Duftstoffe (Übersicht)

Zuletzt aktualisiert am: 19.01.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

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Synonym(e)

Duft (INCI); Fragrance; Parfum

Allgemeine Information

Duftstoffe sind ubiquitär verbreitet. In der Duftstoffindustrie werden ca. 3000 verschiedene Duftstoffe verarbeitet. Ein Parfum kann aus bis zu 300 oder mehr verschiedenen Duftstoffen bestehen. Die EG-Kosmetikverordnung Nr.1223/2009 schreibt für Duftstoffe keine exakte Deklaration vor. In der Regel werden Duftstoffe als Sammelbezeichnung "Duft"  oder Parfum genannt. Eine Ausnahme stellen die 26 allergieauslösenden Duftstoffe, die, wenn sie eine bestimmte Konzentration überschreiten, einzeln genannt werden müssen.  

Duftstoffe werden unterteilt in synthetische und natürliche, wobei letztere als Balsame sowie Extrakte pflanzlichen Ursprungs bzw. als essentielle oder volatile, ätherische Öle  pflanzlichen, tierischen oder fossilen Ursprungs sind.

Duftststoffe gehören zu den häufigen  Kontaktallergenen. In der Epikutantestung werden 2 Duftstoff-Mixe (Duftstoff-Mix und Duftstoff-Mix II) eingesetzt, mit denen etwa 70-80% aller Duftstoffsensibilisierungen aufgedeckt werden können.

Die Diagnostik einer Duftstoffsensibilisierung (s.u.Duftstoffallergie) wird nicht nur durch die Vielzahl möglicher relevanter Duftstoffe erschwert, sondern auch durch, nicht selten beobachtete, falsch-positive bzw. falsch-negative Testreaktionen.

Bei ca. 60% der Fälle mit einfach positiver Reaktion gegenüber dem Duftstoffmix kann in der Testung der Einzelsubstanzen keine positive Testreaktion zugeordnet werden. Bei 2 positiven Reaktionen gegenüber den Duftstoffmixen sind in der Testung der Einzelsubstanzen bei 70% der Fälle positive Reaktionen nachweisbar. Bei 3fach positiver Reaktion in Duftstoffmixen  sind in der Testung der Einzelsubstanzen bei > 90% der Fälle positive Reaktionen nachweisbar.

Relevante berufliche Expositionen: Berufsbedingte allergische Kontaktekzeme durch Duftstoffe sind selten und ungewöhnlich, kasuistisch aber in vielen Berufsgruppen beschrieben. Daher ist bei der Einschätzung einer MdE bei berufsbedingter Typ-IV-Sensibilisierung und positiver Reaktion gegenüber den Duftstoffmixen eine Aufschlüsselung der Einzelkomponenten erforderlich.

Auswirkung einer Allergie: In der Regel "geringgradig", bei multiplen Duftstoff-Sensibilisierungen bzw. klinisch hochgradiger Sensibilisierung gegenüber einem einzelnen Duftstoff "mittelgradig". Letztere ist eigens zu begründen. Hinweis für eine entsprechende klinisch hochgradige Sensibilisierung können z.B. ein aerogenes allergisches Ekzem bzw. ein allergisches Ekzem bereits auf Spuren eines einzelnen Duftstoffes sein.

Duftstoffe sind im Hinblick auf ihre Allergenpotenz sehr heterogen.

Besonders potente Allergene sind:

Als weniger bedeutende Allergene eingestuft werden:

Als seltene Sensibilisatoren gelten:

Deklarationspflicht: Seit 2005 müssen 26 häufige Duftstoffe auf den Verpackungen von Kosmetika deklariert werden, wenn sie im Produkt mehr als 100ppm (rinse-off = von der Haut abzuspülende Substanzen) bzw. 10ppm (leave-on = auf der Haut verbliebenen Substanzen) enthalten sind (zit. n Geier et al.)

Komplikation

Seit 2005 müssen laut Kosmetikverordnung in Pflege- und Reinigungspräparaten 26 allergene Duftstoffe, die in ätherischen Ölen oder in Parfüms vorkommen können, auf der Verpackung deklariert werden, und zwar ab einem Gehalt von 0,001 % bei Produkten, die auf der Haut verbleiben („Leave On“-Produkte) und ab 0,01 % für jene, die wieder abgenommen werden („Rinse Off“-Produkte).

