Dermatitis medusica L24.8

Synonym(e)

Caribbean itch; Dermatitis Quallen; Irukandji-Syndrom; jelly fish dermatitis; Jellyfish dermatitis; Portugiesische Galeere; Quallen-Dermatitis; Seabather's eruption; Seewespe

Definition

Toxisches Dermatitis nach Kontakt mit Quallen unter Ausbildung streifiger oder gruppierter, stark juckender oder brennender Erytheme oder Papulovesikel an den Kontaktstellen, u.U. mit Auftreten tiefer Nekrosen. Die Schwere der Erkrankung ist abhängig von der Quallenart, der Dauer und Intensität des Kontaktes, der Körperstelle und der individuellen Empfindlichkeit. Es kann zu allergischen Reaktionen (Kreuzallergene!) bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen.

Einteilung

Nesseltiere und die wichtigsten für den Menschen relevanten Vertreter

Blumentiere (Anthozoen)

Mit über 7000 Arten ist dies die größte Klasse innerhalb der Nesseltiere.  Bekanntester Vertreter sind die Seeanemonen, die als „blumenartige“ Polypen auf festem Untergrund wachsen. Sie kommen in allen Meeren vom Flachwasser bis zu 10.000 m Tiefe vor. Die Neurotoxine  dieser Quallenart sind für den Menschen unbedenklich.

Eine leichte Vernesselung führt zur Quaddelbildung an den Kontaktstellen.  Eine schwere Vernesselung führt zur Blasenbildung und u.U. zur Narbenbildlung. Systemische Reaktionen sind eher selten.  

Schirmquallen (Scyphozen)

Schirmquallen treten weltweit auch in Nord - und Ostsee in größeren Mengen auf. Hier ist sind die häufigsten Vertreter Ohren- und Feuerquallen.  

Ohrenquallen

Besucher an Nord- und Ostsee bekommen diese harmlosen Quallen mit dem großen Schirm häufig  zu sehen. Das Gift der Ohrenquallen führt beim Menschen nicht zu einer spürbaren Hautreaktion.

Gelbe Haarqualle (Feuerqualle)

Diese Quallenart tritt im Nordatlantik sowie in der Nordsee und in der westlichen Ostsee auf. Charakteristisch ist ihr gelb-orangener Schirm, sowie lange Tentakeln. Die Vernesselung führt zu schmerzhaften Rötungen und Juckreiz; seltener sind blasige Reaktionen oder Herz-Kreislauf-Probleme.

Therapie: Zur Beseitigung der Tentakeln in der Haut sollten die Kontaktstellen mit trockenem Sand bestreut werden, der dann angetrocknet, mit einer Scheckkarte oder einem Messerrücken abgeschabt wird (dabei werden die Tentakeln abgerieben).  Abspülen mit Süß-oder Salzwasser sollte unterlassen werden, da dies unweigerlich zur Entladung der noch in der Haut steckenden intakten Nesselzellen führt! Alternativ zu Sand kann auch Rasierschaum verwendet (am Strand voraussehbar nicht vorhanden) werden, der dann mit einem Nassrasierer vorsichtig abgeschabt wird.

 

Würfelquallen(Cubozoen)

Namensgebend ist ihre quader- oder würfelförmige Gestalt. Ihre Tentakel können bis zu 3 m lang sein. Sie bevölkern weltweit alle tropischen und subtroischen Meere und sind schnelle Schwimmer. Vereinzelt wurden sie auch vor der portugiesischen Küste wie auch im Mittelmeer angetroffen.

Carukia barnesi

Carukia barnesi, eine sehr kleine Würfelqualle, deren Schirm kaum mehr als 1,0 cm groß ist, löst bei Hautkontakt das Irukandji-Syndrom aus, mit  heftigen Tage bis Wochen anhaltenden abdominal ausstrahlenden Rückenschmerzen. Todesfälle sind nicht bekannt

Seewespen (Chironex fleckeri)

Der bekannteste Vertreter der Würfelquallen ist die Seewespe , die gehäuft an der Nord- und Ostküste Australiens auftritt. Die Seewespe gilt als das giftigste Meerestier überhaupt. Jedes Jahr sterben mehr Menschen an den Folgen einer Seewespen-Vernesselung als durch Haiangriffe! Das neurotoxisch wirkende Gift führt zu einer Lähmung der Skelett-und Herzmuskulatur und je nach Ausmaß der Vergiftung zum Herzstillstand.

Unmittelbar nach dem Kontakt mit den Nesselfäden tritt ein vernichtender Schmerz an den Kontaktstellen auf, der wellenförmig im Viertelstundentakt zu- und  abnimmt. Kardiale Funktionsstörungen mit Arrhythmien sowie eine respiratorische Insuffizienz können rasch zu Herzversagen und Atemstillstand führen (plötzlicher Ertrinkungstod).

An den Kontaktstellen entwickeln sich äuß0erst schmerzhafte striemenartige  urtikarielle, auch klein-oder großblasige Läsionen. Häufig kommt es zu Nekrosen und  Wundheilungsstörungen und analoger Narbenbildung.  Langwährende Schmerzen, evtl. auch dauerhafte Lähmungserscheinungen können die Folge sein.

