Bronchitis chronisch-obstruktive J44.99

Synonym(e)

Chronic obstructive pulmonary disease; Chronisch obstruktive Lungenkrankheit; COPD; Lungenkrankheit chronisch-obstruktive

Definition

Erkrankung die verhindert und behandelt werden kann, die charakterisiert wird als eine "chronische, nicht vollständig reversible und typischerweise progrediente Atemwegsobstruktion". Es besteht eine pathologische Entzündungsreaktion auf Partikel oder Gase v.a. auf Zigarettenrauch. Die COPD ist assoziiert mit einer abnormen Entzündungsreaktion, die durch Partikel und Gase ausgelöst und in Europa in erster Linie durch Zigarettenrauch verursacht wird. 

Vorkommen/Epidemiologie

m:>w;  Prävalenzen für Mitteleuropa: etwa 13% der Bevölkerung > 40 Jahre. Bevorzugt sind männliche Raucher betroffen > 40 Jahre mit langjähriger Raucheranamnese. Die Prävalenz ist in den Industriestaaten ansteigend. In der Mortalitätsstatistik belegt die COPD weltweit den 3. Platz (nach Schlaganfall und KHK)

Ätiopathogenese

Multifaktoriell.

Inhalationsrauchen mit nahezu 90%  der Fälle häufigste Ursache der COPD. Rauchen begünstigt über Schleimhautirritationen und Lähmung des Zilientransportes Atemweginfektionen. Etwa 20% der Inhalationsraucher entwickeln eine COPD.

Unterschiedlicher Umweltfaktoren wie SO2, Stickoxide, Feinstaubbelastungen u.a.

Für Bergleute im Steinkohlebergbau wird eine nach dem 31.12.1992 aufgetretene Chronische obstruktive Bronchitis oder Emphysem (Bergmannsbronchitis) nach der Berufskrankheit BK-Nr. 4111 entschädigt. Voraussetzung ist ein Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Dosis von in der Regel 100 Feinstaubjahren (mg/m3) x Jahre.

Weiterhin rezidivierende virale und bakterielle Atemwegsinfekte

Endogene Faktoren wie:

  • fehlende oder geringe mukoziliäre Clearance, sog. dyskinetische Ziliensyndrome (Kartagener-Syndrom - selten)
  • Immundefizienzen wie IgA- und IgG-Mangel, zelluläre Abwehrschwächen.
  • Alpha1-Antitrypsinmangel (Hinweis: alle Patienten mit COPD <50 Jahre sind auf ein alpha1-Antitrypsinmangel zu untersuchen.

Eine chronische Bronchitis kann symptomatisch begleitend bei versch. kardialen und pulmonalen Erkrankungen wie Silikose, Linksherzinsuffizienz, Tuberkulose, Bronchiektasen auftreten.

Klinisches Bild

Leitsymptome: AHA-Symptome: Atemnost, Husten (morgendlich gehäuft auftretenden Husten  - Raucherhusten), Auswurf. Eitriges Sekret bei bakterieller Superinfektion.

Bei einer „einfachen“ chronischen Bronchitis ist der Allgemeinzustand in der Regel gut und kaum durch Atemnot beeinträchtigt. Bei Progression der chronischen Bronchitis zunehmende Atemnot, evtl. morgendliche Kopfschmerzen. Durch das erschwerte Atmen kann es zu Gewichtsverlust und zu einer erheblichen Leistungsminderung kommen.

Bei körperlicher Anstrengung Tachypnoe und Atemnot.

Auskultatorisch: meist trockene, bei größeren Sekretmengen auch feuchte RGs, bei Obstruktion verlängertes Exspirium mit Giemen und Brummen. 

 

Bildgebung

Röntgen- oder CT-Untersuchung der Thoraxorgane

Labor

Unspezifisch, Entzündungsparameter wie BSG/CRP erhöht, IgE, ECP aus DD-Gründen, Blutbild, Hämatokrit, Blutgasanalyse.

Bei eitrigem Auswurf bakteriologische Sputumuntersuchung mit Antibiogramm

Ausschluß Immunmangelerkrankungen (Immunglobuline quantitiav), Alpha1-Antitrypsin-Mangel (v.a. Pat. <45 Jahre und/oder COPD in der Familie).  

Differentialdiagnose

Bronchialkarzinom, Lungentuberkulose, Bronchiektasen, Asthma bronchiale.

Komplikation

AECOPD (Akute Exazerbation einer COPD): Akute, über das normale Maß der Tagesschwankungen hinausgehende (>24 Stunden) Zunahme von Atmenot, Husten und/oder (eitrigem, gelb-grünlichem) Auswurf, in schweren Fällen bis zum akuten Asthmaanfall. Häufung in der kalten Jahreszeit. 

AECOPD, schwere: Tachypnoe, zentrale Zyanose, Einsatz der Atemhilfmuskulatur, periphere Ödeme, Bewusstseinstrübung bis Koma 

Spätkomplikationen: Bei weiterer Progredienz zunehmende Zeichen einer respiratorischen Globalinsuffizienz, mit Cor pulmonale und Rechtsherzinsuffizienz, Zeichen der chronischen Hypoxämie (Zyanose, Trommelschlegefinger, Uhrglasnägel); erhöhte Gefahr eines Bronchialkarzinoms.     

