindern aber im ersten Lebensjahr der Verzehr versagten (Sensibilisierungsrate 151%), oder wenn die Mütter selbst Erdnüsse mieden, dem Kind jedoch im ersten Lebensjahr Erdnüsse zum Verzehr gaben (17,6%).  

 

Hinweis(e)

Folgende Begriffe der Zutatenliste können auf die Verwendung von Erdnüssen hinweisen: Erdnuss, Erdnusseiweiß, Erdnussmus, Erdnussbutter, Erdnusscreme, Erdnussöl, pflanzliches Eiweiß, Lecithin (E 322), pflanzliches Fett. Lecithin und pflanzliches Fett können auch anderen Ursprungs sein.

Für den Ernuss-Allergiker ist folgendes zu beachten:

  • Überprüfen Sie beim Einkauf immer die Zutatenliste der Produkte und meiden Sie Produkte, die Erdnussbestandteile enthalten bzw. enthalten können.
  • Bei Schokolade müssen Zusätze unter 5% nicht angegeben werden.
  • Brot, Brötchen und Backwaren können Erdnussbestandteile enthalten oder mit diesen kontaminiert sein.
  • Bei loser Ware wie Wurst oder Brot muss keine Zutatenliste beigefügt werden.
  • Erdnüsse werden häufig in der asiatischen/mexikanischen und afrikanischen Küche verwendet (z.B. Erdnusssoße).
  • In Gewürzzubereitungen wie Currypulver darf bis zu 10% Leguminosenmehl (s.a. Kreuzreaktion zu Lupine) enthalten sein.
  • Erdnusskontaminationen können überall dort auftreten, wo Erdnüsse verwendet werden, also in Restaurants, Bäckereien, Fleischereien, Eisdielen, Fast-Food-Ketten.
  • Kindernahrungsmittel können Erdnussbestandteile unter den Begriffen "pflanzliches Eiweiß" oder "pflanzliches Fett" enthalten.
  • Kaltgepresste Öle anderer Pflanzen (Sonnenblumenöl etc.) können mit Erdnussbestandteilen kontaminiert sein.
  • Erdnussbestandteile können in umkapselten Medikamenten vorkommen, so u.a. im Kapselmaterial von Isotretinoin.

 

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Ballmer-Weber BK et al.(2015) IgE recognition patterns in peanut allergy are age dependent: perspectives of the EuroPrevall study. Allergy 70: 391- 407
  2. Blümchen K et al. (2010) Oral peanut immunotherapy in children with peanut anaphylaxis. J Allergy Clin Immunol 126: 83-91
  3. Burney PG et al (2014) The prevalence and distribution of food sensitization in European adults. Allergy 69:365-371.
  4. Du Toit G et al.(2015) Randomized trial of peanut consumption in infants at risk for peanut allergy. N Engl J Med 372:803-813.
  5. Du Toit G et al.(2016) Effect of Avoidance on Peanut Allergy after Early Peanut Consumption.
    N Engl J Med 374:1435-1443.
  6. Lange L et al.  (2015) Molekulare Diagnostik bei Erdnussallergie: Lipid-Transfer-Proteine. In: Kleine-Tebbe J et al. Hrsg Molekulare Allergie-Diagnostik. Springer Verlag Berlin-Heidelberg S 205-216.
  7. Pitt TJ et al. (2018) Reduced risk of peanut sensitization following exposure through breast-feeding
    and early peanut introduction. J Allergy Clin Immunol 141:620-625.e1. 
     

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

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