Die Seewespensaison dauert von November bis Mai. In dieser Zeit sollte auf das Baden in Seewespen-reichen Meeren verzichtet werden.  Am Strand angeschwemmte Seewespen sollten nicht berührt werden. Die Nesselzellen bleiben über Wochen, auch bei ausgetrockneter Qualle noch intakt.

Therapie:  Therapie der Wahl ist die sofortige Lokalbehandlung mit 5% Weinessig (stoppt die Gefahr der Explosion der noch in der Haut  steckenden Nesselorgane. Notfalls kann auch Sand auf die Kontaktstellen aufgestreut werden. Die Anwendung von Salz-oder Süßwasser sollte unterbleiben. In den Kliniken der Region steht ein Antivenom  (Box Jellyfish Antivenom)  zu Verfügung, das von erfahrenen Therapeuten verabreicht werden sollte.

 

Hydratiere (Hydrozoen)

Wichtigster Vertreter ist die Portugiesischen Galeere (Physalia physalis), die vor Australien und an den Küsten des Pazifiks und Atlantiks lebt. Ihr Nesselgift kann bei geschwächten Personen oder Kindern im Extremfall tödlich sein. Auch wenn die Form dieser Quallenart  an eine klassische Qualle erinnert, so besteht sie jedoch aus einer ganzen Kolonie verschiedener Polypenkolonien. Physalia physalis kommt vorzugsweise in den tropischen und subtropischen Regionen (auch vor den Küsten der Kanaren, Portugals, Nordspaniens sowie im Mittelmeer vor Mallorca und Ibiza) vor. Ihre Tentakel sind bis zu 30 m lang.

Leichte Vernesselung  führt zu sehr schmerzhaften, striemenartigen urtikariellen Reaktionen. Der Schmerz hält etwa 1 Stunde an, die  urtikarielle Läsion 1 Tag.

Schwere Vernesselung  verursachen Blasen im Kontaktareal, auch hämorrhagische  Blasen. Weiterhin Systemreaktionen wie Erbrechen, Fieber, Somnolenz  und Schock. Todesfälle sind selten und betreffen meist nur immungeschwächte ältere Menschen oder Kinder.

Therapie: Abwaschen mit 5% Weinessig.  Nicht mit Süßwasser oder Meereswasser abwaschen. Notfalls mit Sand abreiben.

 

                  

 

 

Therapie

Therapie allgemein

Prophylaxe

Aufklärung über Sofortmaßnahmen. Das Tragen von Seidenstrümpfen in risikoreichen Gewässern wird von einigen Autoren als Schutz für die (besonders exponierten) Beine empfohlen.

Merke! Zu vermeiden nach Exposition sind: Süß-oder Salzwasserwasser (kein Abduschen!), nasser Sand, mechanische Manipulationen.

Fallbericht(e)

  • Ein 35-jähriger Urlauber bemerkte beim Baden im seichten Wasser einer Bucht im Südwesten der Kanarischen Insel Gran Canaria plötzlich einen stechenden Schmerz am Fußrücken, als ob ihn ein scharfer Gegenstand gestreift habe.
  • Befund: Unmittelbar nach Verlassen des Wassers bildete sich ein streifiges, blasses leicht urtikarielles Erythem aus. Zunahme des Erythems und des stechenden Schmerzes in der nächsten halben Stunde. Nach 6 Stunden streifige urtikarielle Papeln und Blasen.
  • Diagnose: Toxische Dermatitis durch Physalia physalis (portugiesische Galeere).
  • Therapie: Nach 3 Tagen unter Lokaltherapie mit Glukokortikoid-Salben komplette Abheilung der Erscheinungen.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Golsch S et al. (1996) Spätreaktion nach Quallenverletzung. Akt Dermatol 22: 12-16
  2. Haddad V Jr et al. (2001) Seabather's eruption: report of five cases in southeast region of Brazil. Rev Inst Med Trop Sao Paulo 43: 171-172
  3. Heeger T et al. (1992) Protection of human skin against jelly-fish (Cyanea capillata) stings. Mar Biol 113: 669-678
  4. Kasten R et al. (2004) Toxische Kontaktdermatitis durch Physalia physalis (Portugiesische Galeere). Akt Dermatol 30: 223-225
  5. Montag A (2016) Quallen -ihre giftigen Vertreter und die Behanldung ihrer Vernesslungsfolgen. Derm 22:94-102
  6. Raupp U et al. (1996) Fallstudie einer Quallenverletzung. Hautarzt 47: 47-52
  7. Segura-Puertas L et al. (2001) One Linuche mystery solved: all 3 stages of the coronate scyphomedusa Linuche unguiculata cause seabather's eruption. J Am Acad Dermatol 44: 624-628
  8. Sansone EM (2003) Caribbean itch. J Fam Pract 52: 627-629

Weiterführende Artikel (3)

Quallen; Schock anaphylaktischer; Wundbehandlung;

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Zuletzt aktualisiert am: 24.10.2017