Komorbiditäten: Infektanfälligkeit gesteigert (Cave: Jeder beginnende Atemwegsinfekt muss unverzüglich antibiotisch behandelt werden), Lungenemphysem, Bronchiektasen 

 

Therapie allgemein

Interne Therapie

Naturheilkunde

Chronisch obstruktive Bronchitis, unproduktiver Husten

Praxisbewährt sind Arzneidrogen wenn eine antitussive und broncholytische Therapie notwendig ist.

Stark wirksame Antitussiva sind die aus dem Opium gewonnenen Reinalkaloide Codein und Noscapin. Sie dürfen nur kurzfristig angewendet werden.

Folgende Arzneidrogen sind bei unproduktivem Husten angezeigt:

  • Trockener krampfartiger Husten: Hedera folium (= Efeublätter: Beispiel: Prospan 20-20-20 Tr.)
  • Akute Hustenanfälle mit beginnender Schleimbildung: Primulae radixThymi herba = Primelwurzel/Thymiankraut: Beispiel: Bronchipret TP 1-1-1 Filmtabl.)
  • Anhaltender Reizhusten, geringe Schleimbildung: Plantaginis lanceolatae herba = Spitzwegerichkraut (Broncho Sern Sirup 1-1-1 Tbl)
  • Krampfartige Hustenanfälle mit wenig Schleimbildung: Sonnentaukraut (Makatussin Tropfen Drosera 20-20-20Tr)

Folgende Arzneidrogen sind bei produktivem Husten angezeigt:

  • Krampfartiger Husten mit Verschleimung: Hedera folium (Efeublätter), Thymi herba (Thymiankraut);  Beispiel: Bronchipret 40-40-40 Tr.
  • Akute Hustenanfälle mit starker Schleimbildung: Primelwurzel/Thymiankraut/Spitzwegerichkraut (Beispiel: Bronchicum Elexier S Saft 1-1-1-1 Teelöffel)
  • Anhaltender Husten, mit zäher Schleimbildung: Thymiankraut (Aspecton 20-20-20-20 Tr.)
  • Anhaltender Husten, mit zäher Schleimbildung und Fieber: Kapuzinerkresse, Meerretichwurzel (Angocin Anti-Infekt 4-4-4 Tbl.)

Medikamente zur Inhalation und Einreibung: 

Diese bewirken eine anhaltende Förderung der Durchblutung im Brustraum. Hierdurch kann eine Sekretoylse gefördert werden. Unterstützend kann zusätzlich ein warmer Brustwickel angelegt werden. 

Bei anhaltendem Husten, mit zäher Schleimbildung

  • Eukalyptusöl, Fichtennadelöl, Pfefferminzöl: (Bronchoforton® Salbe, mehrfach täglich Brust und Rücken einreiben) 
  • Eukalyptusöl, Kiefernadelöl, Levomenthol (Pinimenthol® N Erkältungssalbe, mehrfach täglich Brust und Rücken einreiben)
  • Campher, Eukalyptusöl, Levomenthol (Tumrol-N-Balsam®, mehrfach täglich Brust und Rücken einreiben)

Hinweis: Bei externer Anwendung ätherischer Öle muss eine relativ hohe Sensibilisierungsrate der Inhaltstoffe berücksichtigt werden. Insofern ist auf Rötung und Juckreiz im Anwendungsbereich zu achten. Ätherische Öle können auch intern angewendet werden um eine Sekretolyse zu fördern. Bewährt haben sich Myrtol-haltige Präparate (z.B. Gelomyrtol). 

Tabellen

 

COPD-Schweregrad (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Global Initiative for Chronic Obstructive Lund Disease (GOLD)

Bemerkung: als Obstruktion wird in dieser Klassifikation eine fixe Ratio FEV1/FVC<0,7 (70%) festgesetzt (s.u. Spirometrie).  CAT-Score (COPD-Assessment -Test: Erfassungsbogen zur Selbstbeurteilung der COPD-Symptomatik). MRC-Scale: Modfied Medical Research Council Scale zur Erfassung der Dyspnoe)

Patientengruppe Charakteristik Spirometrie Exazerbationen/Jahr MRC CAT
Niedriges Risiko wenig symptomat. GOLD 1-2 1/<1 0-1 >10
B Niedriges Risiko stärker symptomat. GOLD 1-2 1/<1 2/>2 10/>10
C Hohes Risiko wenig symptomat. GOLD 3-4 2/>2 0-1 <10
D Hohes Risiko stärker symptomat. GOLD 3-4 2/>2 2/>2 10/>10
GOLD-Schweregrad
Schweregrad der Atemflussbehinderung GOLD-Klasse (FEV1/FVC <70%+ FEV1% v. Soll bei Bronchospasmolyse-Test
Leicht GOLD 1 >80
Mittel GOLD 2 50-79
Schwer GOLD 3 30-49
Sehr schwer GOLD 4 <30

 

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Zuletzt aktualisiert am: 17.05.2018