Dermatitis kontaktallergische L23.0

Zuletzt aktualisiert am: 29.07.2018

Autoren: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Dr. med. Nikolas Bounas-Pyrros

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Synonym(e)

ACD; Allergic contact dermatitis; Contact dermatitis allergic; Dermatitis kontaktallergische; Ekzem kontaktallergisches; Kontaktallergie; Kontaktallergische Dermatitis; Kontaktallergisches Ekzem; Kontaktdermatitis allergische; Kontaktekzem allergisches, Contact eczema

Definition

Durch Kontakt von örtlich einwirkenden Allergenen ausgelöste, akute, subakute oder chronische Dermatitis (meist bei Typ IV-Allergie -s.a. Allergie, Typ IV-Reaktion). Im Gegensatz zu einer toxischen Kontaktdermatitis  setzt die allergische Kontaktdermatitis eine Sensibilisierung voraus. 

Das Ausmaß der Hautentzündung hängt von dem Grad der Sensibilisierung und der Intensität (Dauer, Okklusion, Feuchtigkeit, Druck, Lokalisation) des Allergenkontaktes ab. 
Selten löst eine Soforttyp (Atopie-Patch-Test, Typ IV-Reaktion auf Typ I-Allergene)- Reaktion eine allergische Kontaktdermatitis  aus.

Einteilung

Zu unterscheiden sind eine:

  • Akute allergische Kontaktdermatitis (akutes allergisches Kontaktekzem)
  • Chronische allergische Kontaktdermatitis (durch repetierenden Kontakt mit dem auslösenden Allergen entstanden; später eigendynamischer Verlauf durch eine sich einstellende unspezifische Reizbarkeit der Haut) 

Vorkommen/Epidemiologie

Die Erkrankung gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen in Deutschland. Prävalenz: 5-15% (je nach Methode) der Gesamtbevölkerung. Bei den Kontaktdermatitiden insgesamt (allergisch+toxisch) werden etwa 80% als toxisch-irritativ eingestuft, 20% als allergische Kontaktdermatitiden.  

Ätiopathogenese

Klinisches Bild

24-48 Stunden nach Allergenkontakt bildet sich zunächst an der Kontaktstelle, später über das Kontaktareal hinausgehend, ein meist unscharf begrenztes, deutlich juckendes, entzündliches, Erythem, das von kleinsten Bläschen oder auch kleinsten Knötchen durchsetzt ist. Mit zunehmender Zeitachse entwickelt sich eine entzündliche Plaque, mit Bläschen, Erosionen, Papeln, auch flächigem Nässen.  

Auch nach Entfernen des Kontaktallergens kann sich die entzündliche Reaktion noch weiter verstärken (Crescendo-Reaktion). Eine schwere kontaktallergische Dermaitis ist durch große Blasen, nach deren Platzen durch flächige Erosionen, Nässen und Krustenbildungen gekennzeichnet.

Die Abheilung erfolgt unter einer eher groblamellösen Abschuppung der Haut.

Ist das Allergen nicht bekannt und kommt es zu wiederholtem Allergenkontakt so führt dies zu einer chronischen Dermatitis (chronisches Ekzem), mit zunächst lokalen Streuphänomenen; bei starker Sensibilisierung kann es auch zu generaliserten Streuphänomnen  kommen. 

Das Bild der chronischen kontaktallergischen Dermatitis unterscheidet sich deutlich von der akuten Reaktion. Jetzt imponiert ein eher vielgestaltiges Bild mit flächigen, lichenifizierten, schuppigen, grau-roten Plaques durchsetzt von Erosionen, Schuppenkrusten, Rhagaden.

Bei diesen chronifizierten Hautentzündungen wird der Zusammenhang mit dem "eigentlich" auslösenden Agens zunehmend verschleiert, er muss mühsam anamnestisch eruiert werden.             

Therapie

Meiden der auslösenden Noxe. Möglichst rasch Salbenverträglichkeitstestung (Epikutan-, Läppchentest, Quadrantenversuch), Meiden von unverträglichen Inhaltsstoffen, z.B. in Kosmetika (s.a.u. INCI-Kennzeichnung). Möglichst indifferente Grundlagen. Insbes. Wollwachs und Wollwachsalkohole meiden.

Externe Therapie

Akute Kontaktdermatits: Entsprechend dem Stdium der Hautenzündung  initial mittelstarke bis starke Glukokortikoide in wässriger Grundlage wie 0,1% Amcinonid als Creme oder Lotio (z.B. Amciderm), 0,1% Hydrocortisonbutyrat (z.B. Laticort Creme), 0,25% Prednicarbat (z.B. Dermatop Creme/Salbe), 0,1% Mometason (z.B. Ecural Creme/Salbe), zudem feuchte Umschläge mit NaCl-Lösung, bei Anhalt für Superinfektion mit antiseptischem Zusatz wie Chinolinol (z.B. Chinosol 1:1000), R042 oder Kaliumpermanganat (hellrosa).
Im vesikulösen Stadium besser fett-feuchte Behandlung mit z.B. Hydrocortison 1% in Vaselinum alb.(Hydrocortison-Salbe 1%) und feuchten Umschlägen, ggf. Baumwollhandschuhe.

Chronische Kontaktdermatitis: Initial Glukokortikoide extern mit mittlerer bis starker Wirksamkeit in möglichst fetter Grundlage wie 0,1% Amcinonid (z.B. Amciderm Salbe/Fettsalbe), 0,25% Prednicarbat (z.B. Dermatop Salbe/Fettsalbe), 0,1% Hydrocortisonbutyrat (z.B. Laticort Creme), bei stark schuppenden-hyperkeratotischen Formen auch unter Okklusion. S.a.u. Ekzem, Handekzem.
Seifen und Waschmittel weglassen, Reinigung mit Öl-haltigen Bädern (Balneum Hermal, Balmandol, Linola Fett Ölbad). Versuch mit antiphlogistischen Externa wie Pix lithanthracis 2%. Nachbehandlung mit rückfettenden Externa in verträglicher Grundlage (Alfason repair, Linola Fett, Vaselinum alb., Excipial Mandelölsalbe), ggf. Zusatz von 2-10% Harnstoff (z.B. Eucerin Urea, Basodexan Fettcreme/Salbe, R102 ). Ggf. auch Zarzenda Creme (international bekannt als Atopiclair) anwenden. Hierbei handelt es sich um eine steroidfreie Multikomponenten-Creme mit stark juckreizlindernder, antientzündlicher Wirkung (2mal/Tag auftragen).

Interne Therapie

Akute Kontaktdermatitis: Bei hochakuten Verläufen Glukokortikoide wie in mittleren bis hohen Dosierungen, z.B. Prednison 100-150 mg/Tag i.v. Umstellung auf orale Therapie, rasche Dosisreduktion und Ausschleichen entsprechend des klinischen Befundes innerhalb von 1 Woche. Zusätzlich Antihistaminika wie Desloratadin (z.B. Aerius) 1-2 Tbl./Tag oder Levocetirizin (z.B. Xusal) 1-2 Tbl./Tag. S.a.u. Ekzem.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

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