Hinweis(e)

Epikutantestung: Duftstoffe kommen in der Standardreihe der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe (DKG) der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) als Duftstoff-Mix 8% in Vaseline und Duftstof-Mix II 14% in Vaseline zur Testung. Die Epikutantestsubstanz des Duftstoff-Mixes ist ein Gemisch aus Zimtalkohol, Zimtaldehyd, Eugenol, alpha-Amylzimtaldehyd, Hydroxycitronellal, Geraniol, Isoeugenol und Eichenmoos absolue. Die Epikutantestsubstanz des Duftstoff-Mix II besteht aus alpha-Hexylzimtaldehyd, Citral, Citronellol, Cumarin, Farnesol und Hydroxymethylpentylcyclohexencarboxaldehyd (Lyral).

Trotz gut standardisierter Testreihen kann ein beträchtlicher Teil der Duftstoffallergien nur durch Testung der verwendeten Produkte aufgedeckt werden.

Friseure und in Gesundheitsberufen Tätige zeigen gegenüber Duftstoff-Mixen überdurchschnittlich hohe Sensibilisierungen.

Im Bäcker- und Konditorhandwerk können Eugenol, Isoeugenol, Zimtaldehyd, Vanillin und Geraniol relevant sein; Arbeiter in der Kosmetikindustrie können gegen verschiedenste Duftstoffe sensibilisiert sein.

Bei in der Zahnheilkunde Tätigen besteht ein erhöhtes Expositionsrisiko gegenüber Eugenol (Verwendung in Dentalgrundstoffen und Füllmaterialien, Mundwässern und Antiseptika).

Wood-cutters disease: Kontaktekzeme gegen Eichenmoosinhaltsstoffe insbes. bei Jägern, Straßenbau- und Eisenbahnarbeitern, Landwirten und Botanikern.

Bei Automechanikern sind Typ-IV-Sensibilisierungen gegenüber dem Duftstoff Limonen beschrieben (Verwendung in Handwaschpasten, Reinigungs- und Entfettungsmitteln).

Duftstoffmix ist eines der häufigsten Kontaktallergene bei Ulcus cruris venosum Patienten.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Diepgen TL et al. (2005) Evidenzbasierte Beurteilung der Auswirkung von Typ-IV-Allergien bei der Minderung der Erwerbsfähigkeit - Begutachtung berufsbedingter Hautkrankheiten. Hautarzt 56: 207-223
  2. Diepgen TL et al. (2008) Beurteilung der Auswirkung von Allergien bei der Minderung der Erwerbsunfähigkeit im Rahmen der BK 5101: Thiurame, Mercaptobenzothiazole, Dithiocarbamate, N-Isopropyl-N'-phenyl-p-phenylendiamin. Dermatologie in Beruf und Umwelt 56: 11-24
  3. Frosch PJ et al. (2005) Patch testing with a new fragrance mix detects additional patients sensitive to perfumes and missed by the current fragrance mix. Contact Dermatitis 52: 207-215
  4. Frosch PJ et al. (2005) Patch testing with a new fragrance mix - reactivity to the individual constituents and chemical detection in relevant cosmetic products. Contact Dermatitis 52: 216-225
  5. Geier J (2015) Duftstoffallergie. JDDG 13 (Suppl1) 15
  6. Geier J et al. (2015) Diagnostik der Duftstoffallergie. Hautarzt 66: 674-679
  7. Lim KS et al. (2007) Contact sensitization in patients with chronic venous leg ulcers in Singapore. Contact Dermatitis Feb 56: 94-98
  8. Skudlik C, John SM, Becker D, Dickel H, Geier J, Lessmann H, Mahler V, Rogosky E, Wagner E, Weisshaar E, Diepgen TL, für die Arbeitsgruppe "Bewertung der Allergene bei BK 5101" der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie in der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (2008) Begründung für die Beurteilung einer Duftstoffallergie (Allergene des Duftstoff-Mix, Allergene des Duftstoff-Mix II, Lyral) im Rahmen der MdE-Bewertung. [Justification for the evaluation of fragrance allergies (allergens of fragrance mix, allergens of fragrance mix II, Lyral) in the context of the evaluation of the reduction in earning capacity]. Dermatol Beruf Umwelt 56: 25-30
  9. Uter W et al. (2007) Patch test results with patients own perfumes, deodorants and shaving lotions: results ot the IVDK 1998 - 2002. JEAVD 21: 374-379
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