ACE-Hemmer induziertes Angioödem T73.3

Zuletzt aktualisiert am: 16.07.2018

Autor: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer

Alle Autoren

Synonym(e)

Angioödem erworbenes, ACE-Hemmer-induziertes; RAE; RAE-Angioödem

Definition

Auftreten eines Angioödems nach Einnahme von ACE-Hemmern oder auch von Angiotensin-II-Rezeptorblockern (AT2RB). Die Latenzzeit zwischen Medikamenteneinnahme und Erstmanifestation des Ödems ist äußerst variabel (im Mittel 2-3 Jahre; etwa 2/3 der Angioödeme tritt innerhalb der ersten 3 Monate auf). In einigen Fällen entwickeln sich Angioödeme erst im Zusammenhang mit einem relevanten Infekt oder in Kombination mit anderen Medikamenten (z.B. Diuretika, Antidiabetika oder auch Antibiotika). Nicht immer ist bei der Vielzahl der eingenommenen Medikamente die eindeutige ätiologische und/oder zeitliche Zuordnung zu dem ACE-Hemmer möglich.

 

Vorkommen/Epidemiologie

Inzidenz 400-700/100.000 (0,4-0,7%); rein rechnerisch wären in Deutschland rund 20.000-35.000 Fälle/Jahr zu erwarten. Bei etwa 20% dieser Patienten erweist sich das Angioödem als schwerwiegend, so dass ein stationärer Aufenthalt notwendig wird. 

Ätiopathogenese

Durch ACE-Hemmer wird der Abbau des Bradykinin gehemmt, wodurch dieses vermehrt im Plasma und Gewebe anfällt. In selteneren Fällen kann es auch unter AT-1-Blockern zu Angioödemen kommen.

Lokalisation

Im Gegensatz zum HAE ( hereditären Angioödem) manifestiert sich das RAE nahezu immer im Kopf-Hals-Bereich.

Klinisches Bild

  • Ödeme treten mehrere Monate nach Therapiebeginn auf; jedoch auch nach jahrelanger problemloser Einnahme (im Mittel 2-3 Jahre). Der Bradykinin-Spiegel ist im Anfall erhöht. Der von ACE-Hemmern induzierte Husten ist kein Vorläufer des Angioödems.
  • Die Klinik der RAE-Angioödeme ist tückisch, da sie nicht selten als harmlose Schleimhautödeme beginnen, sich nach Stunden jedoch zu ausgeprägten Ödemen entwickeln. Nicht selten ist der Larynx- und Pharynxbereich betroffen. Schwellungen bilden sich nach 24-72 Stunden zurück, können jedoch bis zu 5 Tage anhalten. Befall von Händen, Füßen und des Magen-Darmtraktes ist ebenfalls möglich.

Diagnose

Klinisches Bild und Anamnese ist diagnostisch. Auszuschließen sind andere Formen des Angioödems (s. u. Angioödem)

Differentialdiagnose

Angioödeme anderer Ätiologie (s.u. Angioödem).

Therapie

Hinweis(e)

Bemerkung: Eine antiallergische Therapie ist bei dieser Angioödemform nicht wirkungsvoll. 

Angioödeme werden ebenfalls durch Reninhemmer induziert.

Literatur
Für Zugriff auf PubMed Studien mit nur einem Klick empfehlen wir Kopernio Kopernio

  1. Bas M et al. (2010) Notfallsituation akutes Angioödem. DMW 135:1027-1031
  2. Bouillet L et al. (2003) Angioedema and oral contraception. Dermatology 206: 106-109
  3. Dick W et al. (1985) Gegenwärtige diagnostische Möglichkeiten beim hereditären Angioödem (HAE) und beim erworbenen Angioödem (AAE) Immun Infekt 13: 113-118
  4. Greaves M et al. (1991) Angioedema: manifestations and management. J Am Acad Dermatol 25: 155-161
  5. Sachs B et al. (2018) Arzneimittelassoziierte Angioödeme. Hautarzt 69: 298-305 
  6. Zuraw BL, Christiansen SC (2009) Pathogenesis and laboratory diagnosis of hereditary angioedema. Allergy Asthma Proc 30:487-492

Disclaimer

Bitte fragen Sie Ihren betreuenden Arzt, um eine endgültige und belastbare Diagnose zu erhalten. Diese Webseite kann Ihnen nur einen Anhaltspunkt liefern.

Abschnitt hinzufügen

Autoren

Zuletzt aktualisiert am: 16.07.2018